Poesie in Beton. Der Stadtkern mit Oscar Niemeyers Kulturzentrum "Le Volcan". Im Hintergrund die Kirche St.-Joseph. Foto: AFP
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Große Comebacks Die spektakulärsten Revivals der Geschichte

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Sie waren verschwunden, aber dann kehrten sie zurück: Aus Asche und Staub erwuchs eine visionäre Stadt und eine sakrale Sprache stand plötzlich auf Verkehrsschildern.

Le Havre: Wiedergeburt einer Stadt

Asche und Staub, viel mehr war von Le Havre nicht geblieben. Anfang September 1944: Die Alliierten  sind an den nahen Stränden der Atlantikküste  gelandet, haben sich auf der anderen Seite der Seine längst bis Paris vorgekämpft, doch die  große und wichtige Hafenstadt der Normandie wird weiter von den deutschen Besatzungstruppen  gehalten. Da werfen die Alliierten Sprengund  Brandbomben ab, Tausende innerhalb weniger Tage, schon ein paar Stunden reichen, um das Zentrum komplett in Trümmer zu legen.

Am Ende ist Le Havre befreit. Und zerstört. Ein Jahr später beginnt der Wiederaufbau, aber die neuen Gebäude werden nichts mit dem  früheren Antlitz der Stadt zu tun haben. Der Architekt Auguste Perret, Meister des Eisenbetonbaus, entwirft mit 60 Mitarbeitern ein Le Havre, das nicht die Vergangenheit auferstehen lassen, sondern in die Zukunft weisen soll. Licht, Raum, Klarheit – das ist die Devise. Breite Boulevards werden von Häusern in getöntem Beton gesäumt; deren Fassaden sind ohne jeden Schnörkel gehalten, auch die Wohnungen dahinter einfach, aber großzügig. In der Mitte der Stadt entsteht die Kirche St.-Joseph wieder, 107 Meter hoch, halb Mahnmal, halb Leuchtturm.

In den 70er Jahren schafft der Brasilianer Oscar Niemeyer dann eine weitere architektonische Ikone in Le Havre: ein Kulturzentrum in der Form eines abgeschnittenen Vulkankegels. Besucher aus Berlin wird die Stadt ein wenig an die Karl-Marx-Allee erinnern. Mancher Einwohner hatte wohl lange ein zwiespältiges Verhältnis zu Perrets „Poesie in Beton“, jedenfalls bis 2005. Seitdem wohnt man in Le Havre in einem einzigen großen Unesco-Weltkulturerbe. 

Renaissance: Widergeburt einer Epoche

Reichen Leuten sei Dank. Sandro Botticellis "Die Geburt der Venus" aus dem Jahr 1485. Foto: Alamy Stock
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Michelangelo, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer – was für ein Zeitalter, das solche Genies hervorbringt! Dabei war die Renaissance, die im 15. und 16. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte, zunächst mal eine Art Revival, die Rückbesinnung der Europäer auf eine andere Epoche: die griechisch-römische Antike. An ihr orientierten sich Künstler und Denker wieder. Dabei ließen sie langsam das Mittelalter hinter sich und schufen die Grundlage für die Moderne.

Eigentlich müsste man von Rinascita sprechen, dem italienischen Wort für Wiedergeburt und der ursprünglichen Bezeichnung. Denn Italiens Stadtstaaten waren das Zentrum der Entwicklung. Dass sich der Begriff Renaissance durchgesetzt hat, dafür ist die französische Geschichtsschreibung verantwortlich.

Schon früher hatten sich die Menschen auf antike Vorbilder besonnen, zum Beispiel im Reich von Karl dem Großen. Doch erst 600 Jahre später kam es zu einer Entwicklung, die fast alle Bereiche erfasste: Kunst, Architektur, Philosophie, Mathematik. Besonders in Italien hatte sich inzwischen ein Handelskapitalismus entwickelt. Das Großbürgertum machte die Renaissance erst möglich. Die Medici in Florenz etwa wurden mit dem Textilhandel reich, stiegen dann ins Bankgeschäft ein und förderten mit ihrem Geld den Bau von prächtigen Kirchen und Palästen; ihre Kunstsammlung bildet den Kern der Uffizien. Um seine politische Macht zu sichern, setzte der Clan auf Intrigen und Bestechung. Die Renaissance war eine Zeit der Schönheit und Gelehrsamkeit, aber nicht unbedingt friedlich.

Zweite Polnische Republik: Wiedergeburt eines Landes

Józef Piłsudski führte Polen in der Zwischenkriegszeit, ab 1926 diktatorisch. Foto: Mauritius Images
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Polen schrumpfte in drei Schritten. Jedes Mal wurde sein Territorium kleiner, so als hätte jemand eine Schlinge darum gelegt und sie immer enger zusammengezogen. 1772 griff Friedrich II. nach Westpreußen (die Gegend um Danzig), zugleich nahmen sich die Österreicher unter Maria Theresia Galizien (etwa Lemberg), und Zarin Katharina II. verleibte Russland einen mehr als 90 000 Quadratkilometer großen Streifen im Osten ein. 1793 beschlossen die drei Großmächte, sich wieder beim Nachbarn zu bedienen, und nach der letzten Teilung 1795 war Polen schließlich ganz verschwunden.

Dass Russland, Preußen und Österreich das Land wie Beutegut behandeln konnten, lag an Polens Schwäche, seinem Chaos im Innern: Der Adel war zu mächtig, der König Spielball. So fanden sich die Polen nun als Minderheit in verschiedenen fremden Reichen wieder, zusammengehalten nur durch ihre Kultur, nicht zuletzt durch den Katholizismus.

Erst 123 Jahre später entstand erneut ein unabhängiger polnischer Staat. Der Erste Weltkrieg war gerade vorüber, und er hatte die historischen Feinde schwer getroffen. Deutschland musste kapitulieren, das Habsburgerreich zerbrach, in Russland folgte auf die Oktoberrevolution ein Bürgerkrieg. Mit Unterstützung der Westmächte wurde Jozef Pilsudski, Führer der gemäßigten Sozialisten, im November 1918 zunächst „Vorläufiger Staatschef“ der Zweiten Polnischen Republik. An diese musste später Deutschland gemäß Versailler Vertrag Gebiete abtreten, unter anderem Westpreußen.

Pilsudski stammte aus der Region Wilna, war also unter russischer Herrschaft aufgewachsen. Wegen der Beteiligung an einem Anschlag auf Zar Alexander III. hatte man ihn einst fünf Jahre nach Sibirien verbannt. Als Oberbefehlshaber im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) versuchte er, im Osten die Grenze von 1772 wiederherzustellen. Polen konnte sein Staatsgebiet am Ende tatsächlich ausweiten, und das, obwohl die sowjetische Arme zwischenzeitlich bis kurz vor Warschau gelangt war. Pilsudski blieb die dominierende Figur der polnischen Politik, von 1926 bis zu seinem Tod 1935 regierte er diktatorisch.

Vier Jahre später wiederholte sich die Geschichte für Polen auf furchterregende Weise: Im Zweiten Weltkrieg teilten Nazi-Deutschland und Stalins Sowjetunion das Land unter sich auf.

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