Erst an Springer verkauft, nun zu „Welt“ umbenannt. Torsten Rossmann (links) und Stefan Aust hatten den Sender N24 einst von ProSiebenSat1 übernommen. Foto: picture alliance / obs
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Späte Genugtuung Springer nennt N24 in Welt um

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Fünf Jahre nach dem Kauf trägt N24 bald den Namen von Springers „Welt“. Auch Stefan Aust freut sich.

Es ist ein langer Weg, der nun offenbar zum Ziel geführt hat. Mit der Umbenennung des Senders N24 am 18. Januar wird bald auch nach außen hin sichtbar, dass der Springer-Konzern bei dem Nachrichtenkanal nun das Sagen hat. 18 Jahre nach der Gründung von N24 und fünf Jahre nach der Übernahme durch Springer trägt N24 in wenigen Tagen den Namen „Welt“, wie mit einer am Montag gestarteten Werbekampagne vernehmlich verkündet wird.

Springer und das Fernsehen, das war in der Vergangenheit eher eine große Leidensgeschichte. In den 1990er Jahren wurden die Ambitionen des Medienhauses beim TV-Sender Sat1 durch den Dauerstreit zwischen Springer und dem Miteigentümer Leo Kirch gebremst. Als dann im Jahr 2005 das Feld für die Übernahme der Gesellschaftsmehrheit an ProSiebenSat1 frei wurde, wurde ein entsprechendes Kaufangebot für die nötigen Aktienpakete durch wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich und des Bundeskartellamtes zunichtegemacht. Das Interesse am TV-Geschäft bestand indes fort, auch wenn die große Lösung nicht zustande kam.

„Mit einer gemeinsamen starken Marke können wir unserem Publikum maximale Orientierung und Verlässlichkeit bieten, ganz egal, wann und wo es sich informieren möchte“, begründet Geschäftsführer Torsten Rossmann – der zusammen mit Ex-„Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust N24 aus dem ProSiebenSat1-Konzern herausgekauft hatte – den Namenswechsel. „Als TV-Verantwortlichen freut mich besonders, dass wir nicht nur auf allen Kanälen exzellenten Journalismus bieten, sondern auch in der Live-Berichterstattung überzeugen und mit hochwertigen Dokumentationen begeistern.“ N24 ist Marktführer im Bereich der kommerziellen Nachrichtensender und liegt mit einem Marktanteil von 1,5 Prozent vor n-tv mit 1,1 Prozent.

Der Kreis schließt sich

Für Stefan Aust, inzwischen Herausgeber der Welt-N24-Gruppe, schließt sich mit der Umbenennung ein Kreis: „Als wir N24 an Springer verkauft haben, hat mich Mathias Döpfner gefragt, ob ich dabeibleiben wolle. Ich stimmte zu, weil ich miterleben wollte, wenn das umgesetzt wird, was ich beim ,Spiegel‘ immer gewollt aber nicht gedurft habe: nämlich ein Printobjekt, einen Fernsehsender und Online zu einem publizistischen Auftritt zusammenzuschmelzen.“ Da sei es nun nur logisch, dass man die Produkte, die in einer Firma entstünden, nun auch dem Namen nach zusammenführe.

„Uns war immer klar, dass die Übergangsphase nicht ganz einfach sein wird“, sagte Aust dem Tagesspiegel. „Aber wir haben den Zuschauern des Fernsehsenders, den Nutzern von Welt Online und den Lesern von ,Welt‘/,Welt am Sonntag‘ Zeit gegeben, sich langsam daran zu gewöhnen, dass das aus einem Hause und einer Redaktion kommt. Irgendwann musste die Umbenennung mal sein.“

Die komplette Zusammenlegung der Redaktion von Print, Digital und TV muss allerdings noch warten. Noch ist der Neubau auf dem Nachbargrundstück des Springer-Konzerns in Berlin nicht abgeschlossen. Bis dahin verbleibt der TV-Sender am Potsdamer Platz.

Abgesehen vom neuen Namen und Logo setzt der Sender auf Kontinuität und eine klare Programmstruktur aus Nachrichten und Dokumentationen, ergänzt durch Magazine und Talk. „Bleibt alles beim Neuesten“, lautet der Claim der Werbekampagne. Im Dokumentationsbereich wird der Sender – wie jetzt bei der zweiten Staffel von „Spacetime“ oder neuen Episoden der „Foodtruckerin“ – eigene Inhalte produzieren.

Zudem sollen verstärkt neue Dokumentationen in Koproduktion entstehen, kündigte der Sender an. So sicherte sich N24/Welt den National-Geographic-Sechsteiler „Year Million“. In der im April startenden Dokureihe wird gezeigt, wie künstliche Intelligenz das Leben radikal verändern wird.

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