Jim Kim geht in die Verlängerung. Der Aufsichtsrat der Weltbank entschied, ihm eine zweite Amtszeit zu gewähren. Foto: Nicholas Kamm/AFPp

Porträt Jim Yong Kim bleibt Chef der Weltbank

Dagmar Dehmer
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Wie der Chef der Weltbank die Institution umkrempelt – und warum er weitermachen darf, obwohl er keineswegs unumstritten ist.

Der „gute Doktor“ wird er von seinen Kritikern in der Weltbank genannt. Jim Yong Kim, dem der Aufsichtsrat der wichtigsten Entwicklungsbank gerade eine zweite Amtszeit genehmigt hat, ist Arzt. Der Amerikaner mit südkoreanischen Wurzeln war einmal ein scharfer Kritiker der Weltbank. Das war Mitte der 1990er Jahre. Damals arbeitete er als Freiwilliger in Peru. Tausende Menschen flüchteten vom Land in die Städte, weil die maoistische Miliz „Leuchtender Pfad“ ganze Landstriche unsicher machte. Sie wurden schlecht versorgt. Für Jim Kim war auch klar, wer daran Schuld hatte: die Weltbank mit ihren „Strukturanpassungsprogrammen“, als auch die Gesundheitsversorgung privatisiert worden war.
2012 sicherte US-Präsident Barack Obama den amerikanischen Einfluss auf die Weltbank, indem er den Weltbank-Kritiker zum Kandidaten machte. Jim Kim gewann die Wahl gegen die frühere Finanzministerin Nigerias, Ngozi Okonjo-Iweala, die im Gegensatz zu Kim lange Erfahrung in der Weltbank hatte. Sie stand als Kandidatin für den Wunsch, den amerikanischen Einfluss auf die Weltbank zu beschränken, aber sie stand auch für das System Weltbank.
Bei der Vertragsverlängerung, die Mitte 2017 greifen wird, musste sich Kim gegen niemanden mehr durchsetzen, obwohl er in der Institution keineswegs unumstritten ist. Seine unorthodoxe Personalpolitik kommt bei den alteingesessenen Kräften nicht gut an. Auch mit der Öffnung der Weltbank für Themen, die zuvor nicht im Mittelpunkt standen, tun sich einige der Weltbank-Angestellten eher schwer.
Jim Kim sagte nach seiner Wahl in der Nacht zum Mittwoch, er halte die Weltbank für „das wichtigste Instrument zur Überwindung der Armut“. Damit war er schon 2012 angetreten. Damals gab er als Ziel aus, dass die extreme Armut bis 2030 weltweit überwunden und die 40 Prozent der Ärmsten in den Entwicklungsländern in die Lage versetzt werden sollten, höhere Einkommen zu erzielen. Dafür schichtete Kim auch Geld in die Bank der Ärmsten um. IDA, eine Weltbank-Tochter, vergibt Kredite an die am wenigsten entwickelten Staaten.
Jim Kim ist überzeugt davon, dass die Erfolge bei der Armutsbekämpfung verloren gehen werden, wenn der Klimawandel nicht gebremst wird. Das ist ihm ein echtes Anliegen. Als weitere Risiken nennt er erzwungene Flucht und Pandemien. Er ist eben Arzt – und die Ebola-Krise hat ihn ziemlich erschüttert.

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