Die Eisberge schmelzen und so wird der Atlantische Ozean plötzlich für den Fischfang interessant. Foto: Helfried Weyer/ dpa/picture-alliance
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Neues Abkommen über Fischfang In der Arktis ist der Kalte Krieg vorbei

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Im Arktischen Ozean wird es auf absehbare Zeit keinen kommerziellen Fischfang geben. Das regelt ein neuer Vertrag zwischen den Anrainerstaaten.

Die fünf Anrainerstaaten des Nordpolarmeers und weiter südlich gelegene Länder einigten jetzt sich darauf, in den internationalen Gewässern des Zentralen Arktischen Ozeans in den kommenden 16 Jahren keinen Fischfang zu betreiben. Umweltschützer und Politiker feiern das „historische Abkommen“, das den vom Klimawandel betroffenen Arktischen Ozean vor weiteren Belastungen schützt.

Umweltschützer fordern seit Langem, den Arktischen Ozean, der im Sommer nun für mehrere Monate in weiten Bereichen eisfrei ist, vor kommerziellem Fischfang zu schützen. Trotz der Spannungen, die zwischen Russland und den USA, aber auch zwischen Russland und den anderen Vertragsstaaten aufgrund verschiedener Krisen in anderen Weltregionen bestehen, wurde diese Verständigung nach mehrjährigen Verhandlungen am Donnerstag in Washington erreicht. Neben den fünf Arktisstaaten mit Küsten am Eismeer, den USA, Kanada, Russland, Norwegen und Dänemark/Grönland, sind die bedeutenden Fischfangnationen China, Japan, Südkorea und Island sowie die Europäische Union daran beteiligt. Auch die Inuit, die Ureinwohner der Arktis, sind Vertragspartner.

Unregulierter Fischfang wird verhindert

Die Vereinbarung werde „eine wichtige Lücke im internationalen Rahmenwerk für den Ozean schließen und das fragile Meeresökosystem für künftige Generationen schützen“, sagte der EU-Kommissar für Umwelt, maritime Angelegenheiten und Fischerei Karmenua Vella. Kanadas Fischereiminister Dominic LeBlanc erklärte, „das historische Abkommen“ werde unregulierten Fischfang im Zentralen Arktischen Ozean verhindern. „Erstmals wurde ein internationales Abkommen dieser Größenordnung erreicht, bevor kommerzieller Fischfang stattfindet.“ Auch der Vertreter des US-Fischereiministeriums, David Balton, sprach von einer „bahnbrechenden Vereinbarung“.

Das Meeresgebiet wird als "Donut-Loch" bezeichnet.

Das Abkommen betrifft den Zentralen Arktischen Ozean. Dies ist das Meeresgebiet außerhalb der 200-Seemeilen-Zone der Küstenstaaten, in denen die Küstenstaaten Hoheits- und Fischfangrechte haben. Dieses Meeresgebiet in der Mitte des Ozeans wird gerne als „Donut-Loch“ (Arctic Ocean Donut Hole) bezeichnet, weil es von den nationalen Seegebieten umgeben ist. Es ist 2,8 Millionen Quadratkilometer groß, fast achtmal größer als Deutschland. Die fünf Anrainerstaaten des Ozeans hatten bereits vor zwei Jahren ein auf Freiwilligkeit basierendes Abkommen geschlossen, dass sie auf Fischfang in diesem internationalen Bereich verzichten. Zudem haben sie strikte Regeln für den Fischfang in ihren Hoheitsgewässern und den Randmeeren des Arktischen Ozeans erlassen oder diesen komplett untersagt. Ausgenommen ist nur die Fischerei der lokalen, vor allem indigenen Bevölkerung.

Die Wanderwege der Fische haben sich verändert

Diese Maßnahmen aber gelten bisher nicht für das internationale Gewässer des Zentralen Ozeans. Fischfangflotten anderer Staaten könnten dort eindringen und unreguliert ohne Begrenzung durch Quoten Fischfang betreiben. In der Vergangenheit bestand diese Gefahr wegen der fast durchgehend existierenden Eisfläche nicht. Der Schwund des Meereseises aber öffnet das Gebiet für den Fischfang. Zudem beobachten Biologen seit einigen Jahren Veränderungen der Wanderwege von Fischen, die aus dem Atlantik oder Pazifik nach Norden ziehen. Aber das Wissen über die Fischarten und Fischbestände in der Arktis ist noch immer sehr gering. Es bestand somit die Gefahr, dass die Fischerei großen Schaden durch Überfischung anrichten könnte.

Das Verbot wird nach 16 Jahren automatisch verlängert

Mit der Vereinbarung, die noch formell von den Regierungen oder Parlamenten genehmigt werden muss, soll dies ausgeschlossen werden. Das Meeresgebiet ist dann für die kommenden 16 Jahre vom Fischfang ausgenommen. Die Zeit soll genutzt werden, um den Ozean und die Fischbestände zu erforschen und festzustellen, ob ein nachhaltiger, also die Fischbestände nicht bedrohender Fischfang möglich ist. Das Verbot wird nach 16 Jahren automatisch immer wieder um fünf Jahre verlängert, falls es keinen Widerspruch von Vertragsstaaten gibt oder Regeln für den Fischfang getroffen wurden.

Umweltschützer priesen das Abkommen. „Vorausschauend und mit Vorsicht“ hätten die zehn Regierungen die Gelegenheit genutzt, den Zentralen Arktischen Ozean zu schützen, bevor Fischfang beginne, erklärte die Pew Charitable Trusts in Washington. Dies sei das größte Meeresgebiet, das jemals vorbeugend vor Fischfang geschützt werde, sagte Steve Ganey. Trevor Taylor von der kanadischen Umweltorganisation Oceans North sagte, der Arktische Ozean sei das einzige Meer der Welt, für das vereinbart wurde, auf den Fischfang zu verzichten, bis man dessen tatsächliche Auswirkungen kenne.

Bemerkenswert ist die Vereinbarung auch, weil sie im Gegensatz zu den oft auftauchenden Berichten über einen angeblichen Wettlauf um Einflusszonen oder gar einen „Kalten Krieg“ in der Arktis steht.

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