Voller Einsatz. Grischa Prömel (rechts) hatte gegen Kaiserslautern die beste Zweikampfquote aller Spieler. Foto: Soeren Stache/dpap

1. FC Union Berlin Grischa Prömel hat das richtige Timing

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„Die Rote Karte kam ganz gelegen“, sagt Grischa Prömel. Nach abgesessener Sperre überzeugte der Neuzugang gegen Kaiserslautern und will am Samstag gegen Aue nachlegen.

Etwas seltsam klingt es schon, was Grischa Prömel über sein Debüt für den 1. FC Union Berlin in der Zweiten Liga sagt: „Die Rote Karte kam ganz gelegen.“ Mitte August wurde der 22 Jahre alte Neuzugang aus Karlsruhe beim Auswärtsspiel in Nürnberg in der 80. Minute eingewechselt. Da stand es 2:1 für Union. Seine 13 Minuten auf dem Platz lassen sich schnell zusammenfassen: Ausgleich kassiert, Rote Karte, zwei Spiele Sperre. Das sei „nicht ganz glücklich gelaufen“, sagt Prömel. Warum der Platzverweis aber doch ganz gelegen kam, zeigt sich erst jetzt, mehr als vier Wochen später.

Denn am Montag, beim befreienden 5:0-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern, begann Prömels Saison eigentlich erst so richtig. „Ich hatte noch Probleme am Sprunggelenk, die ich aus Karlsruhe mitgebracht habe, und die konnten wir durch die Sperre intensiver behandeln“, sagt Prömel. Ein Knochenödem, also Flüssigkeit im Knochen, behinderte ihn lange und ist immer noch nicht hundertprozentig ausgeheilt. „Da hilft eigentlich nur Ruhe, aber das ist als Sportler natürlich nicht so einfach“, sagt Prömel.

In den vergangenen Wochen war viel über ihn gerätselt worden. Nach abgesessener Sperre kam Prömel zweimal nicht zum Einsatz. Unions Trainer Jens Keller sprach ihm dennoch das Vertrauen aus und sagte schon vor zwei Wochen, dass er keinerlei Bedenken habe, Prömel spielen zu lassen. Dass er im richtungsweisenden Spiel gegen Kaiserslautern anstelle von Damir Kreilach dann von Anfang an im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kam, war für viele eine Überraschung. Nicht für Prömel. „Das zeichnet sich ja im Training ab, weil man bestimmte Mechanismen einstudieren muss“, sagt er. „Es ist natürlich schwieriger in die Startelf hineinzurutschen, wenn die Mannschaft zehn Spiele in Folge gewonnen hat.“

"In Aue sind es immer eklige Spiele"

Einen besseren ersten Auftritt in der Alten Försterei hätte sich Prömel jedenfalls nicht aussuchen können: 5:0 gewonnen, beste Zweikampfquote, meiste Ballkontakte, Lob von allen Seiten. „Er war unfassbar stark und hat gezeigt, warum wir ihn geholt haben“, sagt Keller. Die Erwartungen an den gebürtigen Stuttgarter sind groß – vor allem für die Zukunft. Prömel war U-21-Nationalspieler und gewann mit der Olympiaauswahl 2016 in Rio die Silbermedaille. „Das letzte Jahr in Karlsruhe war nicht einfach, ich konnte mich aber auch über die Nationalmannschaft empfehlen“, sagt Prömel.

Die Erfahrung aus den Junioren-Auswahlteams und fast 50 Zweitligaspielen merkt man ihm auf dem Platz an. Gegen Kaiserslautern wirkte Prömel extrem reif und spielte, als würde er im Mittelfeld der Berliner seit Jahren den Takt vorgeben. „Er hat das sehr gut gemacht“, sagt Torjäger Sebastian Polter. „Wie er im Mittelfeld auch mal lautstark ist und die anderen im Zweikampf mitnimmt – Hut ab!“ Prömel selbst redet nicht so gern über die eigene Leistung. „Ich war nicht besonders nervös, es war mehr Freude, dass ich die Chance bekommen habe“, sagt er. Die Mannschaft habe es ihm dabei sehr leicht gemacht.

Am Samstag in Aue (13 Uhr, Sky) muss Union vermutlich mit deutlich mehr Gegenwehr rechnen. „Das sind immer eklige Spiele dort“, sagt Prömel. „Wir müssen aber auf jeden Fall nachlegen, sonst ist der Sieg gegen Kaiserslautern nichts wert.“ Nach dem überzeugenden Startelfdebüt ist es schwer vorstellbar, dass Keller ihn im Erzgebirge wieder auf die Bank setzt. Das Timing stimmt bei Grischa Prömel. Die Negativserie hat seinen Einsatz begünstigt und nun spielt ihm eine alte Fußballweisheit in die Karten: „Never change a winning team.“ Manchmal kommt eine Rote Karte vielleicht wirklich ganz gelegen.

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