Viel Macht mit 31 Jahren. Mohammed bin Salman ist vom saudischen König Salman zum neuen Kronprinzen des Landes gekürt worden. Foto: Rainer Jensen/dpap

Saudi-Arabien Der ehrgeizige Prinz - was die neue Thronfolge bedeutet

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Mohammed bin Salman gilt als starker Mann Saudi-Arabiens. Jetzt steigt er zum Thronfolger auf. Der 31-Jährige will das Land modernisieren und zur Führungsmacht der arabischen Welt machen. Eine Analyse.

Die Entscheidung ist keine Überraschung, hat jedoch große Tragweite – nicht allein für Saudi-Arabien selbst, sondern für den gesamten Nahen Osten. Mohammed bin Salman wurde jetzt zum direkten Nachfolger des greisen Königs Salman ernannt. Per Erlass wird der Vizekronprinz offiziell zum Thronfolger.

De facto war der 31-Jährige das bereits. Keiner verfügt über mehr Macht in der Herrscherfamilie. Monarch Salman hat seinen Lieblingssohn schon vor geraumer Zeit in Stellung gebracht, ihn mit wichtigen Posten ausgestattet und damit zum Gesicht des Landes gemacht. Der bisherige Kronprinz hingegen, Mohammed bin Naif, spielte kaum eine Rolle. Er verliert denn auch seine Ämter, wird also abgesetzt.

Nun ist der Weg frei für einen Mann, den viele Beobachter für besonders ehrgeizig halten. Einige sehen in ihm sogar eine regelrechte Gefahr. Denn er gilt als geltungssüchtig und übermotiviert. Das wirkt sich vor allem auf die saudische Außenpolitik aus. Schon Ende 2015 stellte der Bundesnachrichtendienst (BND) dem neuen Thronfolger ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus.

"Impulsive Interventionspolitik"

In einer internen, gleichwohl an die Öffentlichkeit gelangten Analyse heißt es unter anderem: „Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt.“ Im Klartext: Die Behörde warnt vor einem aggressiven außenpolitischen Kurs Riads.

Gerade mit Blick auf Saudi-Arabiens Kriegseinsatz im südlichen Nachbarland Jemen wird laut dem deutschen Auslandsdienst deutlich, dass die Golfmonarchie bereit ist, beispiellose „militärische, finanzielle und politische Risiken einzugehen, um regionalpolitisch nicht ins Hintertreffen zu geraten“.

In der Tat gehört Mohammed bin Salman als Verteidigungsminister zu den vehementen Verfechtern der Intervention. Gleich zu Beginn der Kämpfe besuchte er als Befehlshaber die saudischen Einheiten, lobte sie für ihren Mut und versprach ihnen einen schnellen Sieg. Daraus ist bisher zwar nichts geworden.

Bombardements im Jemen

Die Huthi-Rebellen beherrschen nach wie vor einen großen Teil des Jemen. All die oft ungenauen Bombardements mit tausenden toten Zivilisten haben die Aufständischen nicht in die Knie zwingen können. Dennoch wird der Kronprinz von der zumeist sehr jungen saudischen Bevölkerung verehrt. Für viele dient Mohammed bin Salmen als eine Art Projektionsfläche für ihren Patriotismus. Und als Hauptgegner hat man den Iran ausgemacht.

Der schiitische Gottesstaat, so die Lesart, versuche mit aller Macht und allen Mitteln, den eigenen Einfluss auszubauen – und den des sunnitischen Königshauses zu begrenzen. Diesem Expansionsdrang müsse Einhalt geboten werden, im Jemen und der ganzen Region. Mohammed bin Salman verwendet viel Mühe darauf, sich selbst als entschlossener Gegner Teherans zu inszenieren. Erst Anfang Mai erteilte er jedem Dialog mit dem Iran eine Absage.

Im Jemen führt Saudi-Arabien seit mehr als zwei Jahren Krieg. Foto: Mohammes Huwais/AFPp

Das schiitische Regime halte an einer „extremistischen Ideologie“ fest. Die sehe vor, dass der Iran „über die muslimische Welt herrschen soll“. Das schließe die Kontrolle über die heiligen Stätten des Islam ein. Damals drohte Mohammed bin Salman unverhohlen, sein Land werde nicht darauf warten, dass dieser Krieg auf saudischem Boden stattfinde. Vielmehr wolle man alles daransetzen, damit die Auseinandersetzung im Iran stattfinde.

In ihrer „Iranoia“ dürften sich die saudischen Herrscher wohl auch von US-Präsident Donald Trump bestätigt fühlen. Der hatte vor Kurzem bei einem Besuch in Riad klargemacht, dass er Teheran für alles Böse in der Region verantwortlich macht. Wenige Tage später brachen Saudi-Arabien und andere arabische Staaten die diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Der Vorwurf: Das Emirat unterstütze nicht nur islamistischen Terrorismus, sondern habe insbesondere viel zu gute Kontakte zum Iran.

Vom Öl unabhängig machen

Auch innenpolitisch versucht der neue Kronprinz, Saudi-Arabien eine neue Richtung zu geben. Mohammed bin Salman ist die treibende Kraft hinter dem Projekt „Vision 2030“. Dabei geht es um den wohl ambitioniertesten Wirtschaftsumbau der Gegenwart: Das Land am Golf soll vom Öl unabhängig werden. Das betrifft die gesamte Infrastruktur. Der Umbau wird vermutlich zig Milliarden kosten, wenn nicht gar Billionen. Mehr als 100 Milliarden US-Dollar sind allein dafür vorgesehen, Saudi-Arabien zum Marktführer bei Sonnenenergie zu machen.

Dafür hat der neue starke Mann des Landes seine Leute auf wichtigen Posten platziert. Ziel der umfassenden Reformagenda ist nicht zuletzt, der Monarchie Stabilität zu sichern. Dazu gehört eine vorsichtige Öffnung der erzkonservativen, ultrareligiösen Gesellschaft. Gerade die ansonsten rechtlosen Frauen könnten zumindest ein wenig davon profitieren. Ihr Potenzial soll laut der „Vision 2030“ künftig mehr genutzt werden. Doch Experten warnen vor übertriebenen Erwartungen. An der autoritären Ausrichtung des Regimes werde sich kaum etwas ändern.

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