Im Netz und von Kollegen wurde dpa-Reporterin Kristina Dunz für ihre unerschrockenen Fragen an Donald Trump gefeiert. Foto:
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Nach Trump-Merkel-Pressekonferenz Das Netz und US-Journalisten feiern deutsche Korrespondentin

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Lob von den US-Kollegen, ein Schmunzeln von der Kanzlerin: dpa-Korrespondentin Kristina Dunz stellt US-Präsident Trump die "Fake News"-Frage - und erhält die wohl erwartbarste Antwort. Mit ihrem Arbeitsplatzwechsel hat dies jedoch nichts zu tun.

"US-Reporter von deutscher Reporterin geschockt, die von Trump wissen will, warum er immer Dinge behauptet, von denen er weiß, dass sie nicht wahr sind", twittert Brent Goff, der Chef-Nachrichtensprecher der Deutsche Welle News nach der gemeinsamen Pressekonferenz von Donald Trump und Angela Merkel nach dem Antrittsbesuch der Bundeskanzlerin beim US-Präsidenten. "Gute Arbeit der deutschen Presse. Ernsthaft", lautet der Tweet von CNN-Korrespondent David M. Drucker. Die Rede ist von dpa-Reporterin Kristina Dunz, die bei der Deutschen Presse-Agentur unter anderem für das Kanzleramt zuständig ist, und Angela Merkel bei ihrer Visite in die USA begleitet hat.

Auf der Pressekonferenz stellte Dunz gleich drei Fragen: Von Merkel wollte sie wissen, für wie gefährlich die Kanzlerin die Abschottungspolitik des US-Präsidenten halte und an Trump stellte sie zunächst die Frage, ob die Schwächung von Europa durch "America first" nicht auch eine Gefahr für die USA sei, bevor sie das ganz schwere Geschütz auffuhr: "Warum machte Ihnen eigentlich Pressevielfalt so große Angst, dass sie so oft von ,Fake News' sprechen und dann selbst Dinge behaupten, die dann nicht belegt werden können wie die Äußerung, Obama habe sie abhören lassen?" Zu sehen ist die ganze Pressekonferenz in der "Tagesschau"-Mediathek, Angela Merkel ruft die dpa-Journalistin in Minute 13:20 auf.

"Ein weiteres Beispiel für Fake News"

Als Angela Merkel mit einem Schmunzeln zu einer Antwort auf die an sie gerichtete Frage beginnen wollte, fiel ihr Trump ins Wort. "Darf ich zuerst antworten?", sagte er mehr rhetorisch, lobt die "freundliche Reporterin" und erläuterte dann zunächst ausführlich, warum er gegen Isolationismus sei, aber nun "fairen" Handel einfordere. Auf die Frage zur Abhöraktion ging Trump jedoch nicht direkt ein, sondern sagte zum Abschluss seiner Antwort: "Ich weiß ja nicht, welche Zeitung Sie lesen (hier stand zunächst irrtümlich: vertreten), aber ich würde sagen, dass das wieder ein Beispiel für Fake News ist."

Michael Tackett, Korrespondent der "New York Times" lobt Dunz eine halbe Stunde später via Twitter: "Ein Mitglied der deutschen Journalistengruppe stellt endlich die Frage nach der Abhöraktion". Mike Memoli von der "L.A.Times" merkte zudem an, dass beide deutsche Reporter, die in der Pressekonferenz Fragen stellen konnten, auf die Abhöraktion eingegangen sind - während dies keiner der US-Reporter getan haben, denen das Wort erteilt wurde.

US-Kollegen verunsichert

Nach Ansicht von dpa-Chefredakteur Sven Gösmann hat Donald Trump die Rolle der Presse immer noch nicht genau verstanden. Auch in der Vergangenheit habe es Spannungen zwischen dem Präsidenten und dem White House Press Corps gegeben, selbst unter Obama, aber der sei mit allen sprechfähig gewesen. Das sei unter der Trump-Administration eher nicht so. "Ich bin eher erschüttert, dass Frau Dunz als Heroin im Kampf um die Pressefreiheit angesehen wird, weil sie ihren Job gut macht und eine kritische Frage gestellt hat. Das zeigt auch, unter welcher Verunsicherung die amerikanischen Kollegen leiden", sagt der dpa-Chefredakteur dem Tagesspiegel. Er bestätigte zudem, dass Kristina Dunz nach der Bundestagswahl von dpa zur "Rheinischen Post" wechseln wird.

Eine Absprache über die Fragen in der Pressekonferenz habe es nicht gegeben, sagte Gösmann. "Ich weiß, dass Kristina Dunz scharf und pointiert fragen kann. Dass sie auch unangenehme Fragen stellt, ist eine ihrer Qualitäten. Ich gehe davon aus, dass der amerikanische Präsident das aushalten wird, und rechne nicht damit, dass das irgendwelche Folgen für uns hat, über die hinaus, die die seltsame Pressepolitik der US-Regierung ohnehin hat", sagte Gösmann weiter. "Wenn es für die dpa in den USA nicht mehr möglich ist, frei und unabhängig zu berichten, dann wird es finster in der Welt."

"Mein Highlight des Tages"

Die Courage von Kristina Dunz wird aber nicht nur in Journalistenkreisen gelobt, im Netz gehören die Pressekonferenz und die Fragen der dpa-Reporterin zu den viel geteilten Themen. "Kristina Dunz ist wie das Kind in "Des Kaisers neue Kleider". Die Wahrheit so offen aussprechen, wo immer alle blind und taub sind. Super!", heißt es in einer Reaktion. Fast in Echtzeit erweist Oliver Welke Kristina Dunz "von der Deutschen Presseagentur" seine Reverenz. - "Chapeau!", freut sich ein anderer Nutzer, dass die "heute-show" den Moment am gleichen Abend aufgriff. Oder wie es Welke sagte: "Mein Highlight des Tages."

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