Im Bild der Bande. Pat Cortina kommt mit den Wild Wings nach Berlin. Foto: Hoppe/dpa
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Eisbären Berlin gegen Schwenningen Pat Cortina hat seinen Traumjob gefunden

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Der frühere Eishockey-Bundestrainer coacht erfolgreich die Schwenninger Wild Wings. Dabei schien Cortinas Trainerkarriere nach einer 0:10-Pleite schon beendet.

Es ist kaum drei Jahre her, da war der Eishockeytrainer Pat Cortina am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen. Das Amt des Bundestrainers überforderte den brummigen Kanadier sichtlich. Am 3. Mai 2015 hatte er mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Prag ein Debakel erlebt: Sicher, gegen Kanada mit den Superstars um Sidney Crobsy kann man verlieren – aber gleich 0:10? Ein kanadischer Co-Trainer hatte nach dem Spiel bemerkt, dass die Deutschen im Spiel zehn Minuten lang sogar besser gewesen seien, dann nach dem ersten Gegentor "schon ruiniert und taktische konzeptlos" gewesen seien.

Es war ein Armutszeugnis, das Cortina seinerzeit von Kollegen ausgestellt wurde. Am liebsten hätte er sich an jenem Tag weit weg gewünscht, zumal der Deutsche Eishockey-Bund schon während der WM auf Distanz ging und den Vertrag des Trainers nach der WM – die Cortina trotz des Debakels gegen Kanada fernab von Abstiegssorgen auf Platz zehn beendete – nicht verlängerte. Die Karriere des Trainers Pat Cortina schien sich damit erledigt zu haben.

Defensiv diszipliniert

Doch es kam anders, im Sommer 2016 boten die Schwenninger Wild Wings dem Kanadier eine Stelle an – normalerweise ist das für einen ehemaligen Bundestrainer nicht eben attraktiv. Seine Vorgänger Hans Zach (Köln, Hannover), Greg Poss (Mannheim) oder Uwe Krupp (Köln, Berlin) gingen zu Spitzenklubs, aber Cortina konnte froh sein, überhaupt einen Arbeitgeber gefunden zu haben. Und tatsächlich scheint ihm die kleine Bühne Schwarzwald besser als die große Bühne zu liegen: In seiner Mannschaft spielen viele deutsche Spieler, die kein anderer Klub in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf seiner Liste hatte. Er hat sie zu einem Team geformt und nach Platz zwölf in der Vorsaison stehen die Wild Wings aktuell auf einem erstaunlichen fünften Platz, so dass sie tatsächlich an diesem Dienstag zu einem Spitzenspiel bei den Eisbären (Beginn 19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) antreten.

Der Erfolg der Mannschaft von Cortina hat Gründe: Sie spielt taktisch sehr diszipliniert, vor allem defensiv. Da haben die Schwenninger weit weniger als drei Gegentore pro Schnitt im Spiel kassiert – allerdings treffen sie auch nicht häufig ins Tor. Der Standardsatz von Eisbären-Trainer Uwe Krupp, "dass man vier Tore braucht, um zu gewinnen", trifft auf Schwenningen nicht unbedingt zu. Das Team von Cortina gewinnt gerne mal 2:1 oder verliert 1:2 – wie am Sonnabend gegen Straubing. Am selben Tag gaben die Eisbären eine 2:0-Führung gegen Düsseldorf leichtfertig aus der Hand und verloren 2:3. Beide Mannschaften haben also etwas gut zu machen.

Pat Cortina ist vor wenigen Monaten 53 Jahre alt geworden. Es scheint, als habe der Trainer, der einst mit Ungarn in die A-Gruppe aufstieg und in München aussortiert wurde, als Red Bull dort große Pläne anschob, im beschaulichen Schwenningen nun seinen Traumjob gefunden.

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