Herthas Valentin Stocker kam in letzter Zeit nur im Training zum Einsatz. Jetzt kehrt er zum FC Basel zurück. Foto: dpa
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Von Hertha BSC zurück zum FC Basel Valentin Stocker: Vom König zum Bettler zum König

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Als Valentin Stocker 2014 zu Hertha BSC kam, galt er als Verheißung auf eine bessere Zukunft. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Der Klub bestätigte den Wechsel am späten Nachmittag.

Dichter Nebel lag über dem Schenckendorffplatz. Die Spieler von Hertha BSC waren nur als Schemen zu erkennen. Was das beliebte Winter-Ratespiel beim Vormittagstraining noch ein bisschen komplizierter machte: Wer ist der Spieler mit der Mütze tief im Gesicht am anderen Ende des Platzes? Wer fehlt? Und wer ist nach seiner Verletzung wieder dabei? Als sich der Nebel ein wenig lichtete, war zumindest zu erkennen, dass Thomas Kraft, der Ersatztorhüter, nach ein paar Tagen Pause wieder auf dem Platz stand. Karim Rekik hingegen konnte weiterhin nicht trainieren. Er wird beim Rückrundenstart am Samstag in Stuttgart genauso fehlen wie Alexander Esswein (Erkältung), dessen Blutwerte eine Trainingsteilnahme noch nicht zulassen.

Auch Valentin Stocker suchte man am Mittwoch vergebens – aber das lag a) weder am Nebel noch war es b) sonderlich überraschend nach dem, was die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ am Morgen berichtet hatte. „Er ist unterwegs, um seine sportliche Zukunft zu klären“, sagte Pal Dardai, der Trainer des Berliner Bundesligisten. Was der „Blick“ so übersetzte: Valentin Stocker, 29, kehrt ablösefrei zum FC Basel zurück und erhält dort einen Dreieinhalbjahresvertrag. Offiziell vermeldete Hertha am Nachmittag den Wechsel.

Kurz nach dem Jahreswechsel hatte sich Stocker zuletzt an Herthas Fans gewandt und über seinen Twitter-Account mitgeteilt, er sei nach seiner Meniskusoperation „bereit für die kommenden Aufgaben“. Im Training wirkte er engagiert und durchaus angriffslustig – obwohl dem Offensivspieler längst klar geworden sein dürfte, dass er bei Hertha bis zum Ablauf seines Vertrags im Sommer keine große Rolle mehr spielen würde. In der Hinrunde war der Schweizer – auch bedingt durch seine Verletzung natürlich – nur zu drei Kurzeinsätzen in der Bundesliga gekommen.

Ende der Saison läuft der Vertrag bei Hertha aus

Dreieinhalb Jahre hat Stocker für die Berliner gespielt, die 2014 knapp vier Millionen Euro für den Nationalspieler an Basel überwiesen haben. Stocker galt in jenem Sommer nicht nur als Königstransfer, seine Verpflichtung dokumentierte auch den Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft. Der Transfer des WM-Teilnehmers stand ein Jahr nach dem Aufstieg aus der Zweiten Liga stellvertretend für Herthas gestiegene Ambitionen und wurde als erstes Indiz für die kurz- bis mittelfristig avisierte Rückkehr des Klubs nach Europa gedeutet.

Stocker kam als König, jetzt geht er als Bettler – und wird in Basel vermutlich wie ein König empfangen. „Die mögen mich echt gerne da“, hat er im Sommer erzählt. Kurz vor ihm hat der Schweizer Serienmeister, der in der Liga aktuell nur Zweiter hinter Bern ist, auch Fabian Frei vom Bundesligisten Mainz 05 zurückgeholt. Das Interesse des FCB an Stocker besteht schon länger. Bereits im Sommer gab es ernste Avancen, aber da konnte sich der Spieler noch nicht zur Rückkehr durchringen. Es sei ihm zwar ein Anliegen, in Basel seine Karriere zu beenden. Die Frage sei nur: „Ist jetzt der richtige Moment?“ Ein solcher Wechsel in die Heimat hätte schließlich etwas Endgültiges. „Ich würde nicht zurückgehen, um dann von Basel noch einmal woanders hinzugehen.“ Deshalb schreckte er im Sommer vor diesem Schritt zurück. Nach einer weiteren Halbserie des Missvergnügens hat er seine Meinung nun offensichtlich geändert.

Dank Stocker verhinderte Hertha den Abstieg

Es ist kein Geheimnis, dass Dardai nie richtig warm geworden ist mit Stocker: Sein Spiel war ihm zu riskant, zu freigeistig und zu wenig dynamisch. Dabei hat der Schweizer nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass der Ungar inzwischen fast drei Jahre bei Hertha im Amt ist. Im ersten Halbjahr hatten es die Mannschaft und Dardai vor allem Stocker zu verdanken, dass der Abstiegskampf für sie am Ende doch noch erfolgreich endete. Drei Tore und fünf Vorlagen gelangen ihm in der Rückserie. „Er hat uns damals den Arsch gerettet“, hat Dardais Assistent Rainer Widmayer einmal gesagt.

Selbst das Gefühl tiefer Dankbarkeit hat Stocker nicht geholfen. Mehr als eine Nebenrolle wurde ihm bei Hertha nicht mehr zuteil. Und dankbar sind sie ihm in Basel auch: für seinen Beitrag zu sechs Meisterschaften, für große Spiele in der Champions League und Siege gegen Chelsea, Bayern und Tottenham.

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