Rechtzeitig vor Weihnachten verteilt Oliver Welke wieder den "Goldenen Vollpfosten". Foto: ZDF und Willi Weberp

Drei Mal Satire im Zweiten Vollpfosten-Triple

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Mainzelspaßmacher: Das ZDF kann am Freitag offenbar nicht anders, es gibt Satire auf Satire auf Satire. Der "Goldene Vollpfosten" der "heute-show" ging an Donald Trump, die Deutsche Bank, die AfD, die Briten, Putin und Erdogan.

Einmal im Jahr dürfen Werner Doyé und Andreas Wiemers an die frische Luft. Dann, wenn es Zeit wird für ihren „Satirischen Jahresrückblick 2016“. In vielen anderen Wochen gestalten die Autoren die „Frontal 21“-Rubrik „Toll!“. Damit schließt das ZDF Politmagazin am Dienstag und versetzt Moderatorin Ilka Brecht in die Lage, die harte Kost mit einem Schluss-Schmunzler abzufedern. Täuscht der Eindruck, dass Ilka Brecht ihre Mimik in den Schmunzler-Modus zwingen muss, weil „Toll!“ doch nicht so toll war? Freitag Abend haben Doyé/Wiemers nicht nur wenige Minuten, sondern eine ganze halbe Stunde Zeit für krachende Satire.

Tja, äh, hüstel, ist nicht so wahnsinnig toll geworden. Der Jahresrückblick startet mit, was Fernsehsatiriker in der allerersten Ausbildungsrunde lernen: Schnelle Hände formen aus Holzstöckchen Politikergesichter: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) oder Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagen Sätze, die sie bestimmt nie gesagt haben wollen, so bescheiden ist die Aussage, um mal das grobe Adjektiv „dümmlich“ zu vermeiden. Dann wird in einem Sketch nachgestellt, wie Angela Merkel, die „Flüchtlingskanzlerin“, in der Steinzeit Grenzen überwunden hätte. So geht es weiter, so geht es hin; der ZDF-Zuschauer wird seine gesamten Lachreserven aktivieren müssen, wenn sein Fernsehabend nicht in Erstarrung auf dem Sofa enden soll.

So viel Spaß muss sein. Andreas Wiemers (links) und Werner Doyé gestalten den "satirischen Jahresrückblick 2016" im ZDF Foto: ZDF und Svea Pietschmannp

Ist das Zweite mit seiner Programmplanung gut beraten? Vor dem satirischen Jahresrückblick gibt es bereits einen satirischen Jahresrückblick im Zweiten: Die „heute-show“ hält nach dem „heute-journal“ Ernte, zentral wird die Verleihung des „Goldenen Vollpfostens“ durch Anchorman Oliver Welke sein. Die Trophäe – im Dildo-Format – wird an all jene vergeben, die „sich durch ihr Wirken im abgelaufenen Jahr besonders hervorgetan haben“, heißt es in einer Mitteilung. Die letzte „heute-show“ 2016 wird neben Welke die Besten aus dem Ensemble versammeln. Der Schlusspunkt soll zum Höhepunkt werden. Gernot Hassknecht wird sich die Lunge aus dem Leib schreien.

Nach „heute-show“ und „Satirischem Jahresrückblick“ hört die ZDF-Humoroffensive nicht auf. Es folgt, gegen Mitternacht schon, eine weitere Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ mit Lachsack Jan Böhmermann. Mit dem Zweiten wird gelacht, bis das Zwerchfell kracht.

Soll sich der Zuschauer freuen oder soll er in Deckung gehen? Mainz, wie es singt und lacht jetzt schon im Dezember. Wie stets kommt es auf den Vergleich an: Die TV-Fastnacht dauert immer länger als die dreifaltige Satire am Freitag und lustiger wird das Schaulaufen dieser Narren bestimmt nicht sein.

P.S. Am späten Freitagabend haben so viele Zuschauer die „heute-show“ gesehen wie noch nie. Ab 22 Uhr 30 verfolgten im Schnitt 4,31 Millionen den Jahresrückblick, in dem Oliver Welke gemeinsam mit seinen Kollegen inzwischen schon traditionell den „Goldenen Vollpfosten“ verlieh. Die gingen an den designierten US-Präsidenten Donald Trump, die Deutsche Bank, die AfD, die Briten, Putin und Erdogan, bespottet von Carolin Kebekus. Damit schalteten noch einmal ein paar mehr Zuschauer ein als vor einem Jahr. Der Marktanteil lag bei entsprechend starken 17,9 Prozent und machte den Mainzer Sender damit zum unangefochtenen Marktführer um diese Uhrzeit. Die „heute-show verzeichnete somit mehr Zuschauer als „Soko Leipzig“ und „heute-journal“, die vorher liefen.

„heute-show: Der Jahresrückblick“, „Der satirische Jahresrückblick 2016“, „Neo Magazin Royale“, in der ZDF-Mediathek

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