Die Hauptstraße von Hirschfeld. Sebastian Leber
© Sebastian Leber

AfD-Hochburg in Südbrandenburg Wie die Bürgermeisterin von Hirschfeld ihre Augen verschließt

Im Dorf Hirschfeld holt die AfD Rekordwerte. Hier dokumentieren wir, was die Bürgermeisterin zu den rechten Erfolgen sagt

Hirschfeld im Landkreis Elbe-Elster ist ein besonderes Dorf. In den Nullerjahren kam die DVU auf 26 Prozent, inzwischen ist es die AfD, die hier landesweite Spitzenwerte einfährt: über 40 Prozent bei der Bundestagswahl 2007, mehr als 43 Prozent bei der Europawahl im Mai, nun gar 50,6 Prozent bei der Landtagswahl.

Wie sehr manche vor dem Rechtsruck ihre Augen verschließen, zeigt die Stellungnahme der parteilosen Bürgermeisterin Ivonne Haase. Vergangene Woche bat der Tagesspiegel um ein Interview, Haase zögerte. Schließlich willigte sie ein, unsere Fragen schriftlich zu beantworten. Ihre Antwort, die uns am Tag vor der Wahl erreichte, ist ein bemerkenswertes Zeugnis selektiver Wahrnehmung. Auf Haases Wunsch hin veröffentlichen wir sie hier in voller Länge.

Die Fragen des Tagesspiegels an Ivonne Haase:

- Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass es bei den vergangenen Wahlen in Hirschfeld einen stark überdurchschnittlichen Anteil an AfD-Wählern gab?

 - Welche Auswirkungen haben dieser hohe AfD-Anteil für das Gemeindeleben und die Außenwahrnehmung von Hirschfeld?

 - Sehen Sie als Bürgermeisterin den hohen AfD-Anteil als Problem an?

 - Sehen Sie ihn als Zeichen für Fremdenfeindlichkeit?

 - Was sind die drängendsten Themen, die die Bewohner von Hirschfeld bewegen?

Die Antwort der Bürgermeisterin:

"Wir sind eine tolerante und weltoffene Gemeinde im Amt Schradenland. Eingebunden in eine wunderschöne Landschaft und Umgebung mit einer stetig wachsenden Infrastruktur. Darüber hinaus sind wir ein gut besuchtes Tourismusgebiet. Bei der Landtagswahl 2014 hatten wir eine Wahlbeteiligung mit 387 Wählern (35%). Damals wählten 56 Wähler mit der Zweitstimme die AFD. Von einem überdurchschnittlichen Wahlergebnis kann man hier nicht sprechen. Aus meiner Sicht leben wir in einer Demokratie in der das Vertrauen in die Politik und in die Parteien schwindet. Die Bürger können sich nicht mehr mit der Politik bzw. den Politikern identifizieren. Die Politik ist weit entfernt von den Problemen und Interessen der Bürger. Diese anscheinenden Protestwahlen finden bundesweit statt und nicht nur im Osten.
Bürgermeisterin

Ivonne Haase"

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