Attila Hildmann auf einer seiner Kundgebungen. Foto: Imago
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Antisemitismus im Netz Attila Hildmann gibt Juden die Schuld – und verteidigt Hitler

Der Berliner Kochbuchautor behauptet, jüdische Familien wollten die “deutsche Rasse auslöschen”. Es gibt mehrere Strafanzeigen.

Seine Botschaften werden immer hasserfüllter. Er beschimpft Gegner als “Parasiten” und “Untermenschen”, feiert sich selbst als “deutschen Nationalisten”. Dazu verbreitet er einen kruden Mix aus antisemitischen Verschwörungsmythen, nach denen Juden etwa den Holocaust mitfinanziert hätten. Diese “Zionisten” - laut Hildmann handelt es sich dabei um einen “Judenstamm” - versuchten schon lange, “die deutsche Rasse auszulöschen”.

Vor Wochen war der Berliner Kochbuchautor Attila Hildmann noch für seine wirren Theorien ausgelacht worden, hinter Corona stecke ein teuflischer Plan von Microsoft-Gründer Bill Gates. 

Die Lügengeschichten, die er nun übers Internet streut, kursieren sonst unter Neonazis und Holocaustleugnern. Zum Beispiel: Weil sich der "Judenstamm" der Zionisten für ein “auserwähltes Volk” halte, wollte er Deutschland bereits nach dem Ersten Weltkrieg durch Reparationsforderungen zerstören. 

Vor diesem Angriff habe Adolf Hitler die Deutschen lediglich zu schützen versucht. Im Vergleich zu Angela Merkel sei Hitler “ein Segen” gewesen, schreibt Hildmann.

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Der “Judenstamm” der Zionisten habe dann den Holocaust  mitfinanziert, nach dem Krieg habe er weiter daran gearbeitet, “die deutsche Rasse" zu vernichten. Zu diesem Zweck habe er auch Angela Merkel als Kanzlerin installiert, die ebenfalls Jüdin sei. Sie gehöre demselben Stamm an wie George Soros, Mark Zuckerberg, die Rothschilds und Warburgs sowie Helmut Kohl. Aktuell planten diese Juden einen globalen Völkermord.

Neben seinen antisemitischen Ausfällen verbreitet Hildmann verstärkt Reichsbürger-Ideologie: Deutschland habe im Zweiten Weltkrieg überhaupt nicht kapituliert, sei heute kein souveräner Staat, sondern besetztes Gebiet. Zudem bewirbt Hildmann auf seinem Kanal das extrem rechte, vom Verfassungsschutz beobachtete “Compact”-Magazin. Einer Sprachnachricht gab er den Titel  “Mein Kampf”.

Antisemitische Lügenschrift als Lesetipp

In einer zweiten Telegram-Gruppe, in der Hildmann seine Anhänger diskutieren lässt, wird ebenfalls wüst gehetzt. Dort wird etwa die antisemitische Lügenschrift “Protokolle der Weisen von Zion” zur Lektüre empfohlen. Keiner schreitet ein.

Seine Entgleisungen haben für Hildmann reale Konsequenzen. Sämtliche Händler haben seine Energy-Drinks aus den Regalen verbannt, Mitarbeiter wandten sich ebenso von ihm ab wie die Firma, die seine Flaschen abfüllte. Auch das Musikportal, bei dem Hildmann als Sponsor auftrat, will nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht werden.

Mittlerweile sind bei der Polizei mehrere Strafanzeigen gegen Hildmann eingegangen. Der Staatsschutz habe die Prüfung übernommen, erklärt die zuständige Polizei Brandenburg. Dort lebt der Mann. Zudem erhielt er eine Unterlassungsaufforderung von SAP-Gründer Dietmar Hopp, den Hildmann zuvor beleidigt hatte. 

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Seine Hoffnung, er würde Anführer einer großen Bewegung gegen die Bundesregierung und ihre Corona-Maßnahmen, hat sich ebenfalls zerschlagen. Die Teilnehmerzahlen seiner Demonstrationen dümpeln vor sich hin, ja sind verschwindend gering im Vergleich zu den Protesten von "Black Lives Matter" oder der "Seebrücke". Von Bewegung keine Spur.

Zur Not müsse er eben wieder alleine protestieren, schrieb Hildmann neulich. Dabei hatte er vor kurzem noch großspurig verkündet, er werde schon bald das Amt des deutschen Staatschefs übernehmen. 

Beschuss aus den eigenen Reihen

Zudem gerät er inzwischen selbst in den Fokus der Verschwörungsideologen und ihrer wirren Theorien. Manche behaupten, Hildmann sei vom deutschen Geheimdienst geschickt worden, um die Bewegung der Corona-Skeptiker durch sein peinliches Auftreten ins Lächerliche zu ziehen. Andere werfen ihm vor, er sei Mitglied des Islamischen Staats. Schließlich habe er bei Reden mehrfach den Zeigefinger gen Himmel gereckt. So gehe das Erkennungszeichen der Terroristen. 

Treu zu ihm hält immerhin noch Sänger Xavier Naidoo, der jüngst ebenfalls durch judenfeindliche Entgleisungen aufgefallen ist. Den Zentralrat der Juden beschimpft Naidoo als “Zentralrat der Lügen”. Die dort Engagierten seien gar keine echten Juden: “Wenn Ihr Juden seid, bin ich ein Koreaner.” Außerdem verkündete Naidoo, die Erde sei kein Globus.

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