In Marienfelde gibt's eins der größten Industriegebiete Berlins. Foto :Robert Burdap

Berlin-Marienfelde Ein Industriegebiet will wachsen

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Ganz im Süden Berlins ist die Nachfrage nach neuen Industriegrundstücken groß. Das Unternehmensnetzwerk Motzener Straße will expandieren

Ganz im Süden Berlins wird es eng auf einem der größten Industriegebiete der Stadt. Rund um die Motzener Straße im Stadtteil Marienfelde haben sich in den letzten 50 Jahren rund 200 – vornehmlich mittelständische – Unternehmen angesiedelt. Gut 5000 Menschen arbeiten dort. Inzwischen reichen die 156 Hektar Fläche längst nicht mehr aus. Unternehmen wollen expandieren, die Nachfrage neuer Firmen, die sich dort ansiedeln möchten, ist groß. Das Industriegebiet, das in den Jahren nach dem Mauerbau auf einem ehemaligen Stadtgut entstand, möchte wachsen. Die bisher dort angesiedelten Unternehmen vertreten die unterschiedlichsten Branchen: der Melissengeist-Produzent Klosterfrau ist ebenso dabei wie der Leuchten-Hersteller Selux, die Gummi- und Kunststofffirma G u K oder der Lieferservice für Bio-Lebensmittel, Märkische Kiste. 60 der ansässigen Firmen mit 2500 Arbeitsplätzen haben sich im Unternehmensnetzwerk Motzener Straße zusammengeschlossen. Ulrich Misgeld vom Unternehmensnetzwerk sieht gute „Perspektiven für den Standort“.

Ein "strategischer Wunschkatalog" der Unternehmen

Auf einer Standortkonferenz im Rathaus Schöneberg stellte der frühere Wista-Manager und Planungsexperte Hardy Schmitz eine Studie vor, die die Wünsche und Erwartungen der dortigen Unternehmen, Entwicklungsmöglichkeiten und Forderungen an die Politik untersuchte. Schmitz nannte das Gebiet einen „kraftvollen Ort, der nach innen und außen wachsen will“. Die Studie sei ein „strategischer Wunschkatalog“ der Unternehmen, der noch nicht mit der Politik abgestimmt sei.

50 Hektar Erweiterungsfläche wurden laut der Untersuchung identifiziert, auf denen man weitere Betriebe ansiedeln möchte und so bis zu 4000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte. 10,5 Hektar auf einer einstigen Kleingartenanlage an der Säntisstraße, 8,6 Hektar auf einem Gelände mit alten Hallen an der Buckower Chaussee, 16,7 Hektar auf dem alten IBM-Gelände am Nahmitzer Damm sowie eine Brache von 6,5 Hektar am Schichauweg.

Naturschutz versus Industrieansiedlung

Bei diesem vierten Gelände gibt es für die Unternehmerinitiative aber keine Unterstützung des Bezirks. Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), hält dort nichts von einer gewerblichen Nutzung. Der Bezirk möchte dieses Areal auf jeden Fall für den Naturschutz erhalten; es ist bisher auch nicht für eine industrielle Nutzung ausgewiesen. Bei den anderen drei Gebieten setzt sich Schöttler für eine industrielle Nutzung ein, „auch wenn es starke Konkurrenz durch Wohnungsbau und die Schaffung neuer Infrastruktur wie Schulen und Kindertagesstätten“ gebe. „Die brauchen wir auch, aber nicht in einem Industriegebiet“, sagt Schöttler. Hier werde das Planungsrecht nicht geändert.

Handlungsbedarf sehen die Marienfelder Unternehmen besonders in der Verkehrsinfrastruktur, die auf jeden Fall verbessert werden müsse, um den Standort noch attraktiver zu machen. Zum einen müsse dort der Autoverkehr entzerrt und entlastet werden. Zu denken gibt dem Unternehmensnetzwerk vor allem, dass 80 Prozent der Beschäftigten mit dem Auto zur Arbeit kommen, obwohl das Gebiet mit zwei S-Bahnhöfen und einigen Buslinien vergleichsweise gut angeschlossen ist. Um mehr Menschen zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen, müssten etwa viel mehr sichere Fahrradabstellplätze an den S-Bahnhöfen gebaut werden.

Der Ausbau der Dresdner Bahn bedeutet Dauerbaustelle

Die verkehrliche Situation im Industriegebiet wird sich aber ab dem kommenden Jahr noch einmal deutlich verschlechtern. Denn dann beginnen die Arbeiten für den Ausbau der Dresdner Bahn, die mit umfangreichen Straßenunterbrechungen in der näheren Umgebung über mehrere Jahre hinweg wegen des Baus von Brücken und Schallschutzwänden einhergehen. Ein Wunsch der Unternehmensinitiative beim Ausbau der Bahn wird auch vom Bezirk unterstützt: nämlich den S-Bahnhof Buckower Chaussee zu einem Regionalbahnhof auszubauen. Dies ist bisher in den Planungen der Bahn nicht vorgesehen. Der Bezirk will dazu laut Schöttler noch einmal beim Senat vorstellig werden. Denn dieser müsste einen solchen Bahnhof bei der Bahn bestellen und bezahlen.

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