Täve Schur bei einer Autogrammstunde im Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen (Sachsen-Anhalt). Am Dienstag feiert die Radsportlegende 85. Geburtstag. Foto: dpa
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Radsportlegende feiert 85. Geburtstag Warum Täve Schur in die Ruhmeshalle gehört

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Täve Schur war ein grandioser Radfahrer - und hat mit seinen politischen Ansichten polarisiert. An diesem Dienstag wird Schur 85 Jahre alt. Wie sollte man ihn in Erinnerung behalten? Ein Kommentar.

Einen populäreren Sportler hat es in der DDR nicht gegeben. Gustav Adolf Schur, von allen nur „Täve“ genannt, hat all das verkörpert, was der ostdeutsche Staat propagiert hat. Er war ein grandioser Radrennfahrer – und ein überzeugter Anhänger der sozialistischen Ideologie. Letzteres ist er noch heute, was viele Menschen irritiert. Im 26. Jahr nach der deutschen Einheit hat sich Schur mit den neuen Machtverhältnissen einigermaßen arrangiert, auch wenn er sagt: „Der Lebensstil von heute, da will ich nicht mitgehen.“ Stolz, fast stur, verteidigt er stattdessen die DDR und ihre Ideale und sieht sich selbst als einen Menschen, der nicht „nach dem Wind“ redet.

An diesem Dienstag wird Täve Schur 85 Jahre alt, viele – vor allem ältere – Menschen in den östlichen Bundesländern werden sich an ihr einstiges Idol erinnern. Und es ist ein Tag, an dem die Frage nach Schurs Platz in der Sportgeschichte noch einmal gestellt werden sollte. Seit ein paar Jahren gibt es eine Ruhmeshalle des deutschen Sports. Schur war vorgeschlagen, aufgenommen wurde er 2011 aber nicht. Seine Haltung zur DDR-Vergangenheit erachtete die Jury nach Intervention des Vereins für Doping-Opfer-Hilfe als moralisch nicht vertretbar. Schur sagt heute: „Ein anständiger Mensch hätte so nicht entschieden, wie sie entschieden haben.“

Schurs Verbitterung ist nachvollziehbar, in seiner aktiven Zeit wurde ihm in der DDR große Verehrung zuteil. Zweimal gewinnt er die Friedensfahrt, das größte Amateur-Etappenrennen jener Zeit. 1958 und 1959 wird er Weltmeister, sein Meisterstück liefert er jedoch ein Jahr später bei den Titelkämpfen auf dem Sachsenring ab. Vor hunderttausenden Zuschauern lässt er im Finale seinem Mannschaftskollegen Bernhard Eckstein den Vortritt und begnügt sich mit Platz zwei. Das „gewaltigste Erlebnis“ seiner Karriere sei diese WM gewesen, sagt Schur.

Die Partei- und Staatsführung nutzt das Rennen für ihre Zwecke, strickt daraus die Legende des überlegenen sozialistischen Sportsystems. Doch Schur hat seinerzeit eben nicht nur die Machthaber der DDR begeistert, sondern auch viele Menschen in seiner Heimat. Nicht umsonst wird Täve Schur noch 1990 zum größten Sportler des Landes gewählt. Auch weil er den Menschen in der DDR mit seiner einfachen, bescheidenen Persönlichkeit das Gefühl gab, einer von ihnen zu sein. Und damit in gewisser Weise das Gegenteil des verbohrten Parteibonzen darstellte, obwohl er selbst lange Jahre als Abgeordneter in der Volkskammer saß.

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Natürlich, Schurs Ansichten über die DDR sind für manche erschreckend, mindestens jedoch diskutabel. Unstrittig aber sind seine sportlichen Erfolge und die Art und Weise, wie er damit umgegangen ist. Hat er es mit dieser Lebensleistung nicht auch verdient, in einer virtuellen Ehrengalerie gewürdigt zu werden?

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