Aus dem Amt gedrängt: Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Wolfgang Büchner. Foto: dpa
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MEDIA Lab Köpferollen

Stephan Russ-Mohl
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Allerorten wird nach den Schuldigen für die wirtschaftliche Misere von Zeitschriften und Zeitungen gesucht. Wie wäre es statt dessen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Redaktionsmanagement anzuwenden?

In der Medienbranche geht es, metaphorisch gesprochen, derzeit fast schon zu wie bei den Taliban und im Islamischen Staat. Es rollt ein Kopf nach dem anderen. Und viel zu oft trifft es besonders brillante Köpfe. Dass sich – wie soeben Alan Rusbridger beim "Guardian" – ein Top-Journalist freiwillig aus dem Tagesgeschäft zurückzieht, statt geschasst zu werden, ist fast schon zur Ausnahme von der Regel geworden.

Mal haben es Chefredakteure wie Wolfgang Büchner geschafft, den einflussreichen Teil der Redaktion gegen sich aufzubringen – die Print-Journalisten, die zugleich die privilegierten Miteigentümer des „Spiegel“ sind. Immer öfter, wie gerade bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ und zuvor bereits beim „Stern“ und bei „New Republic“ durchexerziert, sind es indes die Verlags-Hierarchien, die nicht mehr ein und aus wissen und einen Schuldigen dafür suchen, dass es mit dem „neuen“, einträglichen Business-Modell für den Journalismus weiterhin hapert. Dabei ist es wahrlich nicht die Schuld der Chefredakteure, dass Leser sich in User verwandeln und online alles gratis erwarten. Und es ist auch nicht eine Fehlleistung der Redaktionen, dass Anzeigenkunden lieber in sozialen Netzwerken oder bei Suchmaschinen werben, weil sie dort ihre Zielgruppen ohne Streuverluste erreichen können.

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Den Vogel abgeschossen hat bisher freilich Gruner und Jahr: Dort hat man, zum Beispiel bei der „Brigitte“, die ganze Redaktion an die Luft gesetzt, nur die Chefs durften bleiben. Im Blick auf den Roboter-Journalismus, der nicht nur in der amerikanischen Fachwelt diskutiert wird, war das bestimmt eine zukunftsweisende Entscheidung. Überall dort, wo noch keine Roboter im Einsatz sind, würde man sich indes wünschen, dass Chefredakteure und Verlagsobere sich öfter mal eine Auszeit gönnen. Sie sollten sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Redaktionsmanagement verproviantieren. Dann ginge es mutmaßlich in einigen Redaktionen wieder etwas humaner zu als bei den Taliban.

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