nTrauer, Gedenken und Erinnerung - eine Frau entzündet in einem buddhistischen Tempel in Bangkok eine Kerze für den verstorbenen König. Foto: Sean Edison/ZUMA Wire/dpa
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Abschied von König Bhumibol Thailand kommt zum Stillstand

Daniel Kestenholz
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Ein Jahr ist König Bhumibol von Thailand nun schon tot. Jetzt wird seine Einäscherung mit einer viertägigen Zeremonie begleitet.

Seit Monatsbeginn strahlen sämtliche thailändischen Fernsehsender ihre Programme in Schwarzweiß aus. Selbst CNN, BBC, die britische Premier League oder Webseiten: ihre Auftritte in Thailand sind gefiltert, die Welt ist monochrom. Farbe gilt derzeit als unziemlich in einem Königreich, das am 26. Oktober seinen gottgleich verehrten Monarchen Bhumibol Adulyadej nach einem Regnum von sieben Jahrzehnten mit einer pompösen Feuerbestattung einäschert.

Kein Zweifel, Thailand ist größtenteils ein Herz und eine Seele, wenn nun mit viertägigen Prozessionen und Zeremonien Abschied vom „König der Herzen“ genommen wird. Thailand kommt zum Stillstand, alle Augen sind auf das neunstufige, aus Teakholz gebaute königliche Krematorium bei Bangkoks Grand Palace gerichtet, von dem aus der König dem Himmel übergeben wird.

Der König wollte nicht in die Urne gepfercht werden

Wie seine verstorbene Mutter, die insgeheim Christin war, hatte auch der König darum gebeten, dass man seinen Leichnam während der Trauerphase nicht, wie es die buddhistische Tradition für Könige vorschreibt, in aufrechter kniender oder sitzender Stellung in die enge Urne aus Sandelholz pfercht. Der König wünschte in einem Sarg zu liegen.

Nach langer Krankheit am 13. Oktober letzten Jahres verstorben, leitet die Kremation des Königs eine neue Ära in der Geschichte eines Landes ein, das keinen Aufwand scheut, dem Monarchen bei seinem letzten großen Auftritt alle Ehren zu erweisen. Bhumibol, in den 60er Jahren von der Armee der damaligen Agrarnation Thailand als „einende Vaterfigur“ gegen den Widerstand der Kommunisten eingeführt, gelangte zu gottgleicher Verherrlichung, die schon fast an nordkoreanische Verhältnisse erinnert. Bhumibol wurde ins Religiöse überhöht, jegliche Kritik an ihm, so ist es heute tief im thailändischen Volk verwurzelt, kommt Frevel gleich.

Alle mussten vor ihm knien und zu ihm kriechen

Bhumibol selber sagte in einer Geburtstagsrede im Jahr 2005, er sei auch nur ein Mensch und nicht über Kritik erhaben. Doch niemand hörte auf ihn. Die Verherrlichung des Monarchen nahm immer extremere Ausmaße an, was für Außenstehende befremdlich wirkte. Untertanen – auch höchste Politiker – hatten vor dem König zu knien und zu kriechen.

Bhumibol selber galt als bescheiden. Er versuchte Volk und Nation die Tugenden von Selbstgenügsamkeit und -versorgung zu lehren. Jetzt wird mit überbordendem Prunk und Pomp von ihm Abschied genommen. Die extravagante Einäscherung kostet eine Milliarde Baht, 30 Millionen Dollar.

Militärs nutzen Monarchie zum Machterhalt

Die Militärregierung nutzt die Stunde, um mit einem Spektakel die Unantastbarkeit von Bhumibol und damit der Monarchie zu demonstrieren. Bewusst lassen die Generäle den Abschied vom überhöhten Bhumibol so grandios zelebrieren. Sie wollen damit auch dem Land ein Gefühl von Grandiosität verleihen. Der Ära danach blicken sie allerdings mit Sorge entgegen. Die Monarchie diente in den letzten Jahren vor allem dazu, den Status quo der Machthierarchie zu zementieren. Am Ende war der König krank und schwach, die Herrschenden sprachen in seinem Namen und instrumentalisierten Bhumibol, während scharfe Gesetze gegen Majestätsbeleidigung sicherstellten, dass nicht ein Wort der Kritik an der Monarchie publik werden kann.

Mit voraussichtlich Ende 2018 abgehaltenen Wahlen werden die von den Generälen und der Elite in den Untergrund gedrängten oppositionellen Rothemden wieder auf die politische Bühne zurückfinden. Noch sind politische Versammlungen verboten, und die Medien üben sich in Selbstzensur. Mit dem anstehenden Ende der einjährigen Trauerzeit fehlt dem Regime aber bald das Hauptargument, für die Sicherung von Kontinuität und Stabilität seinen eigenen Abgang weiter hinauszuschieben und politische Aktivitäten weiterhin zu unterdrücken.

Thailand muss nach der Ära von Bhumibol zur Normalität zurückfinden. Die Menschen werden wieder Farbe tragen, und statt endloser Trauerbekundungen senden die Fernsehanstalten wieder Seifenopern und knalligen Thai-Pop. Der Weg indes wird kein einfacher.

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