Rund 1000 Mitarbeiter könnten noch vor Weihnachten ihren Job verlieren. Foto: AFP/ Marcel Kusch
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Österreichische Fluggesellschaft ist insolvent Air-Berlin-Tochter Niki stellt Flugverkehr ein

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Die Air-Berlin-Tochter Niki ist nach Angaben der Berliner Justiz zahlungsunfähig. Vorausgegangen war die Absage der Lufthansa, die österreichische Fluggesellschaft zu übernehmen.

Die Air-Berlin-Tochter Niki ist nach Angaben der Berliner Justiz zahlungsunfähig. Eine Sprecherin der Berliner Zivilgerichte bestätigte am Mittwochabend den Eingang eines Insolvenzantrags für den österreichischen Ableger von Air Berlin beim Amtsgericht Charlottenburg. Das Gericht müsse nun prüfen, ob der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zulässig sei. In einer Erklärung der Airline vom Mittwoch hieß es, der Flugbetrieb werde am 14. Dezember beendet. Mehrere Fluggesellschaften würden derzeit eine Rückholaktion von Passagieren aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz organisieren.

Zuvor hatte sich die Lufthansa kurzfristig gegen eine Übernahme der österreichischen Fluggesellschaft Niki entschieden - weil die kartellrechtlichen Bedenken der EU-Kommission zu groß waren.

Die Lufthansa hatte zuvor mitgeteilt, die EU-Kommission halte die Übernahme für nicht genehmigungsfähig, obwohl man umfangreiche Zusagen insbesondere durch die Verzicht auf weitere Start- und Landerechte für die Integration von Niki in die Lufthansa-Tochter Eurowings angeboten habe. „Auf Basis dieser Einschätzung wird die Übernahme von Niki durch Eurowings nicht weiterverfolgt.“

Rund 1000 Mitarbeiter könnten vor Weihnachten ihren Job verlieren

Damit könnten kurz vor Weihnachten rund 1000 Mitarbeiter von Niki ihren Job verlieren und tausende Passagiere stranden. Die Lufthansa hatte Niki zuletzt mit einer Brückenfinanzierung in zweistelliger Millionenhöhe in der Luft gehalten - diese fällt nun weg. Air Berlin hatte zuletzt erklärt, man prüfe nach eigenen Angaben derzeit "Verwertungsalternativen" für Niki.

Die EU-Kommission halte die Übernahme von Niki durch die Lufthansa für nicht genehmigungsfähig, obwohl man umfangreiche Zusagen insbesondere durch die Verzicht auf weitere Start- und Landerechte für die Integration von Niki in die Lufthansa-Tochter Eurowings angeboten habe, heißt es bei der Lufthansa. „Auf Basis dieser Einschätzung wird die Übernahme von Niki durch Eurowings nicht weiter verfolgt.“

Regierungssprecher Seibert bedauert Entwicklung

Regierungssprecher Steffen Seibert bedauerte die Entwicklung. „Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin“, sagte Seibert in Berlin. Deshalb blieben nur Insolvenz und die Einstellung des Flugbetriebs (Grounding), was vor allem die rund 800 Beschäftigten hart treffe. Durch den unerwarteten Ausfall der Erlöse aus dem Niki- Verkauf könnte auch der vom Bund verbürgte Kredit der KfW an Air Berlin möglicherweise nur zum Teil zurückgezahlt werden. Der Bund werde alles tun, um den Schaden für die Steuerzahler zu begrenzen, sagte Seibert.

Alles in allem fließen dem Insolvenzverwalter von Lufthansa statt den ursprünglich geplanten 210 Millionen lediglich 18 Millionen Euro zu. Damit steht nach Ansicht von Experten auch die Rückzahlung des 150 Millionen Euro-Kredits des Bundes an Air Berlin auf der Kippe. Ein Teil des ursprünglich vereinbarten Kaufpreises für Niki wurde nach Angaben der Lufthansa bereits als Brückenfinanzierung bereitgestellt. Jede Woche sind für den Erhalt des Flugbetriebs von Niki mehrere Millionen Euro notwendig. Auch dieses Geld muss vermutlich vom Insolvenzverwalter an Lufthansa zurückgezahlt werden.

Von Air Berlin übernimmt Lufthansa jetzt nur noch die kleinere Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW), die mit 870 Mitarbeitern 30 Kurz- und Mittelstreckenjets vom Typ Bombardier Dash 8 und 13 Airbus A 320 betreibt. Niki zählt 830 Beschäftigte und hat 20 Airbus A 320 im Einsatz. Schon im Frühjahr hatte Lufthansa 38 Maschinen von Air Berlin im sogenannten Wet Lease mit jeweiliger Besatzung gemietet. Die Maschinen gehörten aber damals schon nicht mehr Air Berlin, sondern waren ebenfalls geleast. Mittlerweile hat Lufthansa 24 Jets von den jeweiligen Leasinggesellschaften übernommen.

Da es aktuell nach Angaben von Air Berlin-Insolvenzverwalter Frank Kebekus und dem Gläubiger-Ausschuss keinen weiteren Interessenten gibt, steht Niki vor dem Aus. Zwischenzeitlich hatten der Luftfahrtkonzern IAG um British Airways und die spanische Iberia sowie der Reisekonzern Thomas Cook Interesse an Niki gezeigt. Ein tragfähiges Angebot war aber Kebekus zufolge nicht in Sicht.

Air-Berlin-Insolvenzverwalter kritisiert EU-Kommission

Kebekus nannte das Scheitern des Niki-Verkaufs und die Insolvenz von Niki „höchst ärgerlich“. Sie seien „vermeidbar gewesen“. Die Position der EU-Kommission sei „nicht nachvollziehbar“. Lufthansa habe „als einziger Bieter mit einem validen Angebot am Ende eines fairen und transparenten Verfahrens den Zuschlag erhalten“. Die EU-Kommission erreiche "mit dem unkontrollierten Zusammenbruch der Niki das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt: Mit der Niki verschwindet von heute auf morgen weitere Kapazität aus dem Markt. Es wird weniger Wettbewerb geben statt mehr.“

Firmengründer Niki Lauda sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters, er sei „natürlich“ weiter an der Airline interessiert. Niki bräuchte jedoch einen Neustart im Zuge eines Insolvenzverfahrens. Auf die Frage, wie viel Geld er für Niki in die Hand nehmen wolle, sagte Lauda: „Der Preis, den man für eine insolvente Airline zahlen muss, ist niedriger als der für eine, die noch fliegt.“

Im Zuge des Versuchs, die Gruppe neu zu organisieren, hatte Air Berlin den Ferienflugbereich im Frühjahr an Niki ausgelagert und die bestehende Flotte durch größere Airbus A321 aus Beständen der Muttergesellschaft ersetzt. Auch die ursprünglich durch Air Berlin von Tuifly geleasten Boeing 737 fliegen inzwischen für Niki, die in Wien ihren Sitz hat.

Gewerkschaft mahnt Gespräche an, um Flugbetrieb zu gewährleisten

Die österreichische Gewerkschaft Vida rief zu Krisengesprächen auf. Angesichts der Gefahr für die vielen Arbeitsplätze müsse „um jeden Preis ein Grounding verhindert werden“. Die Gewerkschaft hält Garantien des österreichischen Staates für vorstellbar. Im Wiener Verkehrsministerium hieß es, man werde sich gegebenenfalls um Fluggäste im Ausland kümmern, die nicht mehr mit Niki zurückfliegen könnten. (mit AFP, Reuters)

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