Illustration: Anna Krauss
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"Und erlöse uns von allen Üblen" #97 Ein Dokument des Grauens taucht auf

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Ein Tonband belegt Verbrechen der Rechtsnationalen. Parteichef Freypen hat Flüchtlingsheime anzünden lassen. Ein Fortsetzungsroman, Teil 97.

Was bisher geschah: Die etablierten Parteien fürchten den Erfolg der Nationalen Alternative. Da taucht brisantes Material über die Rechten auf.

In 100 Teilen bis zur Bundestagswahl 2017 erscheint der Politkrimi "Und erlöse uns von allen Üblen" online als Fortsetzungsroman im Tagesspiegel. Hier Folge 97 vom 20. September.

Eine ziemlich große Koalition der diskret Eingeweihten prüft deshalb die Kassette, die Julia Schwarzkoff von einem Unbekannten bekommen und über Georg Krucht weitergeleitet hat ins Kanzleramt nach Berlin. Eine Kopie liegt im Panzerschrank der Abendpost-Redaktion. Krucht lässt die Stimme des zweiten Mannes mit den Aufnahmen der Mulder-Verhöre vergleichen. Eindeutig dieselbe Stimme. Anschließend bittet er die EUROPOL-Kollegin Susanne Hornstein um Amtshilfe und die wiederum setzt einen französischen Kollegen daran, der zweifelsfrei feststellt, dass es sich bei der Aufnahme um ein Original und nicht um zusammengeschnipseltes Material handelt.

Was Alain Retin nicht schwer fällt, denn erstens kennt er das Original und zweitens war er vor kurzem auf Bitten von Lionel in Hamburg, um diskret in einem bestimmten Briefkasten an einer bestimmten Adresse einen bestimmten kleinen Umschlag abzulegen, in den eine Tonbandkassette passte.

Wie von Julia Schwarzkoff bereits vermutet, ist die Stimme des einen Gesprächspartners die von Joachim Frepen, was Vergleiche mit Aufzeichnungen verschiedener Fernsehsendungen beweisen, in denen er aufgetreten ist. In der Schweiz fragt der Zürcher Korrespondent der Abendpost  im Dorf am Vierwaldstätter See den Bäcker und den Metzger, ob sie sich an eine größere Bestellung erinnern könnten am  angegebenen Termin 26. Juli 2015. Beide bestätigten, Brot und Bratwürste und Schinken an die Jagdhütte Joachim Freypens geliefert zu haben, und zwar eine große Menge.

Alle Informationen laufen wieder bei Krucht in Hamburg zusammen und der bestätigt daraufhin bei der Abendpost die Echtheit des Materials. "Wann haben Sie vor, diese Geschichte zu versenden oder zu drucken?", fragt Krucht und bietet an, falls gewünscht, noch aus den Ermittlungsakten Fotos von den Opfern herauszusuchen, die besonders abschreckend wirkten. Entsprechendes Entsetzen und anschließend Wut gegen die Verantwortlichen erzeugen würden. Das sei ja wohl der Sinn der Geschichte, doch wie gut ihm diese Richtung höchst persönlich gefällt, verschweigt er. "Natürlich ohne Copyright, ohne Fotozeile", fügt er hinzu.

"Am kommenden Sonnabend wollen wir die Bombe platzen lassen", antwortet der Mann von der Abendpost, "erst ins Netz stellen, dann ins Blatt. Können Sie mir noch einen Tipp geben, wohin wir unsere Kameraleute schicken sollen? Wir wollen in unserem Sender natürlich nachlegen. Wäre hilfreich, wenn wir nicht nur die Parteizentrale zeigen und das alte Material von Freypen und der Beerdigung und von Mulder bei den Schüssen auf unseren Verleger. Sondern auch was Neues. Also vielleicht den Ort, an dem dieses Gespräch stattfand. In Hamburg war es wohl nicht, einmal hört man auf dem Band so etwas wie eine Kuhglocke im Hintergrund, könnte also in Bayern gewesen sein oder in Österreich oder in der Schweiz."

Gar nicht blöde, denkt Krucht und nennt ihm den Ort.

Dass der Mann sein Handwerk versteht, sieht nicht nur Krucht, als er am Samstag, dem 7. März, morgens um sechs Uhr seinen Computer anschaltet und auf die Homepage der Abendpost geht

Das Protokoll des Todes: Die Mörder von der Nationalen Alternative. So verbrannten sie zehn Menschen

Das geheime Protokoll zwischen dem damaligen Chef der Partei Nationale Alternative Joachim Freypen und seinem Sicherheitschef Karl Mulder am 26. Juli 2015 in Freypens Jagdhütte zeigt das wahre Gesicht der angeblich demokratischen Partei, die derzeit in Umfragen bei acht Prozent liegt.

Freypen befiehlt darin seinem Mitarbeiter, ein Asylbewerberheim anzuzünden und dafür zu sorgen, dass es keine überlebenden Au­genzeugen mehr gibt. AUSZÜGE

Freypen: Ich will, dass dieses Ding brennt wie eine Fackel. Die sollen Angst bekommen. Das ist die einzige Sprache, die diese Kanaken

Mulder: Wenn wir das Haus anzünden, könnte es Tote geben. Nichts dagegen, ich wollte es nur vorher gesagt haben.

Freypen: So ist das nun mal im Krieg. Wir führen Krieg gegen diese Asylanten, macht ja keiner außer uns. Wenn ein paar draufgehen, haben die anderen Angst, nach Deutschland zu kommen. Außerdem kräht nach ein paar Tagen kein Hahn mehr danach. Und denk dran, es muss so aussehen, als ob sich die gegenseitig angezündet haben.

Mulder: Nach der üblichen Methode?

Freypen: Nach der üblichen Methode.

Mulder: Also ..

Freypen: Ich sagte doch, wie immer. Mehr will ich gar nicht wissen ( lachend). Das könnte mein Gewissen belasten.

( Das gesamte Gespräch im Wortlaut unter dem link http/Schweiz.jagdhüttecom).

Wenige Tage nach diesem Mordkomplott kamen beim Brand eines Asylbewerberheimes in Freithal zehn Menschen auf grauenvolle Weise ums Leben ( siehe Fotos). Sie verbrannten, weil die Fluchtwege versperrt worden waren. Von den Tätern, die zunächst unter den Ausländern in dem Heim und erst später in rechtsradikalen Kreisen vermutet wurden, fehlt bis heute jede Spur.

Durch die heutige Veröffentlichung liegen neue Tatsachen vor, das Bundeskriminalamt wird den Fall wie­der aufnehmen müssen. Da Freypen inzwischen selbst einem Attentat zum Opfer gefallen ist und sein Kumpan Karl Mulder wegen der tödlichen Schüsse auf den Hamburger Verleger Jens-Peter Schwarzkoff in Haft sitzt , konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Mulder und Freypen treu ergebene Garde der Leibwächter als mögliche Brandstifter.

Erste Reaktionen in Berlin zeigen Einigkeit über alle Parteigrenzen hinweg: Die Vaterlandspartei sollte eigentlich sofort verboten werden, weil sie dem Ansehen Deutschlands in der ganzen Welt schadet. ( Interviews in der heutigen Ausgabe der Abendpost) In einer Sondersendung von Action TV wird morgen Abend das Gespräch zwischen Freypen und Mulder, ein Dokument des Grauens, auch zu hören sein. Abendpost-Verlegerin Julia Schwarzkoff, deren Mann von Mulder erschossen wurde: "Wer jetzt noch diese Partei wählt, der unterstützt Mörder und Brandstifter."

Und morgen lesen Sie: Die Polizeireporterin taucht wieder auf.

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