Thomas Gottschalk bei der TV-Gala von RTL zu seinem 65. Geburtstag Foto: dpa/Jörg Carstensenp

TV-Geburtstagsfeier für Gottschalk Für den 70. Geburtstag kann noch intensiv nachgebessert werden.

Richard Weber
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Könnte eine TV-Party doch nur aus Moderationen bestehen! Aber so gab es bei der RTL-Gala "Herbstblond" zum 65. Geburtstag von Thomas Gottschalk viel grausame Langeweile. Immerhin konnte die Sendung fast 5,5 Millionen Zuschauer anziehen.

Geburtstagsfeiern im Fernsehen. Langweilige Selbstbeweihräucherung. Sogar „Hape Kerkeling: Keine Geburtstagsshow!“, ein 60-Minuten-Desaster. Ewige Verdammnis für die verantwortliche Showredaktion. Schlechte Voraussichten, schlimme Erwartungen. Gottschalk feiert seinen 65. Geburtstag bei RTL. Titel: „Herbstblond“. Thomas ist selbst skeptisch: „Was ich mir am allermeisten gewünscht habe, dass man mich nicht auf einen Thron festbindet. Und dann kommen Kinderchöre und dann muss ich mir zum hundertsten Mal irgendwelche Sendungen von vor 40 Jahren anschauen.“

Anders als das ZDF

Keine Angst Tommy. Das ZDF hätte das sicher so gemacht. RTL versucht immerhin einige Dinge anders zu machen. Statt Kinderchöre Otto Waalkes und die "Friesenjungs". Auf einem Thron kann man den „Großen Blonden“ nicht festbinden. Verbal eh nicht: „Ich mach ja nur noch betreute Moderation“, „Ich bin ein großer Verehrer von Dieter Bohlen, wenn man nicht gerade mit ihm zusammenarbeitet“, „Ich kann stundenlang reden und weiß nicht worüber“, „Unsere Ananas. Pflanze sie ein, vielleicht wird ein Obstsalat daraus“.

Moderatorin Barbara Schöneberger ist meistens so schlagfertig wie ein weiblicher Gottschalk: „Das haben wir auch gemeinsam. Inzwischen dauert bei uns das Haare machen länger als die eigentliche Show“, „Als man mir gesagt hat, willst du den Geburtstag von Gottschalk moderiere, dachte ich, da gehe ich hin. Da sind auf jeden Fall genug Lockenwickler da“, „Wir zeigen jetzt ein Best of Gottschalk-Filme. Guckt schnell, es dauert nur drei Sekunden“, „Du hast ja weiblichen Gästen gern das Knie getätschelt. Fast alle Frauen haben diese Delle. Die sogenannte Gottschalk-Delle“.

Müder Lache, peinliche Pflichterfüllung

Leider besteht die TV-Party nicht nur aus Moderationen. Unvermeidliche Gratulationen. Céline Dion, Cher, Heidi Klum, Mario Barth, Arnold Schwarzenegger. Meistens uninspiriert. Langweilig. Wie lästige Pflichterfüllung. Dazu Showeinlagen, Einspieler. Von grausam bis genial. Die Laudatio von Walter Freiwald, „Dschungelkönig der Herzen“. 66 Sekunden lang peinlich-peinigende Witzversuche. Bülent Ceylans Auftritt – sechseinhalb Minuten. Immerhin zwei müde Lacher.

Der verkleidete Günther Jauch tritt mit Status Quo auf. Hinweis, dann erkennt Gottschalk seinen alten Kumpel. „Wetten, dass …?“- Co-Moderatorin Michelle Hunziker muss ihr Kleid ausziehen, Lederkluft anziehen und dann auf Rockröhre machen. Figur ok, Stimme zum Steinerweichen dünn.

Besser, Michael „Bully“ Herbig als Reporter. Politiker wie Merkel, Obama, Sarkozy, Lindner, Clinton und Putin sollen bei der Birthday-Party mitmachen. Gefakter Beitrag. Alte Ausschnitte, gut kombiniert mit neuen Aufnahmen von Bully. Weil Gottschalk es nicht so mit Namen hat, gibt es einen Beitrag. Versprecher aus seinen Shows. Und ein gespieltes Vorsprechen bei Til Schweiger. Die Rolle des alzheimerkranken Opas in „Honig im Kopf“. Schweiger spielt lieblos. Gottschalk entspannt selbstironisch.

Klamotten wie eine Brandschutzdecke

Neben schlechtem Namensgedächtnis hat Gottschalk wirklich gar keinen Kleidergeschmack. Die hässlichsten Outfits werden von Guido Maria Kretschmer kommentiert: „Beschissener Look. Selbst für eine Safari zu viel. Das würden die Tiere nicht durchhalten“,„Oma Gottschalk. Da liegt noch eine alte Gardine. Egal. Nimm die. Der zieht doch alles an“, „ Alles in Gold. Ein bisschen wie eine Brandschutzdecke“.

Höhepunkt der Show – das Geburtstagskind singt. Geschminkt, Federbüschel im Haar, helium-hohe Stimme, begleitet von Geiger Garrett, singt Tommy die Papageno-Arie. Skurril. Im besten Sinn „Camp“.

Fazit: Gottschalk und Schöneberger topfit. Die Gäste, wie auch im wirklichen Leben, saugut, solide oder sauschlecht. Das Beiwerk – lausig oder lustig. Für den 70. Geburtstag kann noch intensiv nachgebessert werden.

Keine blanken Busen

Auf einen Auftritt leicht bekleideter Hostessen, deren Rekrutierung im Vorfeld für Aufsehen gesorgt hatte, hatte Thomas Gottschalk verzichtet. Die Frauen sollten in Anlehnung an die frühe RTL-Show "Tutti Frutti" mit deren damaligem Moderator Hugo Egon Balder beim Fest für Gottschalk auftreten. Auch so fühlten sich 5,42 Millionen Zuschauer angezogen. Eine sehr guter Wert, am Montag nur überflügelt von 5,59 Millionen, die sich für den ZDF-Krimi" Mordshunger" entschieden.

 

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