Volltreffer. Sean Backman bejubelt seinen Siegtreffer gegen Köln. Foto: Bernd König/Imagop

Eisbären in München Sean Backman als Beleg

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Vom Niveau her ist die DEL in zwei Klassen geteilt. Die Eisbären gehören wohl wieder zur oberen. Am Sonntag treten sie bei Meister München an.

Sean Backman wirkt nach einem Heimspiel der Eisbären so, als sei er noch nicht angekommen in der hinter den Kulissen etwas betulichen Welt der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Der Profi aus den USA schien sich am Freitag in der Arena am Ostbahnhof über die vielen Fragen an ihn nach dem Spiel zu wundern, daheim in Los Angeles mag das wohl anders gewesen sein. Schließlich hat Backman seine Karriere als Profi bis zu dieser Saison vor allem in der American Hockey-League (AHL), zuletzt bei den Ontario Reign, verbracht. Die zweitklassige Liga steht eben im Schatten der großen NHL.

In die beste Eishockey-Liga der Welt hat es Backman nie geschafft, also ist der Außenangreifer mit 31 Jahren in die DEL gewechselt. Und auf der hiesigen Eisfläche hat er weniger Anpassungsschwierigkeiten als abseits des Spielfeldes. Beim Heimspiel seines neuen Teams gegen die Kölner Haie demonstrierte er das mit seinem dritten Tor im fünften Spiel. Backman wurschtelte den Puck zum 3:2-Siegtor ins Netz, mit dem Schlittschuh, aber gerade noch so erlaubt. Später sagte er: „Das war das kompletteste Spiel von uns bisher. Das war stark.“ Er fühle sich wohl in der Liga, sie sei sogar etwas stärker als die AHL.

Eine kühne Behauptung, die sich nur zum Teil halten lässt – bei der Betrachtung solcher Spiele wie das jüngste zwischen den Eisbären und Köln. In der Liga genügt in etwa nur die Hälfte von 14 Teams gehobenen Ansprüchen. Die gut aufgestellten Klubs aus Berlin, Köln, Mannheim, München, Nürnberg, Ingolstadt und Wolfsburg können sich die Spieler leisten, die den qualitativen Unterschied ausmachen. Dass immer mal ein Außenseiter – wie zur Saisonbeginn nun Augsburg als Tabellenführer – überrascht, ist ein temporäres Phänomen. Das Teilnehmerfeld der Liga ist an sich zu groß, um im Großteil der Spiele für Qualität zu bürgen. Eisbären-Trainer Uwe Krupp sagte nach dem Sieg Köln: „Mir hat vor allem die Art und Weise Spaß gemacht wie gespielt wurde von meiner Mannschaft. Heute stimmte die Struktur.“ Das lag auch daran, weil Gegner Köln auf hohem Niveau mitspielte und nicht nur versuchte, das Spiel des Gegners zu behindern.

Für Sean Backman war es schon das dritte Tor im vierten Spiel in der DEL

So ein Spiel wie am Freitag wäre den Eisbären gegen Bremerhaven kaum gelungen. Denn deren Team ist vor allem mit mittelklassigen Ausländern besetzt. Einen talentierten deutschen Nachwuchsspieler würden sie dort kaum einsetzen und einen Profi vom Kaliber des NHL-Rückkehrers Christian Ehrhoff könnten sie sich nicht leisten. Spieler wie Ehrhoff machen aber laut Backman den Niveau-Unterschied der DEL im Vergleich zur AHL aus. „Hier in der DEL sind viele erfahrene Spieler, die etwas cooler sind als die vielen jungen Spieler in der AHL.“ Wenn es um gehobenes Niveau geht, dann wird Backman auch mit dem Gegner der Eisbären am Sonntag in München (Beginn 14 Uhr) seine Freude haben. Den Kader vom Meister kennt er schon. „Da sind gute Jungs dabei und die werden auch tolle Fans haben.“

Backman ist das erste Mal in München, immerhin hat er von der Stadt schon gehört. Dabei haben sie es bei den Eisbären nicht immer so mit der Geographie. Zu Saisonbeginn prangte auf Backmans Trikotrücken neben der Berlin-Fahne ein Emblem mit der kanadischen Flagge – das ist inzwischen behoben worden. Hat geholfen: Seit Backman mit dem US-Emblem spielt, haben die Eisbären vier Mal in Folge gewonnen.

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