Strategiewechsel. Disney vermarktet Inhalte künftig selbst. Foto: dpap

Streaming Disney macht Netflix Konkurrenz

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Der Unterhaltungskonzern kündigt Kooperation mit Netflix und will eigenen Abodienst für Videos starten.

Der US-Unterhaltungskonzern Disney steigt in den umkämpften Markt für Videostreaming ein. Ab 2019 wolle man neue Filme in den USA über einen eigenen Online-Videodienst anbieten, kündigte das Unternehmen am Dienstag nach Börsenschluss an. Daher kündigt Disney seine bisherige Partnerschaft mit dem Streaming-Pionier Netflix. Disney-Chef Bob Iger verspricht sich durch den Kurswechsel eine „viel stärkere Kontrolle über das eigene Schicksal in einem sich rasant ändernden Markt“.

Wandel der amerikanischen TV-Landschaft

Der Vorstoß könnte den Wandel der amerikanischen TV-Landschaft beschleunigen. Bisher sind viele Sender meist über Kabel- und Satellitenverträge zugänglich. Doch unter anderem dank Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Video sind bereits so viele Inhalte online verfügbar, dass immer mehr Haushalte ihre teuren TV-Abos kündigen. Das schlägt sich auch in sinkenden Abonnentenzahlen bei ESPN nieder. Der Sportsender ist bislang eine der wichtigsten Einnahmequellen des Disney-Konzerns, dessen Gewinn im jüngsten Quartal um neun Prozent fiel. Deshalb sucht Disney-Chef Iger jetzt in einer Strategiewende den direkten Draht zu Verbrauchern.

Zunächst soll im kommenden Jahr das Programm von ESPN auch im Internet angeboten werden. Dann soll der eigene Streamingdienst für Disney-Inhalte folgen. Um das neue Angebot technisch zu schultern, übernimmt Disney die Mehrheit des Videostreaming-Unternehmens Bamtech. Der Unterhaltungskonzern zahlt 1,6 Milliarden Dollar für einen 42-Prozent-Anteil an der Firma, zuvor hatten Disney schon 33 Prozent gehört.

Eigener Streamingkanal für "Star Wars"?

Für Netflix ist das ein Rückschlag. Bislang hatte sich der Streamingdienst für schätzungsweise 300 Millionen Dollar pro Jahr die Exklusivrechte an den Disney-Hits gesichert. Mit dem Ende der bisherigen Partnerschaft muss der Streamingdienst auf kommende Disney-Filme wie „Toy Story 4“ und „Frozen 2“ verzichten und bekommt einen weiteren Konkurrenten. Dagegen sei noch nicht entschieden worden, wie Filme des Disney-Studios Marvel und des „Star Wars“-Produzenten Lucasfilm nach 2018 vermarktet werden sollen, sagte Iger und schloss auch einen eigenen „Star Wars“-Streamingkanal nicht aus. Netflix-Aktien fielen am Mittwoch um 2,5 Prozent. Doch auch Disney-Aktionäre sind von den Erfolgsaussichten der neuen Strategie noch nicht überzeugt: Die Papiere gaben sogar um 4,5 Prozent nach.

Für hiesige Zuschauer hat es zunächst keine Auswirkungen, denn international werden die Rechte zum Teil langfristig anders verteilt – so werden in Deutschland viele neue Disney-Filme bei Sky gestreamt. Oliver Voss

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