Matthias Lehmann (l.) und der 1. FC Köln fliegen gegen Richmond Boakye und Roter Stern Belgrad aus dem Wettbewerb. Foto: Dragan Stankovic/dpa
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Europa League Keiner gewinnt - außer vielleicht Sandro Wagner

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Der 1. FC Köln verliert 0:1 in Belgrad und scheidet ebenso aus der Europa League aus wie 1899 Hoffenheim. Die Kraichgauer lassen ihren Topstürmer wohl nach München ziehen.

Im ersten Spiel nach der Ära Peter Stöger hat der 1. FC Köln die Überraschung in der Europa League verpasst. Vier Tage nach der Trennung vom bisherigen Cheftrainer verlor der Bundesligaletzte unter dem Interimscoach Stefan Ruthenbeck bei Roter Stern Belgrad nach einer couragierten, aber spielerisch erschreckend schwachen Vorstellung mit 0:1 (0:1) und schied damit in seiner ersten Europapokal-Saison nach 25 Jahren bereits in der Gruppenphase aus. Damit sind alle drei deutschen Europa-League-Starter – Hertha BSC, die TSG Hoffenheim und der FC – früh gescheitert.

Slavoljub Srnic (22.) erzielte im entscheidenden Spiel um Platz zwei den Treffer für die Serben, die sich in der Gruppe H zusammen mit Tabellenführer Arsenal London für die K.-o.-Runde qualifizierten. Die Kölner können sich hingegen ganz auf den Überlebenskampf in der Bundesliga konzentrieren.

Der von der U-19-Mannschaft vorübergehend auf den Chefposten bei den Profis aufgerückte Ruthenbeck hatte vor der Partie in Belgrad mit den gleichen Verletzungsproblemen zu kämpfen wie sein Vorgänger Stöger. Gerade einmal 16 Spieler statt der erlaubten 18 konnte er in den Kader beordern, darunter etliche Amateure. Dennoch traten die Rheinländer in der hitzigen Atmosphäre vor 51 500 Zuschauern - darunter 4400 FC-Fans - zunächst mutig auf. Die Deckung stand sicher. Offensiv setzten sie Akzente und hatten schnell ihre Chancen. Zunächst kam Frederik Sörensen zum Kopfball, dann war der Schuss des freistehenden Serben Milos Jojic zu schwach.

Die Belgrader waren deutlich effizienter. Gleich mit der ersten Möglichkeit kamen sie durch Srnic zur Führung. Die Gäste ließen sich aber nicht beirren und blieben überlegen. Doch zugleich wurde deutlich, wie spielerisch limitiert die Kölner derzeit sind. Immerhin hatte der quirlige Jojic noch vor der Pause die Chance auf den Ausgleich, traf aber nur das Außennetz.

In Hälfte zwei änderte sich nichts am Geschehen. Köln war bemüht, aber begrenzt in seinen Möglichkeiten. Belgrad, das in allen sechs Gruppenspielen gerade einmal zwei Gegentore kassiert hatte, ließ den Bundesligisten kommen und machte die Räume eng. Der Schlenzer von Yuya Osako war die einzige nennenswerte Szene der Kölner im Strafraum. Die Partie wurde danach immer schwächer. Roter Stern hatte kaum noch Mühe, den Sieg über die Zeit zu bringen.

1899 Hoffenheim verabschiedet sich glanzlos

Auch die B-Elf von 1899 Hoffenheim hat sich mit einem glanzlosen Unentschieden gegen Bulgariens Serienmeister aus der Europa League verabschiedet. Zum Ende seiner ersten internationalen Saison kam der Fußball-Bundesligist am Donnerstagabend gegen Ludogorez Rasgrad nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus. Die K.o.-Spiele hatten die Kraichgauer bereits vor dem letzten Gruppenspiel verpasst. Vor nur 7814 Zuschauern in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena traf Philipp Ochs (25. Minute) für das stark verjüngte Team von Trainer Julian Nagelsmann. Für die Gäste war Wanderson (62.) erfolgreich.

"Ich glaube, dass es der ganzen Mannschaft Spaß gemacht hat, dass wir uns zeigen durften. Die Europa League ist schon eine große Bühne", sagte Ochs, der sein erstes Profitor erzielte. Stürmer Robin Hack meinte: "Es ist einmalig, dass so viele Spieler so eine Chance bekommen haben. Ich glaube, wir haben es gut gemacht."

Die Hoffenheimer schieden mit fünf Punkten nach nur einem Sieg und zwei Unentschieden als Gruppenletzter aus. Rasgrad, das das Hinspiel mit 2:1 gewonnen hatte, erreichte in der Gruppe C wie Sporting Braga die nächste Runde. Nagelsmann hatte wie angekündigt vor allem Bankdrücker und Talente eingesetzt. Dabei standen gleich fünf Spieler auf dem Platz, die noch nicht einmal ein Bundesliga-Spiel bestritten haben. Zudem kamen die Neuzugänge Robert Zulj, Justin Hoogma und Felix Passlack sowie U21-Nationalspieler Ochs und Ersatzkeeper Gregor Kobel zum Zug.

Die jungen Profis hatten zunächst Mühe, den flinken Gegner um die Brasilianer Cicinho, Marcelinho und Wanderson in Schach zu halten. Aus dem Stammkader der TSG liefen drei Tage vor der Partie bei Hannover 96 nur Kapitän Eugen Polanski als Denker und Lenker im Mittelfeld, Havard Nordtveit und Ermin Bicakcic auf. Letzterer gab nach überstandener Kreuzbandzerrung sein Comeback.

Nach 20 Minuten hatten sich die Gastgeber, auch mit Hilfe des engagierten Nagelsmanns an der Seitenlinie, einigermaßen sortiert - und kamen nach einem schönen Rückpass von Robin Hack zum 1:0 durch Ochs. Der Tabellenfünfte der Bundesliga kontrollierte in einer insgesamt wenig spannenden ersten Halbzeit das Geschehen. Das beobachteten von der Tribüne auch zahlreiche Scouts, die genau darauf achteten, welche Talente Hoffenheim noch zur Verfügung hat.

Wagner wohl vor Wechsel nach München

Schon kurz nach dem Seitenwechsel hätte Ochs auf 2:0 erhöhen können. Nur wenige Minuten später wurde der 20-Jährige mit einer Knieverletzung ausgewechselt. Die Gäste kamen anschließend besser ins Spiel und trafen durch Marcelinho und Virgil Misidjan (57.) jeweils das Außennetz, ehe Wanderson den Ausgleich erzielte. Dabei sah die Dortmunder Leihgabe Felix Passlack nicht gut aus. Kurz vor Schluss musste der bei Rasgrad eingewechselte Claudiu Keseru nach einer Roten Karte (83.) vorzeitig vom Platz.

Für Stürmer Sandro Wagner könnte es trotz des Hoffenheimer Ausscheidens im nächsten Jahr europäisch weitergehen. Er steht offensichtlich vor einem Wechsel in der Winterpause zum FC Bayern München. "Ich denke, dass das über die Bühne gehen wird in den nächsten ein, zwei Wochen - wenn alles normal läuft", sagte Nagelsmann nach dem Rasgrad-Spiel. Nagelsmann nannte zwar nicht explizit Wagners Namen, sprach aber von einer Personalie, die schon länger öffentlich sei. Beim Fußballrekordmeister soll Wagner als Backup für Robert Lewandowski verpflichtet werden. Der 30-jährige Wagner hatte seine Profikarriere beim FC Bayern begonnen. dpa

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