Letzter Talk vor der Sommerpause: Maybritt Illner und ihre Gäste Foto: Screenshot ZDF
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TV-Talk "Maybrit Illner" zu G20 Katja Kipping bedauert Aussagen zu "marodierenden" Polizisten

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Einen Eklat wie bei Maischberger am Tag zuvor gab es nicht bei Maybrit Illner - obwohl auch G20 das Thema war. Die Linke Katja Kipping holte sich Beifall.

Nein, niemand musste während dieser Sendung das Studio unter Protest verlassen. Maybrit Illners letzte Talkshow vor der Sommerpause lief ab, wie es sich gehört im demokratischen deutschen Talk-Fernsehen: ab und zu ein bisschen lauter, aber immer mit Respekt.

Der politische Donnerstags-Talk hatte es etwas schwerer als Sandra Maischbergers Mittwochs-Talk, der es durch den Eklat um Wolfgang Bosbach, Jutta Ditfurth und die abrollende Aufregung um die G20-Unruhen so schön in die mediale Nachbereitung geschafft hatte.

Illner setzte, weil G20 in Hamburg und der "Linksextremismus" nun wirklich nichts mehr hergaben, auf G20, Europa und die  - ungelöste - Flüchtlingskrise, sozusagen die Nummer sicher unter den kontroversen Themen. Dennoch oder deshalb war von der angekündigten illustren Gästerunde nur die politische B-Klasse übrig geblieben.

Sigmar Gabriel, gerade so schön mittendrin in der medialen Analyse nach seiner Attacke auf die Frau Kabinettskollegin Merkel, ließ sich vom gerade wieder neu bestallten SPD-General Hubertus Heil vertreten; der lässt sich von Frau Illner so wenig aus der Ruhe bringen wie ein Panzer von einen Fahrrad oder vom Edmund-Stoiber-Ersatz Stephan Mayer. Der CSU-Mann redete in einem Tempo über die Agenda seiner Partei in der Flüchtlingspolitik, als ginge es um sein  politisches Überleben.

Worüber stritt man überhaupt? Schwer zu sagen. Über die großen Themen der deutschen Politik, über die Zukunft Europas, über die Moral in der Flüchtlingspolitik, über die gerechte Verteilung von Menschen, die es über das Mittelmeer von Libyen nach Europa schaffen, über die moralische Zuverlässigkeit von Menschen, die Flüchtlingen aus Libyen nach Europa verhelfen wollen, indem sie mit Booten bis kurz vor die libysche Küste fahren, dort Lichtsignale geben, um alsbald völlig seeuntaugliche Schlauchboote voller afrikanischer Migranten in Empfang zu nehmen und nach Italien zu bringen ...

Wie oft, Frau Illner, hatten Sie, hatten wir diese Themen schon?

Entschuldigung von Kipping

Staunenswert, immerhin, in dieser Runde, in der alles menschlich, moralisch und politisch Richtige noch einmal gesagt wurde, im Grunde von allen: der Beifall, den die Linken-Parteichefin Katja Kipping immer wieder erhielt.

Ganz am Anfang, als es noch um "Hamburg" und "G20" ging, hatte die souveräne junge Frau mit der lockeren Selbstbeherrschung gepunktet: Sie habe am Mittwoch noch vor dem Gipfel und vor den schweren Krawallen am Gipfelwochenende von marodierenden Polizei-Hundertschaften gesprochen - das wolle sie zurücknehmen. "Marodieren" sei analytisch falsch. Deshalb "bedauere" sie es "sehr", sich so ausgedrückt zu haben. Zudem betonte die Linken-Chefin, die deren Aussage auch unter Parteifreunden nicht nur auf Beifall gestoßen war, dass ihre Kritik an der Einsatzleitung nicht auf die Polizisten insgesamt gerichtet gewesen sei. Auch wenn aus ihrer Sicht die Einsatzleitung für "Eskalation" verantwortlich sei, gebe es "keine Rechtfertigung für Gewalt und Straftaten".

Für die restliche Dreiviertelstunde hatte Kipping bei Maybritt Illner eine Art Beifallsgarantie, zum Beispiel als sie über die weniger als mäßige Bereitschaft mittel- und osteuropäischer Staaten zur Aufnahme von Flüchtlingen sagte, für diese nicht aufnahmebereiten Länder müsse man eben "positive Anreize" setzen. Also noch mehr Geld aus Brüssel, um so etwas wie eine moralische Verpflichtung zu erleichtern? Beifall! Sei es drum. 

Maybrit Illner und  ihre Gäste waren von einem Flüchtlingskrisen-Lösungs-Workshop so weit entfernt wie eine Fernseh-Runde es nur sein kann. Erst recht im beginnenden Wahlkampf. So forderte Hubertus Heil im Sinne seiner SPD im Umgang mit den Flüchtlingen gleich Viererlei: ein großes Herz, sichere Grenzen, eine gemeinsam europäische Afrika-Strategie und die "Solidarität" anderer europäischer Staaten mit den Hauptaufnahmeländern Italien und Deutschland.

Und der CSU-Mann Mayer erinnerte - in sicherem Gefühl für den notwendigen Kontrast - daran, dass es in Deutschland 323.000 ausreisepflichtige ehemaligen Asylbewerber gebe. Man sieht sich in fünf Wochen, nach der Sommerpause.

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