Journalistik-Studierende in Leipzig produzieren eigene Zeitungsseiten. Foto: Hendrik Schmidt/picture alliance/ZB
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Neuer Journalismus-Masterstudiengang in Leipzig Forschen und schreiben

Helke Ellersiek
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Datenjournalismus, aber nicht ausschließlich: Nach dem abrupten Aus für den einst renommierten Leipziger Journalistik-Studiengang kommt jetzt der Neustart.

Der Masterstudiengang Journalistik an der Uni Leipzig galt als traditionsreich und renommiert. Als die Hochschulleitung vor sieben Monaten die Notbremse zog und das Programm stoppte, waren viele überrascht. Jetzt soll es mit neuem Inhalt und neuem Personal weitergehen. Viel wird sich ändern, die Journalistenschmiede bleibt – das jedenfalls ist die Hoffnung in Leipzig.

Als Erstes fällt auf: Der Professor ist nicht da. Für Marcel Machill, den heftig umstrittenen Leiter des Masters Journalistik und letztverbliebenen Professor, ist kein Platz reserviert, als am Dienstagabend im Senatssaal der Uni Leipzig das neue Konzept vorgestellt wird. Stattdessen sitzt da Markus Beiler, Juniorprofessor für Journalismusforschung, neben seinen Fakultäts- und Institutskollegen. „Auch Kollege Machill war als Mitglied der Reformkommission beteiligt“, sagt Fakultätsdekan Thomas Kater, als er den Reformprozess der letzten Monate erklärt, über den Abwesenden. Doch der werde am neu aufgestellten Studiengang nicht beteiligt sein: Machill wechselt zum Bachelorstudiengang Medien- und Kommunikationswissenschaften – auf eigenen Wunsch, wie Kater sagt: „Er will seine Expertise im Bachelor einbringen.“ Auf Nachfrage schiebt er hinterher, ihm sei nicht bekannt, ob Machill aktiv aus dem Master herausgedrängt worden sei.

Von der besten Journalisten-Schmiede zum Problemstudiengang

Machill gilt unter Studierenden als einer der Gründe, warum der Master gestoppt werden musste. Über Jahrzehnte hat die Uni den Studiengang am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften zusammengestrichen. Und das, obwohl der Studiengang zu Zeiten des Journalistikprofessors Michael Haller, der den Studiengang nach der Wende neu aufgebaut hat, als beste Uni-Journalistenschmiede des Landes galt. Das Konzept: Die angehenden Journalisten lernen im Studium neben journalistischer Forschung auch das Handwerk und krönen ihr zweijähriges Studium mit einem Volontariat bei einer Zeitung. Wissenschaftliche Expertise und viel Praxis also.

Nach Hallers Emeritierung ging der Kampf um die Stellen los: Während zuvor zwei Professoren, ein Hochschuldozent und 6,5 Mitarbeiterstellen den Studiengang betreuten, sind heute nur zweieinhalb Mitarbeiterstellen und ein Professor übrig – und Letzterer hat spätestens ab dem nächsten Wintersemester wohl nichts mehr mit dem Master zu tun. Eine Erleichterung für viele Studierende, galt der Professor doch als launisch und unberechenbar. Vor Jahren hatte er die schlechte Stimmung im Studiengang auf die Spitze getrieben, als er einen Journalistikstudenten wegen Urheberrechtsverletzungen verklagte. Er hatte ein Buch des Professors für seine Kommilitonen eingescannt, weil es nicht mehr verfügbar war.

Juniorprofessur wird durch eine Gastprofessur verstärkt

Ersetzt wird Machills Stelle durch eine neue Gastprofessur, benannt nach dem Gründer der Leipziger Journalistenausbildung, Karl Bücher. Wer die Stelle antritt, steht noch nicht fest: „Möglich sind auch zwei halbe Professuren“, sagte Juniorprofessor Markus Beiler, der zuvor unter Machill arbeitete und künftig den neuen Studiengang verantworten soll. Die Stelle des Gastprofessors finanziert, nach jahrelangen Einsparungen, das Rektorat.

Auch inhaltlich ändert sich viel für künftige Studierende, die sich voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres wieder bewerben können: Neben angewandter empirischer Sozialforschung und einem abgespeckten journalistischen Handwerksanteil führt der Studiengang neue Module für Datenjournalismus ein. Damit sollen Studierende lernen, wie Algorithmen und Datenbanken funktionieren.

Ein Drittel Datenjournalismus, das Volontariat bleibt bestehen

Zwischenzeitliche Gerüchte, der Studiengang werde sich ausschließlich auf Datenjournalismus konzentrieren, wiesen die Verantwortlichen zurück. Die Module machen ein Drittel der Studienleistung aus, das Volontariat im fünften und sechsten Semester bleibt bestehen.

Dafür ändert sich der Name des Studiengangs: Von „M. A. Journalistik“ zum „M. Sc. Journalismus“. Der Studiengang soll Bachelorabsolventen aller Fachrichtungen offenstehen. Ob das reformierte Programm sich in der Praxis als tauglich erweist, will die Fakultät zwei Jahre nach dem Start mit einer Evaluation herausfinden.

Wie es um die nicht-universitären Journalistenschulen in Deutschland bestellt ist, lesen Sie hier.

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