Al Gore auf dem Weg zur Europa-Premiere seines Films „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“. Foto: Jörg Carstensen, AFPp

Klimaschutz Al Gore rettet immer noch die Welt

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Der frühere US-Vizepräsident hat sein Leben dem Kampf gegen den Klimawandel gewidmet. Im September kommt eine neue Dokumentation über die Gefahren der Erderwärmung ins Kino.

Al Gore ist grau geworden und ein bisschen kurzatmig. Aber es ist immer noch auf seiner Mission, die Erde vor dem Klimawandel zu retten. Zehn Jahre nach dem Welterfolg seiner Doku „Eine unbequeme Wahrheit“ bringt er im September einen zweiten Teil heraus. „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ ist wieder eine gelungene Mischung aus Predigt und Unterhaltung. Der Film fasst das Wissen über den Klimawandel mit leichter Hand zusammen und setzt ganz auf seinen Protagonisten Al Gore.

Schon als junger Kongressabgeordneter für Tennessee hielt Gore flammende Reden, in denen er vor den Folgen der Erderwärmung warnte. Er schrieb einen Bestseller zu dem Thema und gründete als Vizepräsident der USA unter Bill Clinton ein internationales Programm zur Umwelterziehung. 2007 bekam er für diesen langjährigen Einsatz zusammen mit dem Weltklimarat IPCC den Friedensnobelpreis.

Zielscheibe der Öl-Lobby

Damit wurde er zur Zielscheibe der mächtigen Öl-Lobby und den von ihr finanzierten Leugnern des Klimawandels in den USA. „Niemand wurde mehr für seine Bemühungen geschmäht, die Gefahren des Klimawandels zu kommunizieren, als Al Gore“, schreibt der Klimaforscher Michael Mann in seiner Besprechung des neuen Films im Magazin „Nature“.

Auch zum Filmstart kommen wieder Vorwürfe hoch, Gore sei ein Heuchler, weil er mit seinem persönlichen Lebensstil zu viele Ressourcen verbrauche. Veröffentlicht wurden sie diesmal vom National Center for Public Policy Research. Der Think Tank wird von mehreren Stiftungen finanziert, allen voran der Carthage Foundation des Milliardärs Richard Mellon Scaife, der sein Geld mit Öl und Aluminium gemacht hat.

„Eigentlich fühle ich mich durch diese Attacken geehrt“, sagte Gore bei der Vorstellung des Films in Berlin. „Es ist ja nichts Neues, dass man den Boten beschimpft, wenn man die Botschaft nicht hören will.“ In seiner Zeit im politischen System habe er sich dagegen ein dickes Fell zugelegt.

In vielem vorbildlich

Was seine Rolle als Vorbild angeht: Al Gore isst vegan, fährt einen Tesla, hat seine Farm mit Hunderten von Solarpaneelen bestückt und dort 16000 Bäume gepflanzt. Seine Flugreisen gleicht er doppelt durch Zahlungen an Kompensationsprojekte aus, die mit dem Geld in CO2- Minderung investieren.

Eine Genugtuung muss es für Gore gewesen sein, dass sich eine Prognose aus dem ersten Film erfüllte, die bei Erscheinen als schreckliche Übertreibung kritisiert wurde. Gore hatte gewarnt, dass die Baustelle des Museums am früheren World Trade Center in New York geflutet werden könnte. Genau das passierte beim Supersturm Sandy. Die Szene ist natürlich im neuen Film zu sehen.

Trotzdem ist auch Al Gore kein Heiliger. Da ist die Koketterie, die er mit seinem Alter treibt – er ist jetzt 69 –, und die Eitelkeit, die da im Spiel ist. Schließlich sah Al Gore mal verdammt gut aus, in jungen Jahren wie der Superman-Darsteller Christopher Reeve.

Zu langsames Umdenken

Auch im aktuellen Film wird Gore als Held inszeniert, der die Klimakonferenz in Paris quasi im Alleingang rettet. Nur ein paar Anrufe, so scheint es, muss der gut vernetzte Elder Statesman tätigen, dann ist die große Photovoltaikfirma Solarcity bereit, Indien kostenlos die Patente für ihre Module zu überlassen. Präsident Modi gibt seinen Widerstand gegen das Abkommen auf und schon fällt der Hammer für den Beschluss. So einfach war es natürlich nicht und dass der Film es suggeriert, ist einer seiner wenigen Schwächen.

Al Gores Verzweiflung über das viel zu langsame Umschwenken der Weltgemeinschaft aber nimmt man ihm ab. „Oft habe ich es als persönliches Versagen empfunden, dass immer noch nicht schnell genug gegen den Klimawandel gehandelt wird“, sagt er im Film.

Sein Verdienst bleibt der erfolgreiche Weckruf mit den Mitteln des Hollywoodkinos. Die eigene Rolle aber spielt Al Gore herunter. „Mutter Natur besitzt eine viel stärkere Stimme und hat den Menschen durch Dürren, Starkregen und den steigenden Meeresspiegel die Augen geöffnet. Ehre gebührt auch den Entwicklern und Ingenieuren, die Sonnen- und Windenergie preiswerter als fossile Energien gemacht haben“, sagte Gore.

Am Ende wird es wohl dieses ökonomische Argument gewesen sein, dass am stärksten gegen den Klimawandel gewirkt hat.

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