Münchens Thomas Müller mochte zwischenzeitlich gar nicht mehr hinschauen. Foto: dpa
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Champions League FC Bayern ist beim 0:3 in Paris chancenlos

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Bayern München kann Paris Saint-Germain beim 0:3 kaum etwas entgegensetzen. Dabei gibt es besonders um Ancelottis Aufstellung Diskussionen.

Sven Ulreich konnte einfach nicht verschnaufen. Der Torhüter des FC Bayern München, der derzeit den verletzten Manuel Neuer vertritt und zuletzt arg patzte, sah einen Angriff nach dem anderen auf sich zurollen. Mal war es Neymar, mal Edinson Cavani und immer wieder Kylian Mbappé. Der Pariser Sturm, der die Klubbesitzer aus Katar mindestens 466 Millionen Euro gekostet hat, wirbelte sich in atemraubenden Tempo durch die Münchner Defensive. Und weil Ulreichs Teamkollegen dem kaum etwas entgegensetzen konnten, war auch der 29-Jährige im Tor ein ums andere Mal chancenlos, wobei ihm nichts vorzuwerfen war.

Die Münchner verloren am Mittwochabend das zweite Gruppenspiel der Champions League im Pariser Prinzenpark mit 0:3 (0:2). Dani Alves, Cavani und Neymar erzielten die Tore für die Hochgeschwindigkeitsfußballer von PSG, die von der brüchigen Münchner Defensive nicht aufzuhalten waren. Die höchste Niederlage in einem Vorrundenspiel der Königsklasse war eine Demütigung für die Münchner - und besonders auch für Carlo Ancelotti.

Der Trainer hatte eine verblüffende Aufstellung gewählt, die floppte. Besonders der Verzicht auf das Weltmeister-Duo Mats Hummels und Jérôme Boateng im Abwehrzentrum verwunderte. Dafür agierte neben Javi Martinez der unerfahrene Niklas Süle. Und vorne spielten anstatt Arjen Robben und Franck Ribéry Thomas Müller und James Rodriguez.

Das frühe Gegentor schockt die Bayern

Ancelotti verteidigte später seine Startformation. "Riskant war das nicht, ich habe so aufgestellt, dass wir die Kontrolle haben über das Spiel. Das war schon durchdacht, das war nicht das Problem“, sagte Ancelotti. Süle betonte: „Wir hatten nur gestandene Spieler auf dem Platz, mit teilweise mehr als 50 Spielen in der Champions League. Wir dürfen nicht so früh das Gegentor bekommen. Das war fatal.“

Denn Neymar sorgte kurz nach dem Anpfiff für einen Paukenschlag, zog an Thiago vorbei in den Strafraum und spielte quer auf den völlig freistehenden Alves. Der vollendete nach rund 90 Sekunden gegen Bayern-Keeper Sven Ulreich. Aber die Bayern erholten sich schnell von diesem Schock, nahmen das Spiel in die Hand und erarbeiteten sich optisch ein Übergewicht. Viele Eckbälle und Halbchancen von Müller (12. Minute) und Martinez (19.) sprangen dabei heraus.

Der Eindruck verflüchtigte sich aber schnell, weil PSG gnadenlos die fehlende Kompaktheit der Bayern in der Rückwärtsbewegung ausnutzte. Mit schnellen Pässen und Läufen spielten sich die Gastgeber große Chancen heraus. Neymar verstolperte nach einem Konter das mögliche 2:0 (22.), Cavani verzog wenig später (27.).

Besonders Mbappé wirbelte immer wieder

Dann aber zeigte der Uruguayer seine Weltklasse, als er nach Ablage von Mbappé mit einem Schuss aus 16 Metern das 2:0 erzielte. In der Folge zeigten sich in der Defensive des deutschen Meisters fast Auflösungserscheinungen. Ulreich verhinderte gegen Cavani das mögliche 0:3 (37.). Und Neymar kam Schritt zu spät (38.). Die Bayern waren mit dem Zwei-Tore-Rückstand zur Pause bestens bedient.

Zur zweiten Halbzeit brachte Ancelotti Sebastian Rudy und Kingsley Coman für die wirkungslosen James und Corentin Tolisso. Damit wechselte er die vermeintlichen Topzugänge aus. Bei den Bayern ragte nur Martinez heraus, der vorne Chancen hatte und hinten ausbügelte, was er konnte. Ausfälle waren hingegen Thiago und Arturo Vidal. Die Demütigung war das 0:3, als Mbappé sich durch die Bayern-Abwehr spielte und Neymar abstaubte. Robben auf Bayern- und Julian Draxler auf PSG-Seite kamen rein, als das Spiel entschieden war.

So reihte sich der FC Bayern am Mittwoch mit seiner Niederlage ein in die Pleiten der Dortmunder und Leipziger vom Vortag. Alle drei deutschen Vertreter in der Champions League verloren somit am zweiten Spieltag. Allerdings verloren die Münchner und der BVB gegen zwei große Titelfavoriten dieses Wettbewerbs: Paris und Real Madrid. Es gibt kaum stärkere Gegner in der Champions League. Und auch Besiktas Istanbul stellt eine erfahrene Mannschaft. Um die vier Champions-League-Starterplätze und die Position in der Fünf-Jahres-Wertung der Uefa müssen sich die deutschen Fans auch nicht sorgen: Dort haben die deutschen Klubs als Dritter großen Vorsprung auf Frankreich, das als Fünfter deutlich weniger Teilnehmer ins Rennen schicken darf. (Tsp/dpa)

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