Weil Kapitän Manuel Neuer (vorn) verletzt ist, bekommt Barcelonas Marc-André ter Stegen seine Chance. Foto: dpap

Nationalmannschaft Freie Fahrt für Marc-André ter Stegen

Sebastian Schlichting
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Torwart Manuel Neuer fehlt dem Nationalteam noch lange – jetzt macht Marc-André ter Stegen Druck.

Es war kein sonderlich spektakuläres Spiel im Oktober 2016. Weltmeister Deutschland gewann in Hannover 2:0 gegen Nordirland, sammelte drei Pflichtpunkte auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2018 ein. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Fast zwölf Monate später bekommt die Partie in der Rückschau aber doch eine besondere Note: Es war das 74. und bislang letzte Spiel von Manuel Neuer im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft. Bis heute. Wann wieder eins dazu kommt, ist zum jetzigen Stand offen.

Neuer ist derzeit mit einem Mittelfußbruch außer Gefecht gesetzt, es ist seine dritte Verletzung dieser Art binnen weniger Monate. Der Welttorhüter wird bis zum Jahresende ausfallen. Er hat in der laufenden Saison erst vier Spiele bestritten, drei in der Bundesliga und eins in der Champions League. Im Länderspieljahr 2017 wird er komplett ohne Einsatz bleiben. Neuer-Vertretung zu sein, das bedeutet aktuell nicht für eine oder zwei Partien einen möglichst soliden Ersatzmann geben und sich dann wieder klaglos auf die Bank setzen. Das ist zurzeit eine eher langfristige Geschichte. Beim FC Bayern München wird der Welttorhüter von Sven Ulreich vertreten.

Perfekte Qualifikation möglich

Und beim DFB-Team? Teilt sich seit längerem ein Trio die Rolle des Stellvertreters. Bayer Leverkusens Bernd Leno, Kevin Trapp (Paris Saint-Germain) und Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona. Laut Kaderliste auch wieder bei den zwei anstehenden Spielen am heutigen Donnerstag in Belfast gegen Nordirland (20.45 Uhr/ live bei RTL), wenn das deutsche Team vorzeitig das Ticket für die Weltmeisterschaft in Russland buchen will. Sowie am Montag in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan. Es winkt die perfekte Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Partien.

Aber auf dem Rasen ist aus dem noch vor wenigen Monaten nach außen entscheidungsoffenen Dreikampf ein klarer Vorteil für ter Stegen geworden. Er wird im Windsor Park in Belfast erneut die Nummer eins sein – er hat sich im Jahr vor der Weltmeisterschaft als erster Neuer-Vertreter etabliert. „Die Fakten ergeben sich inzwischen aus dem Confed- Cup“, sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“. Dort hatte Leno im Auftaktspiel gegen Australien (3:2) gleich doppelt gepatzt, ter Stegen bekam danach seine Chance. Die er nutzte. Der 25-Jährige überzeugte bei den vier weiteren Turnierspielen und auch bei den beiden Qualifikationspartien im September in Tschechien (2:1) und gegen Norwegen (6:0).

Zwölf Gegentore in den ersten drei Spielen

Nach vielen Jahren hat er es endlich geschafft, den Makel abzustreifen, der ihn begleitete, seit er bei seinen ersten Auftritten im Nationalteam regelmäßig reichlich Tore kassierte. Bei denen er ebenso regelmäßig keinen sonderlich glücklichen Eindruck machte. Insgesamt waren es zwölf Gegentore in den ersten drei Spielen gegen die Schweiz, Argentinien und die USA in den Jahren 2012 und 2013. Obwohl er damals im Tor von Borussia Mönchengladbach stets vorzüglich hielt. „Ich weiß selbst, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Dazu brauche ich keine deutschen Medien, die teilweise bei jedem Fehler versucht haben, mich in die Pfanne zu hauen“, hat er jüngst in einem Interview mit „Sportbuzzer“ seinem Ärger rückblickend Luft gemacht.

Doch die Wackel-Zeiten im Nationalteam scheinen weit weg zu sein. „Fakt ist, dass sich Marc von Spiel zu Spiel und Lehrgang zu Lehrgang steigern konnte“, sagt Joachim Löws Assistent Thomas Schneider. Lob bei der Nationalmannschaft, großes Lob auch aus Spanien. Dort bekommt er für seine Leistungen beim FC Barcelona inzwischen Woche für Woche beste Kritiken. Die Fakten sprechen ebenfalls deutlich für den Torhüter: Barca führt die Tabelle mit sieben Siegen in sieben Spielen souverän an. Marc-André ter Stegen hat erst zwei Gegentreffer kassiert.

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