Kaufhausunternehmer Kurt Krieger plädiert für den Abriss. Foto: Reinhart Büngerp

Kurt Krieger siegt in Pankow Pankower Lokschuppen dürfen weiter verfallen

Reinhart Bünger
16 Kommentare

Möbelkaufhausunternehmer Krieger setzt sich zunächst gegen Bezirk durch.

Das Bezirksamt Pankow konnte sich mit seiner Unteren Denkmalschutzbehörde juristisch bisher nicht mit dem Ansinnen durchsetzen, den Kaufhausunternehmer Kurt Krieger (Möbel Höffner, Sconto) zu Sicherungsmaßnahmen zur Erhaltung des denkmalgeschützten Rundlokschuppens am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf zu verpflichten. Ein Verfahren gegen eine entsprechende Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin vom April dieses Jahres ist nach Informationen dieser Zeitung nun beim Kammergericht, dem Oberlandesgericht des Landes Berlin, anhängig (AZ : 2 S 16.17). Eine Entscheidung steht noch aus.

Der Streit um die Sicherung des Rundlokschuppens – Teil eines einmaligen historischen Ensembles – war im Februar eskaliert. Krieger hatte mehrere denkmalgeschützte Gebäude im Rahmen eines Grundstücksgeschäfts 2009 erworben. Auf dem rund 40 Hektar großen Gelände des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Pankow-Heinersdorf will Krieger zwei Möbelmärkte, ein Einkaufszentrum und rund 1000 Wohnungen bauen lassen.

Letztes Wort noch nicht gesprochen?

Der Bezirk hatte zuletzt die Grundsicherung für das Gebäudeensemble angeordnet, Ersatzvornahme und Zwangsgeld angedroht. Dagegen hatte die Krieger Grundstück GmbH erklärt, wegen fehlenden Planungsrechts sei eine wirtschaftlich vertretbare Nutzung der Gebäude nicht möglich. Sie liegen auf einem Areal, das Schulstandort werden könnte. Pankow wies Kriegers Widerspruch zurück, der beim Verwaltungsgericht erfolgreich „Einstweiligen Rechtsschutz“ gegen die sofortige Vollziehung der Sicherungsanordnung beantragte (Verwaltungsgerichtsverfahren 13 L 99.17). Dagegen hatte das Bezirksamt Pankow zuletzt am 8. Mai Beschwerde eingelegt. Die Begründung der Beschwerde erfolgte laut Bezirksamt Pankow mit Schriftsatz vom 1. Juni 2017.

Abgesehen von den Rechtsstreitigkeiten gibt es weitere Knoten, die nach Angaben von Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) gelöst werden müssen, damit das Projekt „Pankower Tor“ realisiert werden kann. „Es fehlt eine Verkehrslösung“, sagte Benn auf Anfrage: „Hier ist derzeit ein weiteres Gutachten in Vorbereitung, das klären soll, was im Sinne einer zukunftsfähigen intermodalen Verkehrsstruktur realisiert werden muss, um die mit der Bebauung nicht nur des „Pankower Tors“ – unter anderem auch des „Blankenburger Südens“ – zusammenhängenden Mobilitätsbedürfnisse tatsächlich auch bedienen zu können.“

Zudem gibt es Benn zufolge zwischen Senat und Bezirk derzeit noch weit auseinanderliegende Positionen über den Umfang der nötigen und verträglichen Einzelhandelsflächen am U- und S-Bahnhof Pankow.

Mehr zu Pankow