Mamba Foto: picture alliance, dpap

Abertausende vergessene Opfer Schlangenbiss-Gegengift geht aus

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Das wichtigste Gegengift gegen Schlangenbisse in Afrika verschwindet ab Juli endgültig aus den Kliniken. Dabei könnte es viel Leid verhindern.

Fuß und Unterschenkel der jungen Frau rotteten nach einem Schlangenbiss jahrelang vor sich hin. Das Mittel des Heilers half nicht, der Weg in die Klinik war durch den Bürgerkrieg im Südsudan versperrt. Als sie endlich in Agok bei „Ärzte ohne Grenzen“ ankam, konnte der Chirurg ihr Bein nur noch amputieren. Sie lebt und läuft an Krücken. Immerhin.

Ähnliches Leid steht nun hunderttausenden Bauern, Fischern, Nomaden und Kindern in Afrika bevor, selbst wenn sie es rechtzeitig zu einem Arzt schaffen. Denn das am vielfältigsten einsetzbare Gegengift gegen die Bisse von Vipern, Mambas und Kobras ist ab Juli nicht mehr verfügbar, warnt die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“. Sanofi Pasteur stelle FAV-Afrique – ein Mittel, das gegen die Giftstoffe der zehn häufigsten Schlangen Afrikas südlich der Sahara wirkt – seit 2010 nicht mehr her.

Mehr Todesopfer als durch Naturkatastrophen

Die Produktion war für die Firma nicht mehr wirtschaftlich und niemand ist eingesprungen. Nun laufe Ende Juni die Haltbarkeit der Restbestände ab. Damit werde die Behandlung von fünf Millionen Menschen pro Jahr deutlich erschwert. „Die Opfer wissen selten, von welchem Schlangentyp sie gebissen wurden“, sagt Christine Jamet, Koordinatorin von „Ärzte ohne Grenzen“ im Südsudan. „Wir haben nun keine Wahl, als sie künftig nach ihren Symptomen zu behandeln.“ Zwei alternative Gegengifte seien nicht so breit wirksam und weniger hochwertig.

Jedes Jahr sterben mehr Menschen durch Schlangenbisse als durch Naturkatastrophen oder alle vernachlässigten tropischen Erkrankungen zusammen. Insgesamt sind es nach Angaben der Organisation 125 000 Patienten. Rund 400 000 Opfer seien nach einem Biss behindert oder entstellt, ihre Arbeitsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt. Auch zu dem etwa 250 Dollar teuren FAV-Afrique hatte nur jeder zehnte Patient Zugang.

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