Danke an die Fans. Constantin Braun nach dem Spiel in Iserlohn. Foto:Imago/ nordphoto
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Eisbären Berlin Mensch, Constantin Braun

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Constantin Braun gelingt ein fantastisches Comeback. Der an Depression erkrankte Eishockeyprofi ist zurück bei den Eisbären und erzielte gegen Iserlohn das entscheidende Tor.

Constantin Braun fuhr genau dahin, wo ein Angreifer im Eishockey hinfahren muss, wenn seine Mannschaft vor dem gegnerischen Tor Druck macht. Das gute Positionsspiel des großen Mannes wurde belohnt, der Puck sprang ihm vor die Schlittschuhe. Eins, zwei und drin: Im Nachschuss erzielte er das entscheidende Tor der Eisbären beim Spiel in Iserlohn, das 2:1 sieben Minuten vor Schluss. Die Eisbären gewannen schließlich 3:1 und festigten ihre Tabellenführung.

Aber das war irgendwie auch Nebensache. Für die Berliner Fans in jedem Fall, sie hatten in der Iserlohner Halle Halter mit der Aufschrift „#90 – Stay strong“ in die Höhe gehalten. Womöglich hat das den Mann mit der Nummer 90 motiviert. Am Ende gab Constantin Braun ein Comeback, mit dem vor einigen Wochen nicht zu rechnen war. Braun leidet an Depressionen, wegen des zweiten Ausbruchs der Krankheit hatte er seine Karriere als Profi vor der Saison bereits nach 2013 zum zweiten Mal unterbrechen müssen.

1,90 Meter misst der stämmige Spieler, der bei den Eisbären einst den kräftigsten Schlagschuss hatte. Abseits der Eisfläche fiel Braun früher durch seinen mit vielen Tattoos geschmückten Körper und auch durch kernige Sprüche auf. Er könnte locker auch als Sänger einer Hard-Rock-Band durchgehen, der Mann aus Baden ist eine robuste Erscheinung. Der Mensch ist aber wohl weit sensibler als der Eishockeyspieler. Seit vier Jahren gibt es da keine zwei Brauns mehr. Seine Krankheit ist öffentlich, das spielt mit. Sicher auch, wenn ihn sein Trainer Uwe Krupp so offensiv herzt wie am Freitag auf der Berliner Spielerbank in Iserlohn nach dem Tor. Sie freuen sich bei den Eisbären, dass Constantin Braun wieder zurück ist. Zum zweiten Mal.

Eishockey als Therapie

Die Rückkehr auf das Eis sei Teil seiner Therapie, lässt der Klub verlauten. Sport hilft, sagen Ärzte. An sich sollte Braun erst im Training locker wieder rankommen, doch nun in der Personalnot hat Krupp seinen Verteidiger im Angriff aufgestellt. Auf der Außenposition in der vierten Reihe. Krupp sagte vor dem Spiel: „In erster Linie wird Brauni uns da helfen, wo wir ihn brauchen.“ Das hat in Iserlohn funktioniert, wohl auch, weil Braun per Aufstellung der Druck genommen wurde, Großes zu leisten. Von einem Angreifer in Reihe vier wird im Eishockey nicht erwartet, dass er das Spiel entscheidet.

Für Constantin Braun ist Eishockey auch eine Therapie. Foto: Soeren Stache/dpa
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Bei seiner ersten Rückkehr in den Profisport waren die Erwartungen sicher höher, vielleicht sogar zu hoch für den ehemaligen Nationalspieler. Das zweite Comeback scheint beim inzwischen 29 Jahre alten Mann aus Lampertheim besser initiiert zu sein. Nach dem Spiel habe er sich natürlich gefreut, Braun sagte: „Es hat richtig Spaß gemacht, gestern wieder dabei zu sein. Das Tor war natürlich das I-Tüpfelchen.“

Über seine Erkrankung spricht Constantin Braun nicht öffentlich. Der Klub macht viel, um ihm seine Rückkehr angenehm zu gestalten. Eine gewisse Abschottung gehört dazu – soweit so etwas möglich ist, wenn Mensch vor 13.000 Zuschauern oder mehr spielt, wie die Eisbären dann am Sonntag gegen den ERC Ingolstadt (Beginn 14 Uhr in der Arena am Ostbahnhof). Aber den einen Weg aus der Krankheit, den gibt es eben nicht. Vielleicht aber ist Constantin Braun gerade dabei, seinen Weg zu finden.

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