Dem Internetaktivisten Jacob Appelbaum werden Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Foto: dpap

Internetaktivist Jacob Appelbaum Zweifel an Vergewaltigungsvorwurf

Christian Fuchs
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Dem Internetaktivisten Jacob Appelbaum werden Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorgeworfen - doch Zeugen verstricken sich in Widersprüche. Jetzt hat sich erstmals Appelbaum dazu geäußert.

Dem amerikanischen Internetaktivisten Jacob Appelbaum werden Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Doch nun werden Widersprüche bekannt: Recherchen der Wochenzeitung "Die Zeit" zeigen, dass es starke Zweifel daran gibt, ob die Vorwürfe zutreffen.

Ein angebliches Opfer mit dem Pseudonym River hatte vor einigen Wochen behauptet, der Hacker Jacob Appelbaum habe gegen ihren Willen Sex mit ihr in seiner Berliner Wohnung gehabt, während sie bewusstlos war. Die "Zeit" hat die Anklägerin ausfindig gemacht und mit acht Augenzeugen jener Tage und Nächte im Januar 2016 gesprochen, in denen die Tat passiert sein soll. Die Zeugen können weder bestätigen, dass River betäubt gewesen war, noch dass nicht-einvernehmlicher Sex stattgefunden habe.

Erstmals äußert sich nun auch Jacob Appelbaum in einem Interview zu den Vorwürfen. Er habe als Führungspersönlichkeit versagt, viele Fehler begangen und Menschen verletzt, sagte er der "Zeit". Die Aussage von River sei jedoch frei erfunden. "Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Sex mit jemandem, der bewusstlos war." Das angebliche Opfer wollte sich dazu nicht äußern.

Anfang Juni 2016 veröffentlichten Unbekannte eine Webseite mit mehreren konkreten Fällen, in denen sie Jacob Appelbaum anonym vorwarfen, von ihm sexuell, emotional und körperlich missbraucht wurden zu sein. Auch Rivers Geschichte erschien auf dieser Seite.

Eine andere, dort als Opfer aufgeführte Person wirft den Machern der Anschuldigungswebseite nun vor, ihre Erlebnisse mit Jacob Appelbaum gegen ihren Willen stark manipuliert und veröffentlicht zu haben. "Ich bin kein Opfer von Jacob Appelbaum", sagte sie der "Zeit". Kurz nach Veröffentlichung mussten die Seiten-Betreiber ihren Fall wieder löschen.

"Sexuell aggressives Verhalten"

Jacob Appelbaum war Entwickler und bekanntester Mitarbeiter des Anonymisierungsnetzwerks Tor (The Onion Router). Als die Vorwürfe gegen ihn bekannt wurden, trennte sich das Tor-Projekt von ihm. Eine Tor-interne Untersuchung der Vorfälle kam vor zwei Wochen zu dem Ergebnis, einige Personen hätten "unerwünschtes, sexuell aggressives Verhalten" durch Appelbaum erlebt. Eine Vergewaltigung wurde nicht erwähnt. Bisher sind weder Anzeigen von Opfern, noch Ermittlungen von Polizei oder Staatsanwaltschaft gegen Appelbaum bekannt.

Neben Edward Snowden und Julian Assange gehört Applebaum zu den prominentesten Datenschutz- und Anti-Überwachungsaktivisten weltweit. Zusammen mit Journalisten des "Spiegel" hatte er vor drei Jahren aufgedeckt, wie die NSA das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abhörte. Appelbaum lebt im Exil in Berlin.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Zeit Online.

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