Mit diesem Outfit von Versace könnte man direkt auf die Ski-Piste Foto: Miguel Medina/ AFPp

Herbstmode Kalt erwischt! Rein in die Mäntel

Ann-Kathrin Riedl
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Womit lässt sich der Kälte am besten trotzen? Die Antworten der Designer könnten kaum unterschiedlicher sein.

So früh hatten wir den Herbst wirklich nicht erwartet und mit ihm das Jackenwetter. Gerade noch zufrieden im T-Shirt, stellt man sich jetzt die Frage, welche Jacken oder Mäntel einen durch die kommenden sechs Monate bringen sollen. Klassische Trenchcoats sind auf den Laufstegen eine aussterbende Gattung. Stattdessen wird mit Materialien experimentiert, von PVC bis Plüsch. Einig scheinen sich die Designer nur in einem Punkt: je breiter die Silhouette, desto besser.

Für alle Lebenslagen gerüstet

Es ist schon sonderbar: Auf der einen Seite kämpfen traditionelle Outdoor-Marken wie Jack Wolfskin ums Überleben, auf der anderen Seite ist Trekking, also das Wandern durch die Wildnis, in den aktuellen Designer-Kollektionen ein großes Thema. Was man früher auf Bergtouren getragen hätte, hält Einzug in die Städte. Aber eben nur, wenn es von In-Labels wie Balenciaga umgesetzt wird. Chefdesigner Demna Gvasalia schickte seine Models bei den Schauen für die kommende Herbst/Winter-Saison in übergroßen Stepp-Daunenjacken über den Laufsteg, die man auch gleich zum Schlafsack umfunktionieren könnte. Oder in Regenmänteln mit Kapuze in grellem Pink. Donatella Versace, sonst für Glitzer und Pomp bekannt, überraschte mit Entwürfen, die ebenso gut auf der Skipiste funktionieren würden. Und Rapper Kanye West, der als Designer zwar nicht unumstritten ist, mit seinem Label Yeezy aber den Ton in Sachen Streetwear angibt, zeigte schwere Funktionsjacken mit Dutzenden aufgenähten Taschen, in denen sich locker ganze Survival-Sets unterbringen ließen. Kombiniert wird das Ganze zu Cargohosen und klobigen Stiefeln. Die Farben: Schwarz, Grau, Khaki oder grelle Töne, wie man sie sonst bei Sport- und Outdoor-Ausrüstern findet. Wozu man sich derart ausstaffiert, obwohl man nicht vorhat, auch nur den S-Bahn-Ring zu verlassen? Diese Frage spielt keine Rolle. Schon seit einiger Zeit beherrscht der sogenannte Utility-Trend die Mode. Kennzeichnend dafür ist eine zweckmäßige, reduzierte Ästhetik. Mode als Produkt, das zwar gut gestaltet, aber auch funktional sein soll.

Plüsch von Stine Goya Foto: promop

Hauptsache flauschig

Sich zu Hause einzukuscheln und die Probleme außerhalb der eigenen vier Wände auszublenden, ist ein Bedürfnis, das im Moment so viele Menschen zu spüren scheinen, dass daraus mal wieder der Modetrend des Cocooning erwachsen ist. Dazu gehören übergroße Formen ebenso wie weiche, heimelige Materialien. Kleider und Hosenanzüge sind diesen Herbst aus Samt gemacht. Auch der lange als spießig verschriene Cordstoff feiert ein Comeback. Am deutlichsten zeigt sich der Trend aber im Teddyfell-Mantel. Auch wenn es so klingen mag, dafür wurde keinem Bären der Pelz abgezogen. Teddyfell ist kurzhaariger Kunstpelz, mit dem auch die Spielzeugbären überzogen werden.

Ganz neu ist das nicht. Zuletzt lagen Teddyfellmäntel 2015 im Trend. Einige Modehäuser, darunter Prada, Max Mara oder Dries van Noten, arbeiteten dafür tatsächlich mit dem deutschen Unternehmen Schulte-Mohair zusammen, das die Spielzeugfirma Steiff beliefert. Vor zwei Jahren war der Teddyfellmantel aber eher als tierfreundlicher Ersatz für Echtpelz gedacht. Inzwischen taucht das plüschige Material völlig selbstberechtigt auf, am liebsten in warmen Brauntönen wie bei Stine Goya, um die Bären-Assoziation komplett zu machen. Oder in Pudertönen wie Rosa bei Marni und Hellblau bei Miu Miu.

Kimonos sind die neuen Übergangsjacken. Hier ein Modell von Lala Berlin Foto: promop

Go East

In der Mode blickt derzeit alles nach Fernost, und zwar nicht nur, was neue Absatzmärkte betrifft. Schon lange hat man nicht mehr so viele asiatisch inspirierte Muster und Schnitte auf den Laufstegen gesehen. Losgetreten hat den Trend Gucci. Chefdesigner Alessandro Michele zeigte in seiner Kollektion für die kommende Herbst/Winter-Saison Kleider, Taschen und pyjamaartige Hosenanzüge aus glänzenden Seidenstoffen, auf denen sich Tiger, Kraniche und Schlangen zwischen Bambuszweigen tummelten. Viele andere Labels zogen nach. Wichtigste Inspirationsquelle war der Kimono. Er ersetzt in diesem Herbst als „Übergangsjacke“ Strick- und Lederjacken. In seiner Grundform ist der Kimono eine T-förmige, gerade geschnittene Robe, die bis zu den Knöcheln reicht und von einem breiten Gürtel, dem Obi, zusammengehalten wird.

Ganz so eng sehen es die Designer mit der traditionellen Form aber nicht. Kimonos werden in allen Längen gemacht und gleichen wie bei Lala Berlin oftmals eher einem lockeren Überwurf, der durch die auffälligen Prints und Stickereien dennoch angezogen aussieht.

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