Glücklicher Vater. Die Geburt ist auch für Männer eine überwältigende Erfahrung. Foto: picture alliance/Daniel Karmann/dpa
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Die Sparkolumne Väter im Kreißsaal, das muss nicht sein

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"Herr Austilat, wollen Sie mal schauen?". Um Himmels willen, dachte ich, wer will seine Frau schon von innen sehen?

Es gibt ja auch andere Dinge außer Geld, die man sparen kann. Nerven zum Beispiel. Womit ich beim Interview auf der ersten Seite dieser Ausgabe bin. Die Gynäkologin erzählt da von einem werdenden Vater, der im Kreißsaal so unglücklich hintenüberkippte, dass er mit Verdacht auf Hirnblutung verarztet werden musste. Was die Frage aufwirft: Sollten Männer überhaupt im Kreißsaal auftauchen?

Ich hatte mir das vor gut 20 Jahren bei der Geburt unseres Kindes auch überlegt, es glasklar bejaht und mich intensiv vorbereitet. Etwa in einem entsprechenden Kurs, wo wir gemeinsam vor anderen Leuten hechelten, bis ich mich fit wähnte.

Erste Zweifel kamen mir, als ich meine Frau zu einer Voruntersuchung begleitete. Ich saß brav neben ihrem Kopf und schaute, was die Gynäkologin da am anderen Ende trieb. Plötzlich tauchte sie auf, mit einer Art Sehrohr in der Hand, und sagte, „Herr Austilat, wollen Sie mal schauen?“. Um Himmels willen, dachte ich, wer will seine Frau schon von innen sehen? Ich bewegte mich nicht vom Kopfende weg.

Irgendwann war es so weit, die Wehen setzten ein, wir fuhren ins Krankenhaus. Ich kannte die Strecke wirklich gut, muss aber einmal falsch abgebogen sein. Zunehmend panisch irrte ich durch mir unbekannte Nebenstraßen, bis mich meine Frau, zuweilen unterbrochen von zischenden Atemstößen, wieder auf den richtigen Weg lotste.

Ich heuchelte Bedauern

Die Geburt zog sich noch über Stunden hin. Natürlich fragte ich ein paar Mal, ob das so sein muss, kam beim Hin-und-her-Laufen auch einer Schwester in die Quere. Und ja, ich habe eine Tasse umgeworfen. Jedenfalls hatte ich den Eindruck, alle Beteiligten einschließlich meiner Frau hielten meinen Plan, ihr beistehen zu wollen, für eine immer weniger gute Idee. Irgendwann sagte der Arzt, das wird jetzt ein Kaiserschnitt, und er möchte mich nicht dabeihaben. Ich heuchelte Bedauern, trollte mich aber zügig.

Zehn lange Minuten wartete ich vor der Tür des Kreißsaals, bis sie mir unseren Sohn in die Hände drückten. Er hat mich angepinkelt. Aber ich glaube nicht, dass er das tat, weil ich ihn nicht zehn Minuten früher begrüßt hatte. Und meine Frau lächelte. Offenbar dachte sie keineswegs daran, ich hätte sie im Stich gelassen.

Ein paar Jahre später kündigte sich die Geburt unserer Tochter an. Diesmal sagte der Arzt von vornherein, es würde einen Kaiserschnitt geben. Und er glaube, das wäre nichts für mich. Ich weiß, das klingt jetzt egoistisch, aber ich akzeptierte und nahm es vergleichsweise entspannt hin. Dafür fand ich das Krankenhaus auf Anhieb und wurde einmal mehr ein glücklicher Vater.

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