Berlin ist die erste Profi-Station, auf der es Petar Nenadic länger als eine Saison ausgehalten hat. Nun steht der Serbe vor einem Wechsel. Foto: IMAGO
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Vor dem Start in die Europapokalsaison Füchse Berlin: Petar Nenadic auf dem Absprung

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Das EHF-Cup-Spiel in Porto könnte eines der letzten für Petar Nenadic als Spielmacher der Füchse sein.

Manchmal ist es einfach zum verrückt werden. Da scheint ein Problem endlich gelöst, und dann erweist es sich als deutlich schlimmer als zunächst angenommen. Bei den Füchsen Berlin etwa sind sie heilfroh darüber, dass Steffen Fäth endlich die Leistungen zeigt, die man von ihm aus der Handball-Nationalmannschaft gewohnt ist – ein Verdienst, das sich Trainer Velimir Petkovic anrechnen darf, ebenso wie die Tatsache, dass Petar Nenadic viel mannschaftsdienlicher und disziplinierter spielt. Aus dem Ego-Shooter von einst ist ein veritabler Teamplayer geworden, der neuerdings sogar die Nebenleute in Szene setzt und nicht nur sich selbst.

Stand heute dürften sich diese Erkenntnisse bald erledigt haben: Fäths Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen am Saisonende ist bereits sicher, und auch Spielmacher Petar Nenadic steht vor dem Absprung aus der Bundesliga. Das Qualifikationsspiel zur Gruppenphase des EHF-Cups beim FC Porto am Samstag (19.30 Uhr) könnte tatsächlich eines des letzten für den 31-Jährigen sein. „Uns liegt ein Angebot vor, über das wir gerade nachdenken“, bestätigt Füchse-Manager Bob Hanning, „Petar hat sein Interesse geäußert, den Verein zu wechseln.“ Die Anfrage kommt vom ungarischen Spitzenklub KC Veszprem, der durch den kurzfristigen Wechsel des isländischen Nationalspielers und ehemaligen Kielers Aron Palmarsson zum FC Barcelona mitten in der Saison seinen Regisseur verloren hat und nun nach einem geeigneten Nachfolger fahndet.

Um Geld geht es den Füchsen bei Nenadic offenbar gar nicht

Veszprem hatte im Sommer bereits den Norweger Kent Robin Tönnesen von den Füchsen geholt, für Aufsehen sorgte der von einem Mäzen alimentierte Klub aber mit der Verpflichtung des langjährigen Flensburger Erfolgstrainers Ljubomir Vranjes. Der Schwede hatte gewissermaßen Pep-Guardiola-Status erreicht; er war so begehrt, dass er sich seinen neuen Verein aussuchen konnte – trotzdem entschied er sich für die eher zweitklassige ungarische Liga. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in Veszprem mehr Geld zu holen ist als bei den Bundesliga-Spitzenklubs, die Aussicht auf den Champions-League-Titel ist ebenfalls gegeben. Und klar ist auch: Wenn die Füchse eine Ablöse für Nenadic erzielen wollen, müssen sie ihn vor dem Saisonende abgeben, höchstwahrscheinlich in der Winterpause im Januar. Im Sommer 2018 läuft Nenadics Vertrag aus, dann wäre einer der individuell stärksten und torgefährlichsten Bundesliga-Spieler sogar ablösefrei zu haben.

Um Geld geht es aber offenbar gar nicht, wie Manager Hanning betont. „Unser Etat steht, wir sind nicht auf zusätzliche Einnahmen angewiesen“, sagt er. Vielmehr müssen die Entscheidungsträger im Verein die Frage klären, ob sie einen bisweilen launigen, in jedem Fall wechselwilligen Spieler wie Nenadic überhaupt halten wollen. „Petars sportliche Qualitäten stehen außer Frage“, sagt Hanning, „aber sie nutzen uns nichts, wenn er gedanklich schon bei seinem nächsten Verein ist.“ Selbst der Mannschaftsrat soll in die Entscheidung einbezogen werden – eine bei Personalien höchst seltene Vorgehensweise, die Nenadics Stellenwert und seine strategische Bedeutung im Kader nur unterstreicht.

Als Nenadic 2014 nach Berlin wechselte, eilte ihm der Ruf einer Diva voraus, die innerhalb von fünf Jahren bei fünf verschiedenen Vereinen gespielt hatte. Lange hielt es Nenadic nie aus, in einigen Fällen war es auch umgekehrt: die Klubs verzweifelten an ihm. In Berlin, so schien es, hatte der Serbe endlich eine Wahlheimat gefunden, in der er sich wohlfühlt. Vor allem auf den Rückhalt von Trainer Velimir Petkovic, der eng mit Nenadics Vater befreundet ist, konnte sich Junior Nenadic stets verlassen. Die jüngsten Füchse-Transfers lassen allerdings kaum einen anderen Schluss zu als einen zeitnahen Wechsel des Serben. Für die Abgänge zur nächsten Saison hat Manager Hanning bereits positionsgetreuen Ersatz gefunden: Steffen Fäth wird durch den Kroaten Stipe Mandalinic (vormals RK Zagreb) ersetzt, und Nenadics Spielmacherposition ist mindestens zwei Jahre für Simon Ernst (vormals VfL Gummersbach) reserviert.

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