Ballons in Herzform hängen in Las Vegas (USA) an einer Gedenkstätte für die Opfer des Massakers vom 2. Oktober. Foto: dpap

Massaker von Las Vegas Todesschütze Paddock plante wohl noch Flucht

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Die Polizei sucht weiter nach dem Motiv des Massenmörders von Las Vegas. Stephen Paddock hatte auch ein weiteres Zimmer gemietet - mit Blick auf ein anderes Musikfestival.

Polizisten haben bei der Durchsuchung des Hotelzimmers, von dessen Fenster aus Stephen Paddock 58 Menschen tötete, einen Zettel mit einer Notiz gefunden. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf die Ermittler. Dabei habe es sich nicht um einen Abschiedsbrief gehandelt, sagte der Polizeichef von Las Vegas, Joseph Lombardo, am Mittwoch (Ortszeit). Weitere Details zu dem Schriftstück nannte er nicht.

Die Ermittler sind sich Lombardo zufolge zudem sicher, dass Paddock geplant habe, nach seinen tödlichen Schüssen noch zu fliehen. Als Einsatzkräfte das Zimmer im 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels umstellten, fanden sie zwei Kameras, die Paddock auf einem Servierwagen im Flur vor seinem Zimmer installiert hatte, wie der Sender CNN berichtete. Eine weitere habe im Guckloch der Zimmertür gehangen. „Er tat zu diesem Zeitpunkt alles ihm Mögliche, um zu sehen, wie er noch fliehen könnte“, sagte Lombardo. Als ihm das nicht mehr möglich schien, habe er sich selbst erschossen.

In Paddocks Auto im Parkhaus des Hotels hätten Ermittler knapp 23 Kilo (50 amerikanische Pfund) Sprengstoff und weitere 1600 Schuss Munition gefunden. Außerdem hatte er neben dem Hotel ein weiteres Zimmer in einem Komplex gemietet, von dem aus er einen Blick auf das „Life is Beautiful“-Musikfestival gehabt habe, das vom 22. bis 25. September in Las Vegas stattfand, so Lombardo.

489 Menschen durch Schüsse verletzt

Die Zahl der Verletzten von Paddocks Schüssen bezifferte Lombardo am Mittwochabend mit 489, nachdem zuvor von mehr als 500 die Rede gewesen war. 317 davon hätten das Krankenhaus inzwischen verlassen können, berichtete die „Washington Post“. Ein deutsches Ehepaar, das im Urlaub zufällig im selben Stockwerk des selben Hotels wie der Schütze wohnte, beschrieb die Lage in Las Vegas nach dem Attentat bei „sternTV“ als „wie im Kriegsgebiet“.
Zudem zeigte sich Lombardo überzeugt, dass der Todesschütze irgendwann Hilfe gehabt haben müsse. Er verwies unter anderem darauf, dass der 64-Jährige im Laufe der vergangenen Jahre ein riesiges Waffenarsenal angelegt und die Tat über längere Zeit akribisch vorbereitet habe. „Man muss annehmen, dass er an irgendeinem Punkt Hilfe gehabt hat“, sagte der Bezirks-Sheriff.

Schaulustige am Tatort, dem Hotel Mandalay Bay in Las Vegas Foto: AFP/Robyn Beckp


Die Freundin des Todesschützen hatte nach eigenen Angaben keine Ahnung von den Massaker-Plänen ihres Freundes. Eine entsprechende Erklärung veröffentlichte die 62-jährige Marilou Danley am Mittwoch über ihren Anwalt Matt Lombard. Kurz zuvor war sie von einem Besuch auf den Philippinen in die USA zurückgekehrt und wurde bei ihrer Ankunft in Los Angeles von Ermittlern der Bundespolizei FBI befragt. Lombardo wollte sich zunächst nicht zu Danleys Angaben äußern.
US-Präsident Donald Trump traf sich am Mittwoch in Las Vegas mit Überlebenden des Massakers sowie Ersthelfern und Polizisten. Dabei würdigte er den Mut von Opfern, die trotz eigener Verletzungen zuerst anderen beigestanden hätten, den Einsatz der Polizei und anderer ziviler Helfer. Den Todesschützen bezeichnete er als eine „verrückte kranke Person“.


Paddocks Freundin verneint Mitwisserschaft

Die Freundin des Todesschützen von Las Vegas war nach eigenen Angaben nicht in die Anschlagspläne ihre Partners eingeweiht. "Ich habe Stephen Paddock als freundlichen, liebevollen, stillen Mann gekannt", gab Marilou Danley in einer Erklärung bekannt, die am Mittwoch von ihrem Anwalt verlesen wurde. "Ich habe ihn geliebt und hatte auf eine ruhige Zukunft mit ihm zusammen gehofft", fügte die 62-Jährige hinzu.

Danley war am Dienstagabend von einer Auslandsreise zurückgekehrt und wurde in Los Angeles von Beamten der US-Bundespolizei FBI am Flughafen in Empfang genommen. Die Ermittler erhoffen sich von ihr Einblicke in die möglichen Motive Paddocks.

Danley hielt sich zum Zeitpunkt der Tat in den Philippinen auf, woher die 62-Jährige mit australischer Staatsbürgerschaft ursprünglich stammt. Sie wird von der Polizei bislang lediglich als "Person von Interesse" bezeichnet. Danley steht also zumindest vorerst nicht im Verdacht, in die Planungen ihres Partners für den Anschlag eingeweiht oder gar daran beteiligt gewesen zu sein.

Danley bekräftigte, Paddock habe zu ihr nie etwas gesagt oder getan, das sie als "Warnung" habe verstehen können, "dass so etwas Schreckliches passieren würde". Vor zwei Wochen habe Paddock dann ein Flugticket für sie gebucht, um ihre Verwandten in den Philippinen besuchen zu können. "Wie alle Philippiner im Ausland war ich begeistert, nach Hause zu fahren und meine Familie und Freunde zu sehen", hieß es in der Erklärung.

Während des Aufenthalts habe Paddock ihr Geld überwiesen, das sie zum Kauf eines Hauses für sich und ihre Familie verwenden sollte. Zu diesem Zeitpunkt habe sie begonnen, sich Sorgen zu machen, berichtete Danley. Sie habe zunächst befürchtet, dass Paddock sich von ihr habe trennen wollen. "Es ist mir nie in den Sinn gekommen, dass er in irgendeiner Weise Gewalt gegen irgendjemanden plante", fügte Danley hinzu.

Danley zeigte sich erschüttert über die Tat. Als Mutter und Großmutter fühle sie mit allen, die geliebte Menschen verloren hätten. Danley betonte, sie sei freiwillig nach Los Angeles zurückgeflogen und werde bei den Ermittlungen vollständig mit dem FBI kooperieren.

Die Australierin war laut Medienberichten vor Jahrzehnten in die USA ausgewandert. Paddock lernte sie demnach vor einigen Jahren in einem Casino in Reno im Bundesstaat Nevada kennen, wo sie als Hostess arbeitete. Der spätere Massenmörder war ein leidenschaftlicher Spieler und besuchte häufig Casinos. (dpa, AFP)

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