Volle Kanne Garten. Zum Start Wochenende steigt das zweitägige Kirschblütenfest in den Gärten der Welt. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Internationale Gartenausstellung in Berlin Heute geht es los: Tipps rund um den IGA-Besuch

Lars Laute
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Lange wurde geplant und gebuddelt, diesen Donnerstag erblüht sie endlich – die IGA 2017. Highlights und Tipps für die ersten Tage.

Für Blumenfreunde

Eine Reise durch die verschiedenen Gartenkulturen der Welt versprechen die neu gestalteten Internationalen Gartenkabinette und die traditionellen Gärten der Welt. Letztere wurden pünktlich zur IGA um einen zehnten Themengarten erweitert: Im Zentrum des neuen Englischen Gartens liegt ein reetgedecktes Cottage, umgeben von Rosen- und Staudengarten, Obstbäumen, Lilien – natürlich dürfen auch die weitläufigen Rasenflächen nicht fehlen.

In den Internationalen Gartenkabinette verwirklichten neun renommierte Landschaftsarchitekten von allen Kontinenten (die Antarktis ausgenommen), auf jeweils 380 Quadratmetern ihre Vorstellungen von moderner, regional geprägter Gartenkunst: Waldartig mit Anden-Scheinbuchen, thailändisch mit bergigen Inseln im Postkartenstil, chinesisch mit Pfaden unter hohem Bambus.

Für Architekturfans

64 Seilbahnkabinen schweben übers IGA-Gelände, sechs davon haben sogar einen gläsernen Boden. Auf der fünfminütigen Fahrt lassen sich die architektonischen Highlights des IGA-Geländes besonders gut erfassen. Zu diesen zählen auch die Seilbahnstationen selbst mit ihren begrünten Dächern.

Die Fahrt in Berlins erster Kabinenseilbahn startet am Haupteingang Kienbergpark nahe dem gleichnamigen Bahnhof der U 5. Man schwebt vorbei am Aussichtsbauwerk Wolkenhain – einer Konstruktion aus Stahl auf dem Gipfel des Kienbergs, von dem aus man bis zum Fernsehturm blicken kann – und kommt am Besucherzentrum an. Neben den großflächigen Verglasungen, die für eine helle Atmosphäre im Gebäude sorgen, bietet das Gebäude unter anderem einen bepflanzten Innenhof.

Ein weiteres architektonisches Highlight auf dem Gelände ist die Freilichtbühne Arena. Im Stil eines klassischen Amphitheaters angelegt, bietet sie Platz für rund 5000 Besucher. Auf der Bühne, die von einem geschwungenen, begrünten Dach überdeckt wird, finden während der IGA zahlreiche Konzerte und Kulturveranstaltungen statt.

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Für Familien

Kinder müssen sich nicht langweilen, wenn die Erwachsenen versonnen auf Beete starren, Blüten bewundern und den Blick über das Wuhletal schweifen lassen. Drei große Spielplätze wollen erobert werden, thematisch orientieren sie sich an Erich Kästners Buch „Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“: Auf dem Wasserspielplatz gibt es etwa (zum Glück keine echten) Haie, einen Wal und einen scheinbar schwankenden Steg. Wer dann noch nicht aus der Puste ist, kann sich im Labyrinth verausgaben oder mit bis zu 40 Stundenkilometern die Bobbahn am Kienberg hinuntersausen.

Für Wissbegierige

Wie funktioniert Recycling? Welche Organismen leben in einer Handvoll Ackerboden? Und wie misst man die Wasserqualität in einem Teich? Damit man von der IGA mehr mitnehmen kann als die Erinnerung an einen netten Ausflug, gibt es den IGA-Campus und ein neues Umweltbildungszentrum an der Kienbergpromenade. Mehr als 2500 Veranstaltungen für kleine und große Besucher zeigen, was die Natur gibt und wie sie sich bewahren lässt. Zum Campus gehört auch der Weltacker, ein Projekt der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Hier geht es auf 2000 Quadratmetern um die Frage, wie die Menschheit rund um den Globus ernährt werden kann. Fläche und Bepflanzung entsprechen dabei der realen globalen Ackernutzung. Bei den Führungen lernt man auch, warum es heute immer noch Regionen gibt, in denen Hunger herrscht.

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Bei Regenwetter

Die ersten IGA-Tage werden wohl etwas nass – doch auch bei schlechtem Wetter lohnt sich der Ausflug in Berlins wilden Osten. In der neu errichteten Tropenhalle, die nun den Balinesischen Garten überspannt, kann man den grauen Himmel ganz einfach hinter sich lassen.

Spirituell wird es im Pavillon „Dialog der Kulturen“, ein minimalistischer, halbtransparenter Bau, der als Treffpunkt, Info- und Veranstaltungsort dient. Das Programm wurde gemeinsam von christlichen, jüdischen, muslimischen, buddhistischen, hinduistischen und Sikh-Gemeinden aus Berlin geplant. Täglich zwischen 12 und 13 Uhr gibt es ein traditionelles Tagesritual, etwa ein Gebet.

Der Gastgeber-Bezirk stellt sich im Informationszentrum Marzahn-Hellersdorf am östlichen Haupteingang KIenbergpark vor. Der Besuch lohnt sich, denn Berlins nordöstlichster Bezirk besteht aus weit mehr als Europas größter Plattenbausiedlung besteht. Geschichte, Gegenwart und Zukunft von „MaHe“ werden präsentiert, ergänzt wird das Angebot durch die Tourismusinformation.

Für den Grünen Daumen

Wo könnte man sich besser inspirieren lassen für den eigenen Garten als auf einer Internationalen Gartenbauausstellung? Erste Anlaufstelle für Hobbygärtner sind die „Haus- und Privatgärten“: Zehn professionelle Landschaftsgärtner haben exemplarische Gartensituationen geschaffen, bei denen sich Interessierte Anregungen für die Gestaltung des heimischen Gartens oder des Balkons holen können. Wie wäre es beispielsweise mit einem Beach-Garten mit feinem Sandstrand? Oder einem „Move-Me-Garten“, der sich an die Tageszeit anpassen lässt?

Botanische Anregungen verspricht auch die Blumenhalle, in der wechselnde Blumenschauen stattfinden. Auf rund 3500 Quadratmetern werden Ausstellungen zu Rhododendren, Orchideen, Hortensien oder Kräutern gezeigt.

Wer Tipps zur Pflanzenpflege benötigt, ist im „i-Punkt Grün“ richtig: Hier beantworten Gärtner- und Floristikmeister Fragen von Besuchern. Außerdem finden rund 500 Veranstaltungen statt, darunter auch mehrere Genießer-Wochen, bei denen regionale Erdbeer-, Spargel- oder Tomatenanbauer ihre Produkte vorstellen.

Cover IGA Begleitbuch Foto: null
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Für Hungrige und Durstige

104 Hektar umfasst das IGA-Gelände und wer das alles erkundet, muss sich zwischendurch auch mal stärken. Besonders idyllisch geht das im Englischen Garten. Zwischen kunstvoll angelegten Beeten in Ruhe Törtchen und Kuchen essen – das hat schon fast etwas Royales.

Nach dem kulinarischen Abstecher auf die britische Insel lohnt sich eine Reise nach Fernost: Im Chinesischen Garten bietet das Teehaus authentische Zeremonien an. Und wer sagt denn, dass es nur auf dem Gelände grünt? Besucher haben die Wahl zwischen 30 Sorten Grünem Tee. In regelmäßigen Vorführungen wird gezeigt, wie man die auch richtig zubereitet.

Für die Frühstarter

Am ersten IGA-Tag werden die Gäste von Walking Acts begrüßt – überdimensionalen Blumenfiguren, die durch die Anlage wandeln. Ab 18 Uhr steigt das Bürgerfest. Hier tritt unter anderem das Berliner Singer-Songwriter-Duo berge auf, das den offiziellen IGA-Song „Meer aus Farben“ schrieb. Auf der Bühne steht auch die legendäre Ost-Band Karat mit Hits aus ihrer mehr als 40-jährigen Karriere. Zum Abschluss des Bürgerfests gibt’s ein Feuerwerk.

Beim ersten Osterwochenende ziehen eine Band und eine Theatergruppe durch den Park, die Blumenschauen starten in der Blumenhalle, und im „i-Punkt Grün“ finden Infoveranstaltungen rund um Botanik und Garten statt. Am Ostersonntag sind Eier im IGA-Orange auf der Anlage versteckt – für jedes gefundene Ei gibt’s ein kleines Souvenir.

Am Sonntag und Montag findet das traditionelle Kirschblütenfest in den Gärten der Welt statt – erstmals an zwei Tagen. Teil des Fests sind traditionell auch Cosplayer, die sich als Figuren aus Mangas, Comics oder Filmen verkleiden. Auf dem Programm steht außerdem traditioneller Tanz aus Fernost, Konzerte mit japanischen Instrumenten und eine Kimono-Modenschau.

Für Kulturliebhaber

Im „Los Angeles Garden“ in den Internationalen Gartenkabinetten grünt es künstlich: Der Parkplatz mit den stählernen Palmen ist eine Anspielung auf unsere Welt, in der das Autos dominiert.

Foto: Tagesspiegel
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