Dortmund nach der Niederlage: Ein letzter Applaus für die Fans. Foto: AFPp

Champions League Dortmund zeigt sich als anständiger Verlierer

Sven Goldmann
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Nach der Niederlage gegen AS Monaco suchen Spieler und Trainer die Schuld bei sich selbst. Ausreden wegen des Bombenanschlags gelten für sie nicht. Ein Kommentar.

Sieh an, die Deutschen können auch anständig verlieren. Selbst wenn es nur gegen Monaco geht, aber was heißt schon: nur?  Borussia Dortmund ist am Mittwoch an einer sehr guten Mannschaft gescheitert, vor allem aber, und das ist noch wichtiger: Diese Mannschaft hat sich mit Anstand und Würde aus der Champions League verabschiedet.

Es wäre nach der 1:3-Niederlage im Rückspiel des Viertelfinales ein Leichtes gewesen, noch einmal auf das Trauma des Bombenanschlags auf den Mannschaftsbus vom vergangenen Dienstag  zu verweisen. Vor der Abfahrt ins Stadion saßen die Dortmunder auf eine gefühlte Ewigkeit in ihrem Bus fest, auf Anweisung der lokalen Polizei wegen eines nicht näher definierten Problems bezüglich der Sicherheitslage.  „Das hat keine Rolle gespielt“, sagte der Stürmer Marco Reus, auch der  Torhüter Roman Bürki wollte „das nicht wieder als Ausrede nehmen“ und geißelte stattdessen sich selbst für seinen Fehler vor dem ersten Gegentor. Stellvertretend für die gesamte Mannschaft sprach ihr Trainer Thomas Tuchel den schlichten, ehrlichen Satz: „Wir waren nicht gut genug.“

Tuchel selten so nah an Selbstkritik

Tuchel ist für gewöhnlich der schlechteste Verlierer, den man sich vorstellen kann. Einer, der die Schuld gern beim Schiedsrichter sucht, beim schlechten Platz und zur Not auch ganz allgemein beim Schicksal. So nah an der Selbstkritik wie am Mittwoch ist er selten. In der Bundesliga hat Tuchel sich vor ein paar Jahren um die Einführung der Vokabel „Matchplan“ verdient gemacht. Beim 1:3 in Monaco ging der Matchplan nicht auf.  Tuchels Selbstkritik bestand in der sofortigen und für alle sichtbaren Korrektur seiner Taktik. Mit frühen und zwingend logischen Auswechslungen, wie sie auch seinem Münchner Kollegen Carlo Ancelotti tags zuvor in Madrid gut zu Gesicht gestanden hätten. Aber die Bayern konzentrierten sich bei ihrer Fehleranalyse bekanntlich ausschließlich auf Fremdverschulden.

Fehlbesetzungen in der Startelf

Da war Tuchels Irrtum mit Erik Durm. Der Nationalspieler wirkte von Beginn an überfordert mit seiner defensiven Aufgabe zur Absicherung der Dreierkette, aber wen wollte das verwundern nach einem Monat ohne Spielpraxis? Monaco inszenierte anfangs so ziemlich alle Angriffe und die ersten beiden Tore über seine rechte Abwehrseite. Das Problem war weniger Durms Formschwäche als Tuchels Idee, ihn in dieser heiklen Situation überhaupt einzusetzen.

Im Zentrum sollte Nuri Sahin mit Ruhe und Ballsicherheit Stabilität garantieren – und stand doch nur für Tempoverschleppung und Behäbigkeit. Tuchel hatte unbedingte Angriffsbereitschaft versprochen. Dafür steht Ousmane Dembélé, die aufregendste Entdeckung dieser Bundesligasaison. Warum durfte der französische Stürmer mit dem Faible für  Hochgeschwindigkeitsdribblings nicht von Anfang an  spielen? Es war Dembélé, der die Dortmunder in der zweiten Halbzeit ein wenig zurück ins Spiel brachte. Und wer weiß schon, wie viel Offensive die Monegassen in der für Dortmund fatalen Anfangsphase gewagt hätten, wenn sie sich gleich auf Dembélés Tempoläufe hätten einrichten müssen.

Außenwirkung unterscheidet sich von FC Bayern

Es war ein schmerzhafter Abend für Borussia Dortmund, und die kickende Belegschaft hat ihn akzeptiert als Ergebnis ihrer eigenen Unzulänglichkeiten. Das macht das Ausscheiden nicht angenehmer. Aber in der Außenwirkung unterscheidet sich dieser Abschied aus der Champions League doch auf sehr angenehme Weise von dem des FC Bayern. Sieh an, die Deutschen können auch anständig verlieren.

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