Die Grünen nahmen die Wahlkampagne der FDP aufs Korn. Foto: dpap

FDP-Chef Christian LindnerDer Mann, der übers Wasser wandelt

von Bernd Matthies35 Kommentare

Alles Lindner oder was? Wenn es derart lindnert in der Öffentlichkeit, dann darf man sich darüber lustig machen. Eine Glosse.

Ach, wird das etwa mal ein lustiger Wahlkampf? Mit originellen Ideen? Zank und Streit über politische Fragen? Jedenfalls haben die Grünen, ausgerechnet, jetzt einen Vorstoß riskiert und den Personenkult der FDP-Kampagne per Twitter aufs Korn genommen. Eins dieser nachgemachten Plakate in aktueller freidemokratischer Optik zeigt eine unscharf dargebotene Textwüste als angebliches "Wahlprogramm der FDP", eingeblendet ist eine Lupe, die den Inhalt klärt: "...stian Lindner, Christian Lindner, Christi..." Der FDP-Chef selbst kommt ebenfalls mit einer Aussage zu Wort: "Freie Fahrt für freie Porsche-Fahrer? Eigentlich wollte ich nie was anderes."

Ja, gut. Das liest sich wie ein Stück Routinekabarett aus einer deutschen TV-Anstalt, aber das heißt nicht, dass es nicht irgend jemand ernst nimmt. Jakob Augstein, anerkannter Oberchecker zum Beispiel, hat gleich getwittert, "Ist das so postmodern-ironisch, dass ich es nicht checke? Oder einfach die FDP, so wie man sie kennt?" Die Partei selbst hat eher milde reagiert, hat über eine angebliche Urheberrechtsverletzung und unfairen Wahlkampf gemurrt. Und sich wohl nun mit sich selbst darauf verständigt, dass es nicht schaden kann, wenn auch der Gegner die Bekanntheit Lindners mehrt.

Ein bisschen Satire würzt den Wahlkampf

Aber mal unabhängig von politischen Positionen: Wenn es derart lindnert in der Öffentlichkeit, wenn der smarte Vorsitzende mit Dreitagebart und Unterhemd posiert und insgesamt den Eindruck erweckt, er könne Rhein und Spree jederzeit ohne Brücke zu Fuß überqueren, begleitet allenfalls von Wolfgang Kubicki, dann macht er sich angreifbar, nicht wahr? Und dann ist es das gute Recht der anderen, sich darüber lustig zu machen. Ob nun allerdings ausgerechnet die Grünen mit ihrer hochnotpeinlichen Selbstverpflichtung zum fairen Wahlkampf damit anfangen sollten, ist eine andere Frage.

Twitter ist in seiner flüchtigen Art wohl das richtige Medium für derlei Späße – echt gefälschte Plakate dürften zu aufwendig sein und die Sache wohl überdrehen. Aber ein bisschen Satire würzt den Wahlkampf sicher besser, als es öde Plakate tun, auf denen sich die Kandidaten unter allgemeinem Gähnen als sicher, sozial, gerecht bezeichnen, für unser Land antreten, keine Experimente versprechen oder sich gegenseitig die Slogans klauen. Am Ende gewinnt sowieso Angela Merkel, und dann können wir ja mal sehen, ob sie schneller übers Wasser wandelt – oder Christian Lindner.

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