Über Bande. Vier Feldspieler mit Dunkelbrillen und Kopfschutz und ein sehender Torwart stellen das Team beim Blindenfußball. Foto: Rainer Jensen/Picture Alliance/dpap

Blindenfußball-EM in Berlin Torschüsse mit Rasselball

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Was sich die Sehenden immer vorstellen! „Ich kann fast alles allein“, sagt Taime Kuttig. Heute läuft der 25-Jährige in Berlin bei der EM im Blindenfußball auf. Als Star des deutschen Teams. Unser Blendle-Tipp.

Er ballert aufs Tor, versucht, in die Ecken zu schießen, meistens hoch und nie flach. Er dribbelt, umspielt nahezu jeden, der sich ihm in den Weg stellt und ihn mit Gebrüll darauf aufmerksam macht, doch er trifft nicht. Taime Kuttig, den sie den Turbodribbler nennen. Kuttig, der Star der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft.

Der Ball macht Geräusche, klirrt und rasselt. Die Spieler rufen „voy, voy, voy“, „bin hier“, „bin Bande“. Es ist laut an diesem Vormittag auf dem Kunstrasenplatz der FV Wannsee, eine der letzten Einheiten im Trainingslager der Nationalmannschaft läuft.

Am heutigen Freitag werden Kuttig und seine Mannschaftskameraden wieder auf einem Fußballplatz stehen, 25 Kilometer nordöstlich, in der lauten Innenstadt Berlins, am Tempodrom in Kreuzberg. 19 Uhr 30 beginnt dort die Blindenfußball-Europameisterschaft, Gastgeber Deutschland trifft auf Italien. Das Spiel ist fast ausverkauft, 2000 Zuschauer werden auf den Stahlrohrtribünen sitzen, hinter dem Restportal des einstigen Anhalter Bahnhofs. Kuttig sagt, seine Mannschaft will Europameister werden.

Sie schreien „rechts“, „links“, „hier“

Blindenfußball: der Rasselball, vier Feldspieler, vier Spieler auf der Auswechselbank – alle mit Dunkelbrillen vor den Augen, damit jeder von ihnen gleich wenig, also überhaupt nichts sieht. Ein sehender Torwart, zwei mal 20 Minuten Spielzeit auf einem 40 mal 20 Meter großen Kunstrasenplatz mit Banden an den Längsseiten. Die Tore haben die Maße von Feldhockey-Toren. Jede Mannschaft hat darüber hinaus zwei „Guides“, einen hinter dem Tor, einen an der Seite, sie schreien „rechts“, „links“, „hier“, sie hauen gegen die Pfosten, rufen Zahlenkombinationen, die der Gegner nicht entschlüsseln kann. „36!“, „78!“

Fußball zum Hören. Werden die sehenden Zuschauer das Spiel überhaupt so verstehen können wie die nicht sehenden Spieler?

Taime Kuttig sagt, „das Schöne am Anhalter Bahnhof werden ja die vielen Zuschauer sein. Es ist riesig, wenn du dein Tor hören kannst.“ Denn dann, eigentlich nur dann, dürfen die eigenen Fans jubeln. In Rio de Janeiro, bei den Paralympics im vergangenen Jahr, gab es diese Szene, als ein Brasilianer allein aufs Tor zulief. Die Zuschauer sprangen auf, kreischten ...

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