Mit Leidenschaft. Peter Meng ist Fischer mit Leib und Seele. Er leitet die Fischerei Löcknitz in Neu Zittau bei Berlin. Foto: Privatp

Beruf: Fischwirt Zander aus Berlin

Katja Gartz
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An Ostern stehen die Kunden bei den Fischern Schlange. Doch Fisch zu verkaufen, reicht denen nicht mehr für ein Auskommen. Sie müssen sich neu aufstellen.

Südöstlich von Berlin, auf den Seen um Erkner und Grünheide holt Peter Meng seine Reusen und Netze ein. Seit dem frühen Morgen ist er mit seinem etwa sieben Meter langen Boot unterwegs. Doch das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. „Ein guter Fang, rund 100 Fische“, freut er sich.

Meng ist Geschäftsführer der Fischerei Löcknitz in Neu Zittau bei Berlin. Den Betrieb mit der Räucherei hat er 1992 eröffnet. Er beschäftigt sechs Mitarbeiter und besitzt vier Boote.

Zurück auf seinem Hof setzt er die mitgebrachten Plötzen, Hechte und Zander in Wasserbecken. Dort dürfen sie noch ein paar Stunden schwimmen – bevor er einige von ihnen lebend, andere küchenfertig an Feinkostgeschäfte, Restaurants und Hotels verkauft. Was übrig bleibt, ist für den Eigenbedarf. Von im Ofen gebackenem Karpfen oder Hecht kann der 52-Jährige nicht genug bekommen.

Meng ist Fischer mit Leib und Seele. Schon als Achtjähriger hat er sich begeistert um sein Aquarium gekümmert und das Angeln für sich entdeckt. „Idealist muss man sein, es läuft nicht immer gut“, sagt der hartnäckige Natur- und Wasserliebhaber mit Jagdinstinkt. Manchmal kommt er auch mit leeren Netzen zurück.

Mit seinen Mitarbeitern bewirtschaftet er eine gepachtete, 2000 Hektar große Fläche. Rund zehn Tonnen Fisch fängt er pro Jahr, vor allem Aale, Zander, Hechte, Plötzen und Bleien. Doch das ist längst nicht alles, was auf seiner Agenda steht.

Rund 40 haupt- und nebenberufliche Fischer gibt es laut Fischereiamt noch im Raum Berlin. In Brandenburg arbeiten nach Schätzungen des dortigen Landwirtschaftsministeriums etwa 700 Menschen hauptberuflich in der Fischerei.

Von der reinen Fischerei aber, können sie nur noch sehr schlecht leben, weiß Erik Fladung vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam: „Die Fluss- und Seenfischer brauchen gute Verkaufs- und Vermarktungskonzepte, um genug Umsatz zu machen und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.“ Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat sich Fladung mit der wirtschaftlichen Situation von Fischereibetrieben in der Region beschäftigt.

Fischer Meng kann das nur bestätigen. Neben seinem Hofladen und den Lieferungen an seine Kunden aus der Gastronomie ist er mit seinen Fischen auch noch auf zwölf Wochenmärkten in und um Berlin vertreten. Außerdem bietet die Fischerei Löcknitz „Themenessen“ an, an denen die Teilnehmer die Fische selbst zubereiten, die sie anschließend verspeisen. Auch Räucherkurse mit reichlich Fischgenuss kann man buchen.

Foto: Privatp

Der Tag in der Fischerei Löcknitz beginnt morgens um sechs Uhr. „Unsere Verkaufsautos werden für die Märkte beladen und mit meinem Lehrling und Gesellen gehe ich anschließend aufs Wasser“, berichtet Meng. Sie werfen ihre Fanggeräte aus oder holen sie ein. Im Schnitt sind sie sechs bis acht Stunden unterwegs, ganz gleich ob die Sonne scheint, es in Strömen regnet oder stürmt. Am Abend sind noch Büroarbeiten und Bestellungen zu erledigen.

Ihre Netze dürfen Fischer nur auswerfen, wenn sie so genannte Fischereirechte erworben haben. Diese werden meist vererbt oder verpachtet. Gefischt wird vor allem in der Spree, der Dahme und der Havel sowie im Teglersee, im Jungfernsee und im Müggelsee. Insgesamt leben 38 Fischarten in den Gewässern. Elf davon, darunter Barsch, Karpfen und Wels, sind für die Fischer von Bedeutung.

Nach dem Fischereigesetz dürfen nur Fische gefangen werden, die die vorgegebenen Mindestmaße erreicht haben. Aale und Zander zum Beispiel müssen 50 Zentimeter lang sein. Außerdem sind Schonzeiten wie Laichzeiten einzuhalten. Auch die regelmäßige Kontrolle der Fanggeräte gehört zu den Aufgaben.

Um langfristig den eigenen Fang zu sichern, ist nachhaltiges Fischen angesagt. Auch der Fischer Meng setzt in regelmäßigen Abständen Jungaale und kleine Fische aus. Bei guter Nahrung und warmen Sommern landen einige von ihnen ein paar Jahre später wieder im Netz.

Die Fischer der Region haben mit einigen Problemen zu kämpfen. Der Fischbestand ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, weil das Wasser sauberer ist und deshalb weniger Nährstoffe enthält. „Dafür sind die Fische aber größer und besser gewachsen“, berichtet die Leiterin des Berliner Fischereiamtes, Susanne Jürgens. Auch dass die Gewässer um Berlin so stark genutzt werden, macht den Hauptstadtfischern zu schaffen. Mit Badenden, Schwimmern, Wassersportlern, der Schifffahrt und den Kollegen müssen sie sich die Flüsse und Seen teilen. Die Stadtlage bringt ihnen zudem Vandalismus, zerstörte Netze, Diebstahl und häufige Bootsunfälle.

Viel mehr noch zu schaffen macht den Fischereibetrieben aber der mangelnde Nachwuchs. „Die Ausbildungszahlen sind drastisch zurückgegangen. Sie liegen nur noch bei zehn Prozent verglichen mit den Zahlen von vor 20 Jahren “, sagt Lars Dettmann, der Geschäftsführer vom Landesfischereiverband Brandenburg Berlin. Früher waren die Betriebe wählerisch, sagt er. Heute seien sie froh, wenn sich überhaupt jemand bewirbt.

Wie in vielen Berufsgruppen machen sich auch bei den Fischern die demografische Entwicklung und die geburtenschwachen Jahrgänge bemerkbar. Lars Dettmann, der selbst aktiver Fluss-und Seenfischer war und eine Forellenzucht leitete, bevor er zur Verbandsarbeit wechselte, möchte seine Ausbildung zum Fischwirt nicht missen. „Sie war sehr vielseitig. Ich habe viel gelernt, vom Fischfang über die Aquakultur bis zur Teichwirtschaft“, sagt er. Peter Meng und seine Mitarbeiter von der Fischerei Löcknitz können das nur bestätigen.

An Ostern herrscht auf dem Hof in Brandenburg Hochkonjunktur. „Der Karfreitag ist traditionell nach Weihnachten und Silvester der wichtigste Tag für den Verkauf an Frischfisch“, sagt der Fischer Meng. Beliebt sind vor allem Aale und Zander.

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