2,85 Millionen Studierende sind in Deutschland zum Wintersemester eingeschrieben. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Rekordzahl in Deutschland So viele Studierende wie nie zuvor

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So viele Studierende wie nie zuvor sind in Deutschland eingeschrieben. Doch der Zuwachs verlangsamt sich - Studienanfänger kamen jetzt sogar geringfügig weniger an die Hochschulen.

Die Zahl der Studierenden in Deutschland ist im zehnten Jahr in Folge gestiegen. 2,85 Millionen sind zum Wintersemester an einer Hochschule hierzulande eingeschrieben, das sind noch einmal 40 800 mehr als im Vorjahreszeitraum, was einem Plus von 1,5 Prozent entspricht. Allerdings schwächt sich der Anstieg im Vergleich zu den vergangenen Jahren etwas ab. Fast zwei Drittel (62,7 Prozent) gehen an eine Universität, Fachhochschulen haben einen Anteil von 34,5 Prozent. Das gab das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt.

Studienanfänger kamen dagegen erstmals seit dem Jahr 2013 geringfügig weniger an die Hochschulen: Deren Zahl liegt im Studienjahr 2017 bei 509 400, ein Rückgang von 0,1 Prozent. Der Rückgang betrifft vor allem Universitäten (minus 1,6 Prozent), während an Fachhochschulen mehr Studienanfänger als im Vorjahr begannen. Gesunken ist auch die Studienanfängerquote, also der Anteil der Studienanfänger an der gesamten Kohorte der 18-25-Jährigen in Deutschland. Die Quote liegt jetzt bei 56,0 Prozent, während sie im Jahr 2013 schon einmal bei 58,5 Prozent lag. Die Statistiker erklären das damit, dass die Gesamtkohorte schneller wächst als die Zahl der Studienanfänger.

Rekordzahlen auch in Berlin

Ein Blick in die Bundesländer zeigt, dass Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die einzigen Bundesländer sind, in denen die Gesamtstudierendenzahl sinkt, wenn auch nur gering. In Berlin dagegen waren mit 187 000 Studierenden 3,8 Prozent mehr eingeschrieben. Schon zu Beginn des Wintersemesters hatte der Senat angekündigt, mit einem neuen Studierendenrekord in der Stadt zu rechnen. Diese Prognose ist jetzt auch eingetroffen. Ein Rekord, der sich für Studierende auch darin bemerkbar macht, dass es immer schwieriger für sie wird, einen Platz im Studentenwohnheim oder überhaupt eine Wohnung zu bekommen. Dieter Timmermann, der Präsident des Deutschen Studentenwerks, bezeichnete die Lage vieler Studierender auf dem Wohnungsmarkt als "dramatisch": "Es mangelt in sehr vielen Hochschulstädten an bezahlbarem Wohnraum." Er bekräftigte die Forderung nach einem Bund-Länder-Hochschulsozialpakt, um den Ausbau von Wohnheimen voranzutreiben.

Den größten Studierendenzuwachs verzeichnete Hamburg (plus 6,2 Prozent), mit gut 107 000 Studierende sind in der Hansestadt allerdings immer noch deutlich weniger eingeschrieben als in Berlin. Auf Zuwachsraten wie Berlin kommen auch Bayern, Bremen, Hessen und Schleswig-Holstein. In Brandenburg blieb die Zahl der Studierenden mit gut 49 000 praktisch konstant.

Ein dauerhafter Hochschulpakt wird gefordert

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) forderte, Bund und Länder müssten endlich zu "dauerhaft tragfähigen Lösungen" in der Hochschulfinanzierung kommen. Seit zehn Jahren müssten die Hochschulen mit dem wiederholt aufgelegten, befristeten Hochschulpakt leben. Sie könnten damit bislang nur "auf Sicht fahren", erklärte HRK-Präsident Horst Hippler: "Eine vernünftige Personalplanung, neue Dauerstellen, grundlegende Investitionen – all das ist damit nicht möglich." Die Hochschulfinanzierung brauche daher endlich "ein solides Fundament".

Auch Kai Gehring, Wissenschaftsexperte der Grünen im Bundestag, forderte, Bund und Länder müssten den bislang nur bis 2020 vereinbarten Hochschulpakt "fortsetzen, endlich verstetigen und besser ausstatten". Nach dem Studierendenberg würden die Zahlen eben "nicht wieder zu Tal rauschen: sondern wir bewegen uns auf einer ausgedehnten Hochebene".

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