Die neue Partei soll Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes heißen. Foto: dpap

Kolumbien Farc-Rebellen wollen nur noch mit Worten kämpfen

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Mehr als 220.000 Menschen starben im Konflikt in Kolumbien. Jetzt wollen die ehemaligen Aufständischen ihre Ziele politisch durchsetzen.

Die frühere kolumbianische Guerillaorganisation Farc betritt die politische Bühne. Nach über einem halben Jahrhundert im Untergrund stellen die Rebellen am Freitag in der Hauptstadt Bogotá ihre neue Partei vor. Künftig wollen die einstigen Aufständischen auf legalem Weg für ihre Ziele wie eine gerechtere Landverteilung eintreten. „Nur noch Worte werden unsere Waffen sein“, sagte Farc-Kommandeur Rodrigo Londoño alias „Timochenko“ kürzlich.

Die neue Partei in Kolumbien soll Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común (Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes) heißen. Darauf einigten sich die Delegierten des Gründungskongresses am Donnerstag. Damit behalten die Rebellen die Abkürzung Farc bei, die sie bereits während des bewaffneten Kampfs als Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) führten.

„Wir werden für Frieden und soziale Gerechtigkeit eintreten“, sagte Londoño. Den ehemaligen Rebellen sind in den kommenden zwei Legislaturperioden jeweils fünf Sitze im Senat und in der Abgeordnetenkammer garantiert. Ab 2026 müssen sie ihre Sitze regulär bei den Wahlen erringen. Fraglich ist, ob die Kolumbianer die Gräueltaten den Guerilla vergessen und sie als politische Kraft akzeptieren werden. Vor allem in den Städten können die Farc bislang kaum mit Unterstützung rechnen.

2016 wurde der Friedensvertrag unterzeichnet

„Wenn sie sich als breite, inklusive Partei aufstellen, die an die Zukunft, die städtische Bevölkerung und politische Bündnisse denkt, könnten sie sich in eine bedeutende Kraft verwandeln“, sagt der Ex-Guerillero und politische Analyst León Valencia.

Seit Mitte der 1960er Jahre kämpften die Farc gegen die staatlichen Sicherheitskräfte und rechte Paramilitärs. Mehr als 220.000 Menschen kamen in dem blutigen Konflikt ums Leben. Nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags mit der Regierung im vergangenen Jahr legten sie ihre Waffen nieder.

„Das Ziel unserer Partei wird sein, jenen eine Stimme zu geben, die nicht gehört werden, jenen, die in der traditionellen Politik nur auf taube Ohren stoßen“, sagte Londoño. Sorge bereitet den Farc vor allem die Sicherheit ihrer Mitglieder. Nachdem die rund 6800 Kämpfer den Vereinten Nationen ihre Waffen übergeben haben, befürchten sie Angriffe krimineller Banden und Paramilitärs.

Die Farc hatten den den 1980er Jahren bereits einmal eine Partei gegründet. Rund 5000 Mitglieder der Unión Patriótica (UP) wurden damals getötet, darunter zwei Präsidentschaftskandidaten, acht Kongressabgeordnete sowie Dutzende Gemeinderäte und Bürgermeister. (dpa)

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