Eng am Mann: Niels Giffey (rechts) ist einer der Spieler, die Albas junge Mannschaft anführen sollen. Foto: Andreas Gebert/dpa
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Basketball-Bundesliga Alba Berlin: Geld ist nicht alles

Leonard Brandbeck
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Der Saisonstart in der Basketball-Bundesliga steht kurz bevor. Alba Berlin kann nicht mehr mit Bamberg und Bayern mithalten – und sucht deswegen einen neuen Weg.

Es sind nicht mehr viele Tage bis zum Beginn der neuen Basketball-Saison. Die Spieler von Alba Berlin schlurfen durch ihre Trainingshalle in der Berliner Schützenstraße. Die großen Jungs quatschen ein bisschen, ab und an wirft mal einer den Ball in Richtung Korb. Alles entspannt. Plötzlich lässt ein Schrei alle hochfahren. Bogdan Radosavljevic brüllt aus vollem Halse, obwohl er für das Foto, das gerade von ihm gemacht wird, nur so tun soll, als ob er brüllt.

Alba Berlin will wieder laut sein im deutschen Basketball. Das ist durchaus eine Botschaft, die der Klub nach außen senden will. Es ist zuletzt nicht gut gelaufen für die Berliner. Wobei zuletzt untertrieben ist. Alba Berlin wurde Mitte der 1990er Jahre bis Anfang der 2000er sieben Mal in Folge Deutscher Meister. Alba war all das, was die anderen großen Berliner Sportvereine in dieser Bandbreite nicht waren: spannend, cool, sympathisch und erfolgreich. Das ist lange her. Alba ist schon seit einigen Jahren nicht mehr sonderlich spannend und den Satz, dass der Klub schon einmal sympathischer rübergekommen ist, würde der ein oder andere sicher auch unterschreiben. Das liegt in erster Linie daran, dass Spieler kommen und schnell wieder gehen, der Erfolg aber nie bleibt bei Alba. Ein paar Überraschungen im deutschen Pokal schafften die Berliner in den vergangenen Jahren, mehr war nicht drin.

Ein Paradigmenwechsel

Nach diesen vielen dürren Jahren ist für die Klub-Verantwortlichen nun offenbar die Zeit gekommen, in der der ernsthafte Versuch unternommen wird, wieder spannender, erfolgreicher und sympathischer zu werden. Man habe die jüngste Mannschaft der Alba-Geschichte, im Spanier Aito Garcia Reneses eine Trainerlegende und obendrein ein um immerhin 25 Prozent erhöhtes Spielerbudget, sagte Albas Präsident Axel Schweitzer am Dienstag. Das klang beeindruckend, Schweitzer sagte aber auch: Bayern und Bamberg sind weit vorne. Alba habe nur ein Drittel von deren jeweiligen Spielerbudgets. „Das ist die Realität“, sagte Schweitzer. „Wir respektieren den Weg, der da gegangen wird. Wir gehen unseren eigenen.“

Es deutet bislang alles darauf hin, dass Alba in dieser Spielzeit so etwas wie einen strategischen Paradigmenwechsel vollzieht. In den vergangenen Jahren versuchte Albas gewiefter Manager Marco Baldi, den finanziellen Nachteil gegenüber Bamberg und Bayern durch intelligente Transfers wettzumachen. Doch von Saison zu Saison nahm der finanzielle und kongruent dazu auch der sportliche Abstand zu Bamberg und Bayern München zu. Nun sieht der neue Weg vor, nicht mehr das eher aussichtslose Duell mit diesen Mannschaften zu suchen. Sondern dem Klub wieder ein Gesicht zu geben. Für dieses neue Gesicht steht insbesondere Aito Garcia Reneses.

Fördern und fordern

„Er ist eine Legende in Spanien“, sagt auch Albas neuer Führungsspieler Luke Sikma. Tatsächlich hat der 70 Jahre alte Reneses einen weltweit ausgezeichneten Leumund. Er gilt als einer der größten Talentförderer überhaupt im europäischen Basketball. Reneses soll Alba den Weg ebnen in eine Zukunft, in der eigene Talente eine große Rolle spielen. Im aktuellen Profikader befinden sich in Niels Giffey, Joshiko Saibou und Tim Schneider drei Spieler, die das Alba-Jugendprogramm durchlaufen haben. „Wir haben eine Quote wie kein anderes Team in der BBL“, sagt Baldi und verspricht: „Das wird in den nächsten Jahren noch zunehmen.“ Der Manager dürfte hierbei an die vielen hoffnungsvollen Talente wie etwa Kresimir Nikic, Bennet Hundt oder Hendrik Drescher denken, die sich in Albas Perspektivkader befinden. „Wir machen das nicht aus Freude an der Entwicklung“, sagt Baldi. „Wir wollen auch wettbewerbsfähig sein.“

Er weiß zu gut, dass genau das die Krux ist, diesen Spagat zwischen Förderung junger Talente und erfolgreichem sportlichen Abschneiden zu schaffen. Deswegen ist der neue Weg, den er mit dem spanischen Talenteentwickler Reneses gehen will, mit ein paar Sicherungen versehen.

Den jungen Spielern hat Baldi auch erfahrene Männer wie etwa Luke Sikma zur Seite gestellt. Der ist zwar auch erst 28 Jahre alt, aber schon ungemein routiniert. Zusammen mit Niels Giffey soll er den vielen Talenten in Albas Kader helfen, schon am Samstag beim ersten Saisonspiel in Ulm (18.00 Uhr). Sollte der Beginn der Saison nicht so verlaufen wie erwünscht, rät Baldi zur Geduld. „Wenn es nicht läuft, dürfen wir nicht vom Weg abrücken“, denn dieser Weg war „für den ein oder anderen Spieler der Grund, sich uns anzuschließen.“

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