Das Rettungsschiffs "Aquarius" der Ärzte ohne Grenzen hatte Ende Juni ein Baby von einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet. Foto: Lena Klimkeit/dpap

Nach Drohung Ärzte ohne Grenzen setzt Flüchtlingsrettung im Mittelmeer aus

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Die Hilfsorganisation beklagt ein "zunehmend feindliches Umfeld" für die Rettungseinsätze zwischen Libyen und Europa - und sieht sich durch die libysche Küstenwache bedroht.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen will vorerst keine Such- und Rettungseinsätze für Geflüchtete im Mittelmeer mehr fahren. Die zentrale Seenotrettungsleitstelle in Rom (MRCC) habe die Hilfsorganisation vor Sicherheitsrisiken in Verbindung mit Drohungen der libyschen Küstenwache gewarnt, die sich gegen die Schiffe humanitärer Organisationen in internationalen Gewässern vor der Küste des Bürgerkriegslands richteten, teilte Ärzte ohne Grenzen am Samstag mit. Die Organisation bezog sich auf Berichte, denen zufolge libysche Behörden eine eigene Such- und Rettungszone (SAR-Zone) einrichten wollen, die für NGOs Zugang in die internationalen Gewässer beschränken würde.

„Wenn sich diese Ankündigungen bestätigen und die Anweisungen in die Tat umgesetzt werden, kann das aus unserer Sicht zwei gravierende Folgen haben - es wird mehr Tote im Mittelmeer geben und mehr Menschen, die in Libyen gefangen sind“, hieß es in der Mitteilung. Die jüngst beschlossene italienische Marine-Operation zur Unterstützung der libyschen Küstenwache sei ein weiteres „besorgniserregendes Element in einem zunehmend feindseligen Umfeld für lebensrettende Einsätze“. Ärzte ohne Grenzen warf den europäischen Staaten vor, gemeinsam mit libyschen Behörden Migranten davon abzuhalten, einen Weg in die Sicherheit zu finden. Ärzte ohne Grenzen war bislang mit dem Schiff „Vos Prudence“ im Einsatz auf dem Mittelmeer.

Ein Team der Organisation soll weiterhin an Bord des Rettungsschiffs „Aquarius“ von SOS Méditerranée zur medizinischen Versorgung von Geretteten bleiben. (dpa)



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