Problemfluglinien. Sowohl bei der insolventen Air Berlin als auch beim Billigflieger Ryanair hebt zurzeit nicht jedes Flugzeug ab. Foto: picture alliance / Daniel Bockwo
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Passagiere im Stress Air Berlin und Ryanair streichen noch mehr Flüge

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Am Freitag fallen in Tegel zwölf Air-Berlin-Verbindungen aus, Ryanair annulliert im Winter 18 000 Verbindungen. Was Reisende tun können.

Fliegen wird für die Passagiere immer mehr zum Glücksspiel. Am Donnerstagvormittag legte eine Panne beim IT-Dienstleister Amadeus die Buchungssysteme mehrerer Fluggesellschaften lahm. Kunden von Lufthansa und Air France mussten stundenlange Verzögerungen hinnehmen.

Air Berlin streicht wieder Flüge am Freitag

Andere Reisende trifft es in diesen Tagen noch härter. Wer ein Ticket bei Ryanair oder Air Berlin gekauft hat, kann nicht sicher sein, ob die Reise überhaupt stattfindet. Air Berlin streicht an diesem Freitag erneut zwölf Verbindungen von Berlin nach Köln, Wien, Rom und Mailand. Die Abkehr von der Strecke Berlin-Köln/Bonn ist dabei kein vorübergehendes Phänomen. Die Verbindung wird ganz aus dem Flugplan genommen. Probleme bekommen auch all diejenigen, die mit der Airline nach dem 15. Oktober in die Karibik, die USA oder nach Abu Dhabi wollten. Air Berlin stellt nämlich zu diesem Zeitpunkt alle Langstreckenflüge ein.

Ryanair annulliert 18.000 Flüge

Air-Berlin-Kunden sind Kummer gewöhnt. Doch nun trifft es auch Reisende anderer Fluggesellschaften, allen voran Ryanair. Wer gedacht hatte, dass es mit der Annullierung von 2100 Flügen im September und Oktober getan sei, musste sich nun eines Besseren belehren lassen. Ryanair-Chef Michael O’Leary kündigte an, dass von November bis März weitere 18 000 Flüge gestrichen werden, darunter die Strecke Köln-Berlin. Die irische Billigairline versucht so, ihre Personalprobleme in den Griff zu bekommen.

Da kommt nichts mehr nach, verspricht Michael O'Leary

Ryanair hat erhebliche Engpässe bei den Piloten und dünnt daher den Flugplan aus. Zudem will die Airline, die wegen ihrer Arbeitsbedingungen in der Kritik steht, in den nächsten Monaten 650 neue Piloten rekrutieren, die ihre 4200 Kollegen unterstützen sollen. Um ihr Personal bei der Stange zu halten, bietet Ryanair zusätzlich Geld. Kapitäne sollen 10 000 Euro und Co-Piloten 5000 Euro mehr im Jahr bekommen, flankiert wird das von dem Versprechen einer verlässlichen Urlaubsplanung. Den genervten Kunden sichert O’Leary zu, dass die jüngste Streichwelle auch die letzte sein wird. Weder in diesem Winter noch im nächsten Sommer werde es zu weiteren Streichungen kommen, die mit Dienstplan-Problemen zusammenhängen, beteuert der Ryanair-Chef. Reisende, die von den jüngsten Annullierungen betroffen sind, sollten inzwischen informiert sein. Ryanair bietet ihnen an, sie auf andere Flüge umzubuchen oder ihnen den Ticketpreis zurückzuzahlen. Zusätzlich bekommen die Betroffenen einen Gutschein über 40 Euro für einen einfachen und 80 Euro für Hin- und Rückflug, den sie von Oktober bis März für eine neue Buchung bei Ryanair einlösen können.

Passagiere können auch Entschädigungen verlangen

Doch viele Passagiere können noch einiges mehr verlangen. Bei kurzfristigen Stornierungen innerhalb von zwei Wochen steht den Kunden nämlich zusätzlich eine kilometerabhängige Entschädigung von 250 bis 600 Euro zu, betont Eva Klaar, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin. Die britische Zivilluftfahrtbehörde CAA warf Ryanair am Donnerstag „permanente Irreführung“ vor, weil die Fluggesellschaft die Kunden nicht ausreichend über ihre Rechte informiere. Ryanair verschweige, dass die Passagiere das Recht hätten, auf andere Airlines umgebucht zu werden. Zudem hätten die Reisenden einen Anspruch darauf, dass ihnen Hotel- oder Transferkosten ersetzt werden. Er sei „wütend“, sagte CAA-Chef Andrew Haines.

Ob man Ryanair tatsächlich auch für geplatzte Hotelbuchungen oder Geschäftsverhandlungen zur Rechenschaft ziehen kann, sieht Klaar kritisch. Sicher sei aber, dass man einen Flug bei einer anderen Airline buchen kann, wenn Ryanair keine zeitnahe Ersatzbeförderung bieten kann. „Die Mehrkosten muss Ryanair tragen“, betont die Verbraucherschützerin.

Viele Air-Berlin-Kunden gehen leer aus

Deutlich schwieriger ist die Lage aber bei Air Berlin. Denn die Fluggesellschaft lehnt Zahlungen an ihre Kunden ab, wenn Tickets vor dem 15. August, dem Zeitpunkt des Insolvenzantrags, gekauft worden sind. Die Betroffenen dürften praktisch leer ausgehen. Wer nach dem Stichtag gebucht hat, soll dagegen entschädigt werden, heißt es. Umbuchungen auf andere Airlines seien jedoch nicht möglich. Die Kunden sind verärgert. „Wir haben wahnsinnig viele Anfragen“, berichtet Klaar. „Viele fühlen sich verschaukelt.“

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