Revolutionsführer in olivgrüner Uniform: So kannten die Kubaner, so kannte die Welt Fidel Castro. Foto: Juan Mabromata/AFPp

Fidel Castro Verehrt und gehasst

Volker Skierka
81 Kommentare

Er hat Mordanschläge überlebt. Er war ein erklärter Gegner der USA. Er regierte fast 50 Jahre lang. Und er war ein Despot. Nun ist Fidel Castro mit 90 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Es gibt eine Anekdote aus Fidel Castros Leben, die mehr als jede andere verdeutlicht, um was für einen Mann es sich handelte. 1995 fährt Castro nach einer Rede vor der UN in den New Yorker Stadtteil Harlem. Die abessinisch-baptistische Gemeinde hat ihn eingeladen, berühmt für ihren Kampf um die Rechte der Schwarzen. Seine Rede in der kleinen Kirche beginnt Castro mit einer Erinnerung: Wie er vor 35 Jahren schon einmal hier stand. Damals als junger Führer der kubanischen Revolution in Stiefeln und Kampfmontur. Und dass ihn der US-Präsident schon damals wie einen Aussätzigen behandelt habe. "Warum", ruft er unter stürmischem Beifall, "sollte ich heute einen Businessanzug tragen?" In der olivgrünen Kampfkleidung fühle er sich wohl. Seit dem Sieg der Revolution trage er nichts anderes mehr.

Uniform und Kampfstiefel! So trat Castro noch jahrzehntelang auf (bevor er zuletzt Trainingsanzüge von Adidas und Puma bevorzugte). Und das obwohl er da schon elf US-Präsidenten kommen und gehen gesehen hatte - und sein Bruder Raúl Verhandlungen mit den USA einfädelte, was Fidel nie konnte oder wollte, weil es bedeutet hätte, nachzugeben. Am Freitagabend ist der Mann, der die Geschicke des sozialistischen Karibikstaates jahrzehntelang lenkte, im Alter von 90 Jahren gestorben. Sein Bruder Raul verkündete die Nachricht im Staatsfernsehen. „Liebes kubanisches Volk. Mit tiefer Trauer informiere ich unser Volk und unsere Freunde in Amerika und aller Welt, dass heute - am 25. November 2016 - um 22:29 Uhr am Abend der Kommandeur der kubanischen Revolution, Fidel Castro Ruz, gestorben ist“, sagt der kubanische Präsident. Er schloss mit den Worten: "Immer bis zum Sieg."

Das passt zum Leben von Fidel Castro. Er war immer im Kampf, immer wachsam. War einer, der nicht verlieren konnte, alles kontrollieren musste und keinen Widerspruch duldete. Er ließ seine Gegner beseitigen, selbst wenn es Freunde waren, denn die Revolution war wichtiger als die Menschlichkeit. Er kannte die Zuckerernte Kubas aufs Gramm genau, denn wer sonst sollte sich darum kümmern? Schon als Junge lernte Castro Geschichtsbücher auswendig und drohte seinen Eltern, den Hof anzustecken, wenn sie ihn nicht wieder auf die Schule schickten, von der er wegen Aufmüpfigkeit geflogen war. Sie taten es!

Rebellischer Charakter

Das 20. Jahrhundert wäre ohne den Willen Castros anders gelaufen, und es wäre ein ärmeres Jahrhundert geworden. Ärmer an Konflikten, ärmer an Alternativen, ärmer an Geschichte. Wenn etwas bleibt von diesem bärtigen, fast zwei Meter großen Unbeugsamen, der als 27-Jähriger vor einem Gericht erklärte "verurteilt mich, es ist egal, die Geschichte wird mich freisprechen", dann der Beweis, dass selbst ein armes Land seinen Bewohnern Gesundheit, Bildung und Sicherheit geben kann. Das gelang trotz Anschlägen und Sabotageakten und eines 55 Jahre dauernden Wirtschaftsembargos der USA, der mächtigsten Nation der Welt.

Um das anzuerkennen, muss man kein Sozialist sein. Dazu genügt der Blick in alle Nachbarländer Kubas: geplagt von Ungleichheit, Gewalt, scheiternden Institutionen, kleptomanischen Eliten, Pseudodemokratie und Drogenkartellen. Für diese Errungenschaften wird Castro bis heute von den einen verehrt - und für die Errichtung einer Diktatur von den anderen gehasst. Keiner aber würde bestreiten, dass sein Leben dem eines Romanhelden glich.

Dieser Fidel Castro wird am 13. August 1926 auf der Finca Manacas im landschaftlich schönen und wilden Osten Kubas als drittes außereheliches Kind des Großgrundbesitzers Ángel Castro und seiner Köchin Lina geboren. Insgesamt hat Fidel acht Geschwister, man wächst in einfachen Verhältnissen auf, die Eltern sind Analphabeten. Und dies obwohl der Vater, ein Immigrant aus Spanien, sich hochgearbeitet hat und 1000 haitianische Arbeiter auf 10.000 Hektar Land beschäftigt.

Der junge Fidel ist früh interessiert an der Welt und ungewöhnlich durchsetzungsfähig. Seine Intelligenz paart sich mit körperlicher Fitness, er reitet, jagt und spielt Baseball. Die Eltern schicken Castro auf eine katholische Schule nach Santiago, wo er wegen seiner "illegitimen" Herkunft und späten Taufe als "Jude" verspottet wird. Vielleicht ist es diese Erfahrung, die seinen rebellischen Charakter gedeihen lässt. Einmal erwidert er die Ohrfeige eines Lehrers, was den Rausschmiss zur Folge hat. Seine Mutter erwirkt, dass er bleiben darf. Zu ihr hat er ein gutes Verhältnis, ganz anders als zum Vater, einem galicischen Quadratschädel, dem er zu ähnlich ist. Einmal organisiert Fidel in jugendlicher Wut sogar einen Streik der väterlichen Landarbeiter.

Geprägt von den Jesuiten

Schließlich besucht Castro in Havanna das Jesuitenkolleg Belén. Es ist die angesehenste Schule Kubas, Kaderschmiede der Oberschicht. Und prägend für Castro. Die Jesuiten hätten Geradlinigkeit, Mut und Opferbereitschaft geschätzt, erzählt Castro später. Und das sind auch seine Eigenschaften. Nicht umsonst sagen die Padres Castro eine glänzende, ja historische Zukunft voraus, staunen über sein Gedächtnis, sind begeistert von seinem Redetalent. Die Jesuiten bringen ihm José Marti näher, den kubanischen Poeten und Freiheitshelden des 19. Jahrhunderts, der gegen die spanischen Kolonialherren kämpfte. Damals spürt er wohl schon seine Berufung. Er soll Martís Erbe antreten und Kuba nun von den US-Amerikanern befreien, die Insel muss endlich souverän werden.

Dank seines Charisma wird Castro zum Studentenführer, er promoviert in Jura, eröffnet eine Anwaltskanzlei und tritt als Kandidat bei den Parlamentswahlen 1952 an. Doch kurz davor putscht sich der Militär Fulgencio Batista an die Macht und verwandelt Kuba ins El Dorado des organisierten Verbrechens. Havanna wird zur zweiten Heimat der US-Mafia, die Stadt gleicht einem riesigen Casino und Bordell. Doch während die Elite spielt, hurt und stiehlt, lebt die einfache Bevölkerung in Armut, gerade auf dem Land. Wer sich dagegen wehrt, den lässt Batista foltern und ermorden, die Leichen seiner Gegner werden auf die Straße geworfen, zur Abschreckung.

Fidel Castro fürchtet sich nicht - er hat eine Philosophiestudentin aus einflussreichem Hause geheiratet - und verklagt Batista wegen Verfassungsbruch. Doch Castro scheitert und glaubt nun, dass die Probleme Kubas nicht mehr friedlich zu lösen seien, sondern nur durch eine Revolution. Es sind diese Umstände, die den Revolutionär gebären, es ist die Unfähigkeit des alten Systems zum Wandel.

Castro (Mitte) führte den Guerillakampf gegen das Batista Regime an, der 1959 zum Sturz des kubanischen Diktators führte. Foto: dpap

Vieles, was nun folgt, hat Fidel Castro zur Legende gemacht: Mit 115 Mann will er die Moncada-Kaserne in Santiago stürmen, wird festgenommen, verurteilt, bildet sich im Gefängnis weiter. Er liest viel manchmal 14 Stunden am Tag. Er und sein Bruder Raúl werden amnestiert, gehen ins Exil nach Mexiko, scharen neue Gefährten um sich, unter ihnen der argentinische Arzt Ernesto "Che" Guevara. 1956 schließlich kehren sie auf der überladenen Motorjacht Granma nach Kuba zurück. Diese Landung endet im Desaster. Die Revolutionäre werden von Batistas Soldaten erwartet, Castro verliert drei Viertel seiner Männer. Der Rest der Truppe, gerade 21 Mann, kommt in den unwegsamen Bergen der Sierra Maestra wieder zusammen. Castro sagt voraus: "Nun werden wir siegen!" Und alle halten ihn für verrückt. Castro stört das nicht. In kürzester Zeit baut er eine neue Guerillatruppe auf, hat Zulauf von Hunderten junger kubanischer Männer und Frauen.

Das PR-Genie

Damals erkennt Castro auch, wie wichtig die Medien sind, wenn man politisch und militärisch erfolgreich sein will. Er lernt Englisch und kann dem amerikanischen Reporter Herbert Matthews, der sich zu den Guerilleros in den Dschungel durchschlägt, in dessen Sprache antworten. Zu dem Moment befehligt er zwar nur eine Handvoll Kämpfer, doch das Interview, das in der "New York Times" erscheint, hat größere Durchschlagskraft als eine ganze Armee. Es macht Castro sofort außerhalb Kubas berühmt. Castros einstiger Gefährte Norberto Fuentes, er lebt heute im Exil in Miami, nennt Castro auch deshalb ein PR-Genie. Er habe die Revolution verkauft wie die Amerikaner ihre Coca-Cola.

Nur zwei Jahre nach der Landung der Granma rücken Castros Rebellen schon auf Havanna vor. Noch bevor "los barbudos", die Bärtigen, wie sie genannt werden, die Hauptstadt erreichen, flieht Diktator Batista mit der Staatskasse in die Dominikanische Republik.

Castros Einzug in Havanna ist triumphal, und als sich während seiner Siegesrede eine weiße Taube auf seine Schulter setzt und dort verharrt, glauben nicht nur religiöse Kubaner an eine Vorbestimmung, einen Wink höherer Mächte. Kurz darauf bricht Castro das erste seiner vielen Versprechen. Er wird Premierminister Kubas, obwohl er angeblich kein Staatsamt angestrebt habe. Auch die demokratische Verfassung von 1940 wird er nicht wiedereinsetzen. Auch freie Wahlen gibt es nicht. Es passt zu Castro, dass ihn das nie belastet hat. Man habe eben eine bessere Form der Demokratie gefunden, wird er viele Jahre später sagen.

Eine weitere Ausrede liefert ihm Washington, das ihn sogleich als Feind identifiziert. Als Fidel Castro vier Monate nach der Revolution die USA besucht, wird er von Tausenden Amerikanern begeistert empfangen. Aber Präsident Eisenhower lehnt ein Treffen ab, schickt seinen Vize Richard Nixon. Dieser empfiehlt anschließend: "Stürzen!" Schon zuvor hatte Eisenhower Pläne der CIA abgesegnet, die Castro-Brüder und Che Guevara zu töten.

Es scheint in Washington irrelevant zu sein, dass Castro ideologisch noch gar nicht festgelegt ist, er sich am ehesten als linksbürgerlicher Nationalist bezeichnen ließe. Er ordnet eine dringend benötigte Agrarreform an, bei der auch die Hacienda seiner Familie enteignet wird und lässt 550 Kollaborateure des Batista-Regimes hinrichten. Das geht den USA schon zu weit. Ein US-Gesandter in Kuba wird das Verhalten der USA später als "psychotisch" bezeichnen: In Washington sei man unfähig gewesen, rational mit Castro umzugehen.

"Schlaf ist Zeitverschwendung"

Als noch mehr Enteignungen folgen, auch die von US-Unternehmen, eskaliert die Situation zwischen den so ungleichen Nachbarn. Ende 1960 verhängt US-Präsident Kennedy ein Embargo gegen Kuba, die Insel soll wie bei einer Belagerung niedergezwungen werden. Doch Castro ist keiner, der sich zwingen lässt, zumal er keinen Sinn für die konkreten Bedürfnisse anderer Menschen hat. Er selbst schont sich nicht und behauptet: "Schlaf ist Zeitverschwendung." 20-Stunden-Tage werden ihm nachgesagt, seine Reden dauern stundenlang, essend sieht man ihn so gut wie nie. Lediglich Zigarre raucht er, ein Laster, das er 1985 beendet, als seine Ärzte ihm dazu raten und er eine Kampagne gegen das Rauchen einläutet - die auf Kuba freilich wenig Erfolg hat.

Als die Amerikaner 1961 die Invasion in der Schweinebucht organisieren, ruft Castro schließlich den Sozialismus auf Kuba aus und sucht die Nähe zu den Sowjets. Denen geht das zunächst zu schnell, wie aus ostdeutschen und sowjetischen Dokumenten hervorgeht. Die alten Männer in Moskau misstrauen diesem Castro, in ihren Augen ein Abenteurer und Hasardeur. Doch den strategischen Brückenkopf in der Karibik wollen sie nicht ablehnen.

Der Preis dafür ist hoch. Drei Jahrzehnte lang päppeln die Sowjets Kuba mit Waffen, Konsumgütern und üppigen Krediten. In Geheimberichten von DDR-Diplomaten liest man, wie genervt die Sowjets von Castros Regierungsstil in "Partisanenmanier" gewesen seien. So habe er drei Wochen lang gegen Sowjetführer Nikita Chruschtschow gewütet, weil der "Hurensohn" sich 1962 mit Kennedy über den Abzug der sowjetischen Atomraketen aus Kuba verständigt hatte. Dabei hatte Castro doch für den Fall einer amerikanischen Invasion den atomaren Erstschlag empfohlen. Offenbar hielt Castro sich für unverwundbar. Einem Reporter sagte er: "Ich trage keine schusssichere Weste. Ich trage eine moralische Weste. Sie ist sehr stark."

Sozialistische Propaganda: Bilder von Fidel Castro gehören bis heute zum Straßenbild in Havanna. Foto: imago/imagebrokerp

In den Sechzigern avanciert Castro zum Liebling der europäischen Intellektuellen. "Hinter jedem seiner Sätze stehen Berge von Gold", schwärmte der französische Philosoph Jean-Paul Sartre. Doch das war ein Missverständnis. Castro entpuppt sich als humorlos, als einer, der Zweifel nicht ertragen kann, Ironie und Satire verachtet. Der lange Zeigefinger, den Castro bei seinen Reden ständig hebt, wird zum Sinnbild seiner Strenge, seines Starrsinns.

Kubas Sicherheitsapparat erstickt in jener Zeit auch das Kulturleben der Insel mit Hilfe von Blockwarten. Wer Kritik wagt, fällt in Ungnade; wer Opposition riskiert, wandert ins Gefängnis oder muss Kuba verlassen. Castros "Worte an die Intellektuellen" fallen wie ein bleierne Weste über das Land: "Innerhalb der Revolution alles, gegen die Revolution nichts." Millionen Kubaner gehen ins Exil, darunter alte Revolutionäre, Künstler, Homosexuelle. Ein weiteres Diktum Castros, nicht weniger autoritär, lautet: "Sozialismus oder Tod!" Er meint das wörtlich.

1975 schickt Kuba Zehntausende Soldaten in den angolanischen Befreiungskampf gegen Südafrika. Tausende sterben, aber sie tragen maßgeblich zum Niedergang des südafrikanischen Apartheid-Regimes bei. Dafür war Nelson Mandela Castro unendlich dankbar. Ohnehin liest sich die Freundesliste Castros erstaunlich für einen Diktator: Harry Belafonte, Jack Lemmon, Diego Maradona, Oliver Stone, Alice Walker.

Mit dem Schriftsteller Ernest Hemingway, der seit 1940 eine Villa in Havanna besaß, traf Castro nur ein Mal zusammen. Die beiden nahmen an einem Wettangeln teil, das selbstverständlich Castro gewann. Als Hemingway ihm die Siegertrophäe überreichte, sagte Castro: "Ich bin Anfänger." Hemingway antworte: "Ein glücklicher Anfänger." Das Verhältnis zwischen beiden bleibt distanziert, Hemingway zeigt wenig Interesse an der Revolution.

Emotionale Armut

Ganz anders der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, der einer der engsten Vertrauten Castros wird. García Márquez schreibt über Castro: "Er ist einer der größten Idealisten unserer Zeit, und dies mag vielleicht seine größte Tugend sein, obwohl es auch seine größte Gefährdung ist." Denn Castros Idealen haben sich alle unterzuordnen, sogar seine Freunde. 1989 lässt er einen alten Weggefährten, General Arnaldo Ochoa, hinrichten. Man vermutet, dass die Castro-Brüder einen Rivalen entfernen wollten. Eine Hierarchie, die er nicht selbst anführt, gibt es für Castro nicht.

Woher kommt diese emotionale Armut? Dass Fidel seine Kindheit und Jugend fern von zu Hause verbrachte, kaum elterliche Liebe erfuhr? Vieles kann man nur mutmaßen, über sein Privatleben spricht Castro aus Prinzip nicht. Er hat einen Sohn aus erster Ehe, fünf Söhne aus zweiter Ehe sowie zwei Töchter aus Seitensprüngen. Wirklich verheiratet aber war er nur mit seiner Revolution, die er selbst noch bewahrt, als Kuba in den 1990ern ohne Verbündete am Rande des Abgrunds steht.

2003 gibt Castro den Kubanern dann ein Versprechen: "Ich werde bei euch sein, solange ich nützlich bin und solange die Natur sich nicht anders entscheidet." Diesmal hält er seine Zusage. Im Wissen, dass sein plötzlicher Tod ein Machtvakuum schaffen würde, überlässt er - offenbar nach einer Krebsdiagnose - seinem Bruder Raúl 2008 die Geschäfte. Castro erweist sich als klüger als andere Autokraten, weiß, dass die Revolution nur durch eine geordnete Transformation bewahrt werden kann.

Raúl Castro hat Kuba sofort geöffnet, Kritik ermutigt, privatwirtschaftliches Engagement auf geringem Niveau zugelassen, sich den USA genähert. Und so ist Kuba heute ein Zwitterwesen aus sozialistischer Rhetorik und kapitalistischen Experimenten. Ein Land, in dem Fahrradtaxifahrer mehr verdienen als Uni-Professoren; in dem es Prostitution offiziell nicht gibt, die Mädchen sich aber den Touristen an den Hals schmeißen. Ohne Presse- aber mit zarter Meinungsfreiheit. Fidel Castro hat Kuba soziale Errungenschaften geschenkt: Wie viele andere Länder exportieren Ärzte? Aber den jungen Kubanern reicht das nicht. Sie wollen ihre Leben selbst in die Hand nehmen. Und selbst Fidel Castro erklärte 2010: „Das kubanische Modell funktioniert nicht mal mehr für uns.“

Aussöhnung? Nicht mit ihm

Doch der Aussöhnung mit den USA unter Präsident Barack Obama und der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen stand der "Maximo Lider" skeptisch gegenüber. So machte sich Castro - ganz der alte Kämpfer - Ende März und wenige Tage nach Obamas historischen Besuch auf Kuba über dessen "sirupsüße Worte" lustig. Und erklärte, die Insel brauche "keine Geschenke".

Was wird der Tod Fidel Castros verändern? Er wird große Trauerveranstaltungen geben und Castro zum Nationalheld werden - so wie sein großer Inspirator, der Volksheld José Martí. Aber es ist unwahrscheinlich, dass das System kollabiert. Fidels lange unterschätzter Bruder Rául, der sich 2018 nicht noch einmal zum Präsident wählen lassen will, hat eine Transformation eingeleitet, die nicht mehr rückgängig zu machen sein wird. Sie bietet ein Ventil. US-amerikanische Investoren stehen nach der Annäherung der beiden Länder Schlange. Brasilianer, Chinesen und Russen sind schon seit Jahren auf Kuba präsent, unterhalten Handelsbeziehungen, bauen beispielsweise Häfen. Und sollte die riesige zerfallene Altstadt Havannas wie geplant renoviert werden, würde sie zu einem der stärksten Touristenmagneten des amerikanischen Kontinents.

Viele tausende Mal ist Fidel Castro schon für tot erklärt worden. Mehr als 640 Mal soll die CIA versucht haben, ihm zu ermorden. Sein Geheimdienst will die Attentate per explodierender Zigarre, eifersüchtiger Geliebter und vergiftetem Taucheranzug gezählt haben. Doch erst jetzt ist Fidel Castro gestorben, friedlich wie es heißt. Auch dies kann man als Sieg eines Mannes begreifen, der nicht verlieren konnte.

Zur Startseite