Peter Stöger trainierte den 1. FC Köln mehr als vier Jahre lang – bis zum Sommer sehr erfolgreich. Foto: Ina Fassbender/dpa
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2:2 bei Schalke 04 Ein würdiger Abgang für Peter Stöger

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Mit dem dritten Punktgewinn der Saison sendet der 1. FC Köln ein Lebenszeichen. Die Entlassung von Trainer Peter Stöger kann der Teilerfolg jedoch nicht verhindern.

14 – 3 – 6, Peter Stöger wird sich wohl mit diesen historisch schlechten Werten aus Köln verabschieden. Nach dem 2:2 (0:1) auf Schalke am 14. Bundesligaspieltag hat der 1. FC Köln nur drei Punkte auf dem Konto und sechs Tore geschossen. Der österreichische Trainer, sichtlich von der Krise gebeutelt, hatte vor der Partie am Samstagabend in Gelsenkirchen mehrfach erklärt, er wünsche sich Klarheit über die Planungen des Vereins. Die dürfte er bald erhalten. Für den Abend war eine Besprechung im Kölner Geißbockheim geplant. „Mal sehen, was dabei herauskommt“, sagte Stöger. „Es muss eine klare Lösung her.“ Der Kölner „Express“ meldete kurz darauf, der Trainer sei bereits entlassen.

Als Interimscoach soll offenbar Stefan Ruthenbeck (45), Trainer der Kölner U 19, einspringen. Schon vor der Partie auf Schalke war spekuliert worden, dass Markus Anfang von Zweitliga-Spitzenreiter Holstein Kiel den FC in der Winterpause übernehmen werde.

Die Klubführung um Präsident Werner Spinner hatte Stöger, wie zu hören war, ursprünglich schon am vergangenen Sonntag nach dem 0:2 gegen Hertha BSC beurlauben wollen. Doch sie entschieden sich, eine Woche zu warten, da sie es dem neuen Coach nicht zumuten wollten, mit einer mutmaßlichen Niederlage zu starten. Nun zeigte der FC in Gelsenkirchen aber eine überraschend frische und geschlossene Leistung, die beste in dieser Saison, und glich vor 61.761 Zuschauern Schalker Führungen durch Guido Burgstaller und Amine Harit jeweils durch Sehrou Guirassy aus.

Selbst Tasmania Berlin hatte 1965 nach 14 Spieltagen eine bessere Bilanz

Bei ihrem zweiten Tor hatten die Kölner sogar einmal den Videobeweis auf ihrer Seite. Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte nach einem Handspiel von Benjamin Stambouli und Rücksprache mit dem Assistenten in Köln auf den Punkt. Guirassy verwandelte den Strafstoß. Im bisherigen Saisonverlauf hatten sich die Kölner bereits mehrfach von den Schiedsrichtern benachteiligt gefühlt. So gab es zumindest ein Lebenszeichen der Mannschaft und einen Punkt – denn Naldo verpasste in der 90. Minute den Schalker Sieg um Zentimeter.

Ein seltenes Bild. Der 1. FC Köln feiert einen Treffer von Sehrou Guirassy gegen Schalke. Foto: Ina Fassbender/dpa
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Es war das dritte Remis, das der FC in dieser Spielzeit erzielte, und es ist überhaupt bemerkenswert, wie rasant der Europa-League-Teilnehmer abgestürzt ist. So schlecht wie Köln stand nach dem 14. Spieltag noch nie eine Bundesliga-Mannschaft da. Selbst Tasmania Berlin, in der Saison 1965/66 mit nur zwei Siegen abgestiegen, hatte zu diesem Zeitpunkt schon einmal gewonnen. Die eigentliche Sensation ist deshalb nicht Stögers Rauswurf, sondern nur sein später Zeitpunkt.

Der österreichische Trainer war in Köln lange sakrosankt. Die schlechten Spieler-Einkäufe des Sommers, der misslungene Versuch, den nach China transferierten Torjäger Anthony Modeste durch Jhon Córdoba zu ersetzen – all das kreidete man dem im Oktober zurückgetretenen Manager Jörg Schmadtke an. Dabei hatte er den Kader zusammen mit Stöger geplant.

Stöger führte den Klub von der Zweiten Liga in die Europa League

Der Österreicher, der im Sommer 2013 beim damaligen Zweitligisten angefangen hatte, blieb von Kritik verschont, denn er ist auch im positiven Sinne Kölner Rekordtrainer. Er hat den FC nicht nur in mehr Spielen betreut als Hennes Weisweiler, der Double-Trainer von 1978. In Stögers ersten vier Jahren gab es wenig zu mäkeln, der FC erreichte immer seine Ziele. Dafür waren ihm die Chefs so dankbar, dass sie es trotz der schwierigen sportlichen Situation bis vor ein paar Wochen ablehnten, auch nur daran zu denken, sich von ihm zu trennen.

Dabei hätten sie erkennen können, dass Stöger nicht der allerbeste Krisenmanager ist. Er wirkte oft hölzern und nicht flexibel genug, um den Widrigkeiten mit Mut und Ideen zu begegnen. Stöger hätte angesichts der miserablen Ergebnisse auch selbst zurücktreten können, doch das tat er nicht. Es würde, wie er oft betonte, seinem Sinn von Pflichterfüllung widersprechen. Hinzu kommt natürlich, dass sein Vertrag bis 2020 läuft. Wer selbst hinwirft, verschlechtert seine Abfindungsmodalitäten. Nach der Partie auf Schalke verabschiedete sich Stöger nun lächelnd von seinen Profis und den Co-Trainern. Er ging mit dem Team vor die Gästekurve und zog vor den Fans seine Mütze. Das Spiel machte ihn noch einmal glücklich, es war ein würdiger Abgang für den Österreicher.

Wie auch immer es nun weiter gehen mag, die Kölner werden sich in der Winterpause auf dem Spielermarkt umschauen müssen, wenn sie die Saison anständig zu Ende bringen wollen. Zudem brauchen sie einen neuen Manager, da sie mit ihrem Werben um Horst Heldt von Hannover 96 gescheitert sind. Auch hier gibt es eine frische Spekulation, angeblich verhandelt der FC mit Dietmar Beiersdorfer.

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