Es sieht nicht gut aus für Lionel Messis (r.) Argentinier. Foto: Reuters
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WM-Qualifikation in Südamerika Argentinien, Chile – und keiner weiß, wie es ausgeht

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Die Fußball-Großmächte Argentinien und Chile drohen die WM 2018 zu verpassen. Ein Kommentar zur spannenden Südamerika-Qualifikation.

In Südamerika ist der Fußball noch, wie er früher einmal war. Ein Spiel, das seine Faszination daraus bezieht, dass vorher keiner weiß, wie es später ausgeht. In Europa werden es, mit Ausnahme der Niederländer, wie immer die üblichen Verdächtigen zur Weltmeisterschaft schaffen. In Südamerika sind nach aktuellem Stand nicht mal der kontinentale Champion und der letztmalige WM-Zweite dabei. Wann war eine europäische WM-Qualifikation zuletzt so spannend, wie es die Eliminatorias zwischen Pazifik und Atlantik zwei Spieltage vor Schluss sind?

Der Südamerika-Meister Chile gehört nach einem 0:1 in der bolivianischen Höhenluft nicht mehr zu den vier automatisch qualifizierten Nationen, Argentinien verharrt nach einem 1:1 daheim gegen Venezuela weiter auf Platz fünf, der immerhin zwei Qualifikationsspiele gegen Neuseeland bedeuten würde – aber kann das der Anspruch eines zweimaligen Weltmeisters sein, einer großen Fußballnation, die vor drei Jahren noch im Finale von Rio gegen Deutschland stand?

Chiles tiefer Fall kommt so überraschend nicht. Die Erfolge der jüngsten Vergangenheit stehen im Zeichen einer goldenen Generation um Alexis Sanchez und Arturo Vidal. Schon 2010 in Südafrika setzten die Chilenen ein Zeichen, vier Jahre später in Brasilien spielten sie auf ihrem Zenit und gewannen in den beiden Folgejahren zweimal eher glücklich die Copa America. Das physisch geprägte Spiel fordert seinen Tribut, und den können die in die Jahre gekommenen Hauptdarsteller nicht mehr so leicht entrichten. Chile wird es bei zwei noch ausstehenden Spielen gegen Ecuador und Brasilien wohl nicht nach Russland schaffen.

Argentinien hat nur sechs 16 Qualifikationsspielen gewonnen

Und Argentinien? Das Geschrei ist groß in Buenos Aires, wo der Weltuntergang gern und bevorzugt auf dem grünen Rasen heraufbeschworen wird. Der WM-Zweite von 2014 hat nur sechs von 16 Qualifikationsspielen gewonnen und dabei schon drei Trainer verbraucht. Und das mit dem vom Rücktritt zurückgetretenen Lionel Messi, mit Weltstars wie Angel Di Maria oder Javier Mascherano, mit brillantem Nachwuchs wie Paulo Dybala oder Mauro Icardi. Eine bessere Nationalmannschaft lässt sich in der Theorie kaum vorstellen, und doch funktioniert sie in der Praxis nicht. Oder nur noch nicht?

Es ist nun mal nicht so einfach, eine komplette Mannschaft für ein paar Tage aus Europa einzufliegen und sofort auf ihr höchstes Niveau zu bringen. Auch deshalb tut sich Argentinien in den Eliminatorias traditionell schwer, ähnlich wie die Niederländer in Europa. Nur dass es am Ende doch immer reicht, und es spricht einiges dafür, dass es auch diesmal so sein wird.

Im schlimmsten Fall kann die Albiceleste in den letzten beiden Spielen gegen Peru und Ecuador den Play-off-Platz nicht mehr verlassen und muss damit eine Ehrenrunde gegen Neuseeland drehen. Das aber sollte, bei allem Respekt vor der Fußballkunst zwischen Auckland und Christchurch, ein besseres Freilos sein. Andernfalls dürften sich die Argentinier wirklich auf den Weltuntergang einstellen, mindestens.

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