Olympia im Kopf. James Sheppard (l.) hat beim Spengler Cup bereits das Trikot von Team Canada getragen. Foto: picture alliance / Melanie Duchep

Eisbären-Zugang James Sheppard Über Berlin nach Pyeongchang

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James Sheppard könnte bei den Eisbären Berlin in der kommenden Saison zum Führungsspieler werden - und sich so für eine Olympia-Teilnahme mit Team Canada empfehlen.

James Sheppard weiß, was ihn erwartet. Bei den Eisbären ist der 29-jährige Eishockeyprofi der wohl größte Name im Kader. Vor ein paar Wochen hat er einen Vertrag für die kommende Saison unterschrieben. Seit dem vergangenen Montag bereitet er sich mit seiner neuen Mannschaft auf die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vor. Natürlich erhoffen sie sich in Berlin viel von ihrem Stürmer, der immerhin 431 in der National Hockey-League gespielt hat und damit über mehr NHL-Erfahrung verfügt als jeder andere Profi im runderneuerten Eisbären-Team.

„Ich versuche Führungsqualitäten einzubringen, aber sonst ist es auch nicht so viel anders als bisher“, sagt Sheppard mit ruhiger Stimme und freundlichem Blick. Die Erwartungen an ihn waren schon immer hoch, egal wo er gespielt hat. 2006 wurde der Kanadier aus der Provinz Nova Scotia an neunter Stelle des NHL-Drafts von den Minnesota Wild gezogen. Talent Sheppard sollte einer der Stars der besten Liga der Welt werden und mit seinem Team um Meisterschaften spielen.

Doch obwohl er von Anfang an viel Eiszeit bekam, konnte der 1,85 Meter große Center nie wirklich überzeugen. Die Fans der Wild hatten Sheppard bald als Buhmann ausgemacht, als er dann auch noch in einen Unfall mit einem Quad-Fahrzeug verwickelt war, bekam seine Karriere endgültig einen Knick. Minnesota schob den einstigen Hoffnungsträger nach San Jose ab, später spielte Sheppard auch noch bei den New York Rangers. Zum Star wurde er allerdings auch dort nicht. Als Ausweg blieb Sheppard Europa, 2015 verpflichtete ihn der Schweizer Klub EHC Kloten.

Dort wurde er mit ähnlich hohen Erwartungen empfangen, wie es jetzt bei den Eisbären erneut der Fall ist. Sheppard spielte zwei solide Saisons, jetzt startet er sein nächstes Projekt. „Die Eisbären haben eine große Geschichte. Dazu ist Berlin eine tolle Stadt. Das hat mich sehr gereizt“, sagt er. Und natürlich werde in der DEL anders als in der Schweiz eher nordamerikanisches Eishockey gespielt.

Sheppards Maxime lautet: "Schlittschuhlaufen, Schießen und meine Mitspieler besser machen"

„Er wird mit seiner Größe und seiner Energie viel Schwung in unser Spiel bringen“, glaubt Eisbären-Sportdirektor Stephane Richer. Sheppard hat den Ruf ein mannschaftsdienlicher Spieler zu sein, der den Puck gut abschirmen kann und auch in den Ecken keinem Zweikampf aus dem Weg geht. Er selbst fasst das Anforderungsprofil an ihn wie folgt zusammen: „Schlittschuhlaufen, Schießen und meine Mitspieler besser machen.“

Dazu gilt es zunächst einmal, die neuen Kollegen schnellstmöglich kennen zu lernen. „Wir werden viel laufen in den ersten Wochen und als Team zusammenwachsen“, glaubt Sheppard. Ob er dann tatsächlich zum Führungsspieler aufsteigt, ist derzeit schwer einzuschätzen. Das hängt auch davon ab, in welcher Rolle ihn Trainer Uwe Krupp einsetzt. Die Konkurrenz in der Mannschaft ist größer geworden und wie welche Plätze im Team verteilt werden, scheint nach den vielen Abgängen offener denn je.

Sheppard hat mit seiner internationalen Erfahrung aber natürlich einen gewissen Status, dazu ist ihm das europäische Eishockey mit seinen größeren Spielflächen durch die Zeit in Kloten vertraut. So könnte er schnell eine tragende Rolle bei den Eisbären besetzen.

An Motivation dürfte es ihm dabei sicherlich nicht mangeln, denn Sheppard hat für die kommende Saison noch etwas anderes im Blick. „Ich würde sehr gern Team Canada bei den Olympischen Spielen repräsentieren“, sagt er. Beim Spengler Cup in der Schweiz hat er das in den vergangenen zwei Jahren schon getan und dadurch, dass die NHL 2018 keine Profis nach Südkorea entsenden will, steigen die Chancen für die nordamerikanischen Europaprofis.

Nick Petersen, Sheppards neuer Kollege in Berlin, hat gerade eine Einladung zu einem Vorbereitungscamp von Team Canada erhalten. Auch er hat bereits für sein Heimatland bei einem internationalen Turnier gespielt. Auch wenn es sich dabei nur um den Deutschland-Cup handelte, zeigt dies, dass die Kanadier ihre Nationalspieler im Blick haben. James Sheppard will sich darüber aber aktuell nicht zu viele Gedanken machen. „Wir sind gerade am Anfang der Vorbereitung, bis Olympia kann noch viel passieren.“

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