Das wird die Männer daheim gefreut haben. Das deutsche Team nach dem Gewinn der Goldmedaille in Rio 2016. Foto: Sören Stache/dpap

Fußball-EM der - Frauen?Wenn das Vorbild ein Mann sein muss

von Claus Vetter1 Kommentare

Was hat die EM der Frauen mit Özil und Neuer zu tun und warum sollen sich die deutschen Fußballerinnen an männlichen Vorbildern orientieren? Ein Kommentar.

Ganz große Klasse, dass die „Bild“-Zeitung den „23 Mädels und eine(r) Steffi“ eine ganze Printseite widmet. Wenn Europas größte Zeitung etwas groß macht, dann ist es ja meist auch schon groß. Die Europameisterschaft der Fußballerinnen in den Niederlanden ist also angesagt. Ohne Männer geht es allerdings noch nicht, das ist den „Bild“-Portraits der Spielerinnen zu entnehmen. Denn hinter den „Mädels“ steht doch immer ein Mann. Bei „Top-Star“ Dzsenifer Marozsán heißt das Idol Cristiano Ronaldo. In Zusammenhang mit  Deutsch-Türkin Hasret Kayikçi heißt es: „Ihr Vorbild ist natürlich Mesut Özil“. Logisch, Özils Verdienste im Fußball der Frauen sind ja nun mal unbestritten groß.

Manche deutsche Spielerin kann sich aber sogar mit den Männern vergleichen (obwohl die ja nicht mitspielen bei der EM). Anja Mittag etwa hat „mehr Länderspiele als Lothar Matthäus“. Dafür möchte Laura Benkarth, „unsere Nr. 2“ im Tor, den Manuel Neuer gern mal kennenlernen. Wird vielleicht gar nicht so einfach, denn die männlichen Nationalspieler stehen ja eher auf den Typ Spielerfrau und nicht spielende Frau. Na, okay der Bastian Schweinsteiger hat eine Sportlerin zur Frau. Ausnahme. Und der Schweini spielt ja auch nicht mehr mit im großen Fußball.

Natürlich sind die "Mädels" durch Männer zum Fußball gekommen

Natürlich sind die Spielerinnen laut „ Bild“„BVB-Fan“ oder zocken gerne „Fifa“ und sind – wie auch sonst – durch ihre Brüder zum Fußball gekommen. Anscheinend scheint es doch noch keine Fußball-Bundesliga der Frauen zu geben und weibliche Vorbilder auch nicht.

Alles ist nicht so tragisch, wenn man sich überlegt, in welchen Tiefen der Mottenkiste männlicher Vorurteile der Frauenfußball einst begraben schien. Der Sport hat viele Hürden überwunden und dazu gehört auch, dass die Diskussion um eine EM (der Frauen) kaum mehr dogmatisch geführt wird. Millionen werden einschalten, wenn die Deutschen am Montag zur besten Sendezeit in der ARD spielen. Das musste frau erst mal schaffen - und das schafft außer dem Fußball keine andere Männermannschaftsportart zu so einer Sendezeit. Männer können daher in den kommenden Tagen gerne eine Nebenrolle als Zuschauer spielen (so wie die Frauen bei einer Männer-EM) - Spielermänner ausgenommen.  Natürlich.